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Die Schäden im Rodgauer Stadtwald sind immer noch unübersehbar. Foto: Rolf Oeser

Rodgau

20 000 Festmeter Schadholz im Rodgauer Stadtwald

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Das August-Unwetter hat im Rodgauer Stadtwald riesige Schäden hinterlassen. Die großflächige Aufarbeitung mit Maschinen kann aber erst 2020 beginnen.

Noch kann der Harvester, die große Holzerntemaschine eines Privatunternehmers, im Rodgauer Stadtwald nicht zum Einsatz kommen, weil bis zum Jahresende noch der Windwurf im Raum Seligenstadt beseitigt wird. Erst im kommenden Jahr ist es dann möglich, das Rodgauer Sturmholz aufzuarbeiten und das „Baumstamm-Mikado“ in Rodgaus Wäldern zu beseitigen. Die Stadt besitzt 2000 Hektar Forst – die größte kommunale Waldfläche im Kreis Offenbach.

Das Schadensausmaß hat das Forstamt Langen, das den Rodgauer Stadtwald betreut, aber schon grob beziffert: Schätzungsweise 20 000 Festmeter Schadholz sind durch den Sturm am 18. August angefallen – das sind 20 000 Kubikmeter Holzstämme. Damit liege jetzt doppelt so viel Holz am Boden wie normalerweise pro Jahr eingeschlagen werde.

Im Waldwirtschaftsplan 2020 sind diese Sturmschäden aber nicht eingepreist – genauso wenig wie der mögliche Erlös aus dem Holzverkauf. Der Plan, den die Mehrheit der Stadtverordneten in der Sitzung am Montagabend genehmigte, basiert nämlich auf Zahlen, die das Forstamt Langen im Sommer ermittelt hatte. Die Folgen des Sturms blieben erst einmal unberücksichtigt. Es lasse sich derzeit nicht seriös darstellen, welche finanziellen Auswirkungen das August-Unwetter auf den Stadtwald Rodgau haben wird, heißt es im Plan lediglich. Laut diesen Zahlen geht das Forstamt Langen davon aus, dass die Stadt Rodgau im kommenden Jahr mit ihrem Wald nichts verdienen wird. Ganz im Gegenteil: Ein Zuschuss von rund 190 800 Euro wird notwendig sein – ohne dass die Sturmschäden schon berücksichtigt sind.

Der CDU-Fraktion war diese Zahl in der Sitzung ein Dorn im Auge. Man hätte den Entwurf des Waldwirtschaftsplans doch deutlich „realitätsnäher“ gestalten können, meinte sie. Fraktionsvorsitzender Clemens Jäger warf dem Kämmerer, Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD), vor, er habe den Waldwirtschaftsplan ohne die Zahlen aus den Sturmschäden in den Haushaltsentwurf 2020 einfließen lassen, um sich sein avisiertes Haushaltsplus von 1,2 Millionen nicht verhageln zu lassen.

Der Bürgermeister wies diese Anschuldigung jedoch von sich. Vielmehr habe ihn „Ehrlichkeit“ bewogen, den Waldwirtschaftsplan mit Stand Juni 2019 in den Haushalt 2020 zu übernehmen. „Wir wissen nicht, wie viel Holz wir ernten können, welche Qualität es hat und welche Preise wir erzielen können“, sagte er.

Eines ist jedenfalls klar: Die „fetten Jahre“, in denen man in Rodgau mit dem Wald ein hübsches Sümmchen Geld verdienen konnte, sind aktuell vorbei. Sturmschäden, Schädlingsbefall, immense Trockenheit sowie Triebsterben durch den Diplodia-Pilz haben dazu geführt, dass viele Bäume fielen oder gefällt werden mussten. Der Holzmarkt wurde geflutet, die Preise brachen zusammen. Das Waldwirtschaftsjahr 2015 schloss die Stadt beispielsweise noch mit einem Gewinn von fast 600 000 Euro ab. 2018 verzeichnete man dagegen schon 179 000 Euro Verlust, für dieses Jahr enthält der Planentwurf ein kleines Plus von 4897 Euro.

„Durch die Einnahmen aus dem Holzverkauf refinanziert man normalerweise die Wiederaufforstung“, sagt Dieter Hanke, Betriebsassistent beim Forstamt Langen. Bei Bepflanzung mit einer Eichenkultur müsse man pro Hektar mit 25 000 bis 30 000 Euro an Kosten rechnen. „Erst wenn das Sturmholz aufgearbeitet worden ist, sieht man, wo neu gepflanzt werden muss“, sagt Hanke. Er schätzt aber, dass nur ein kleiner Teil der Sturmflächen wiederaufgeforstet werden muss, weil sich der Wald quasi selbst erneuert: Junge Bäume, die unter der dichten Baumkrone normalerweise eingehen, bekommen jetzt genügend Licht und können wachsen.

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