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Nicht alles macht soviel Spaß wie der Bodenreiniger.

Rodgau

Talente suchen, Berufe finden

Jugendliche befassen sich oft erst viel zu spät mit ihren Berufswünschen. Die Arbeitsagentur hat deshalb bei einem Aktionstag an der Böll-Gesamtschule in Nieder-Roden kräftig Werbung dafür gemacht, sich rechtzeitig mit seinem Traumberuf auseinanderzusetzen.

Von Dirk Rüsing

Selina Schnur hat schon eine konkrete Vorstellung von ihren Berufszielen. Die 14-Jährige möchte auf Lehramt studieren. Sie sagte, sie könne mit Kindern umgehen. Dieses Talent kann hilfreich sein, wenn Selina wirklich Lehrerin wird. Noch ist die Jugendliche Schülerin an der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Nieder-Roden. Dort hat die Offenbacher Agentur für Arbeit gestern den Aktionstag „Ich bin gut“ initiiert, der Schülern der Jahrgänge neun und zehn Impulse bei der Berufsorientierung gegen sollte.

Im Mittelpunkt der Aktion stand die Auseinandersetzung der Jungen und Mädchen mit ihren jeweiligen Fähigkeiten. „Wenn Schüler sich ihrer Talente bewusst werden, kann ein Berufsberater daraus vielleicht die Eignung für einen Beruf ableiten“, sagte Regina Umbach-Rosenow, Sprecherin der Arbeitsagentur.

Orientierung oft zu spät

Der künftige Agenturchef Thomas Iser sagte, die Erfahrung zeige, dass sich Jugendliche oft zu spät mit der Berufsorientierung befassten. „Deshalb holen wir sie mit dieser Aktion da ab, wo sie sind.“ Die Veranstaltung auf dem Pausenhof der Gesamtschule könne für die jungen Leute ein Anfang sein, um in einem nächsten Schritt „vielleicht bei einem Praktikum konkret in einen Beruf reinzuschnuppern“, erklärte Iser.

Neben Berufsberatern, die mit den Schülern nach deren Talenten suchten, waren auf dem Schulgelände die Stadt Rodgau, die Handwerkskammer Rhein-Main, das Reinigungsunternehmen Wisag und das Seniorenheim Gretel-Egner-Haus vertreten. Sie stellten diverse Ausbildungsberufe wie Altenpfleger, Erzieher, Gebäudereiniger sowie Maurer und Anstreicher vor. An den Ständen des Pflegeheims und von Wisag durften die Jugendlichen Blutzuckerbestimmungen machen und eine fahrbare Kehrmaschine steuern.

Was für die Schüler ein Spaß war, hatte für die beiden Unternehmen einen ernsten Hintergrund. Sowohl das Seniorenheim wie auch der Dienstleister Wisag haben Mangel an jungen Fachkräften. „Der Beruf des Altenpflegers gilt nicht als besonders attraktiv“, sagte Horst Thuro, Leiter des Gretel-Egner-Hauses. Auch die Ausbildung zum Gebäudereiniger, wie er bei Wisag gebraucht wird, sei bei jungen Leuten nicht sehr beliebt, sagte Wisag-Geschäftsführer Wolfgang Axt. Beim Aktionstag an der Böll-Schule hatten Thuro und Axt Gelegenheit, bei jungen Leute für die jeweiligen Berufe zu werben.

Berufsorientierung beginnt an der Rodgauer Gesamtschule laut Schulleiterin Andrea Haus bereits in der achten Klasse. Den Aktionstag nannte sie einen willkommenen Akzent von außen, der das Angebot an der Schule ergänze, zu dem die jährliche Bildungsmesse der Stadt gehöre, an dem die achten bis zehnten Klassen verpflichtend teilnehmen. In der Berufsorientierungsphase müsse mancher Schüler an die Hand genommen werden, sagte Haus.

Stadtrat Michael Schüßler (FDP) erklärte in diesem Zusammenhang, das Angebot sorge für Kontinuität und halte die Aufmerksamkeitskurve der betreffenden Schüler hoch.

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