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Ein neuer Stadtpark könnte auf der Grünen Mitte eingerichtet werden, einige könnten sich aber auch Wohnungen dort vorstellen.

Rödermark

Streit um Wohnen in der "Grünen Mitte"

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Eine zentrale Freifläche in Rödermark soll gestaltet werden. Doch es gibt Streit darüber, ob daraus ein reines Naherholungsgebiet werden soll oder auch Wohnungen zugelassen werden sollen.

Ein Produkt der hessischen Gebietsreform ist Rödermark: Noch immer ist haargenau zu erkennen, wo die unterschiedlichen Gemeinden lagen, bevor sie zur Kunststadt Rödermark verschmolzen wurden. So breitet sich zwischen Urberach im Westen und Ober-Roden im Osten ein großes unbebautes Gebiet aus, das von Feldern und Wiesen geprägt ist. Wohin es zukünftig mit dieser „Grünen Mitte“ gehen soll, wie die Fläche im Volksmund genannt wird, hat die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Dienstag beschäftigt.

Nachdem ursprünglich ganze sieben Anträge sich mit der Fläche beschäftigt hatten, gelang es vor der Sitzung, sich auf einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen zu einigen: In den nächsten sechs bis neun Monaten soll die Grüne Mitte als Fläche genau definiert werden.

Denn genau dies existiert bisher nicht. In der Stadt gehen die Vorstellungen davon, wie weit sich die Grüne Mitte ausbreitet, ziemlich auseinander. Manche definieren nur das Gebiet entlang der Rodau zwischen Urberach und Ober-Roden als Grüne Mitte, andere weiten sie bis nach Messenhausen im Norden aus.

Auch die zukünftige Funktion und Nutzung sollen als Teil des „Rödermark-Planes“ festgeschrieben werden. Eben dabei zeigte sich aber schon am Dienstag die Sollbruchstelle beim interfraktionellen Antrag. Während Andere Liste / Grüne, CDU oder FDP die Grüne Mitte vor allem als Naherholungsgebiet oder Frischluftlieferant für die Stadt sehen und für einen Stadtpark plädieren, möchte die SPD gern auf bestimmten Flächen Wohnungsbau gestatten. Bereits im Bürgermeisterwahlkampf zu Jahresbeginn hatte SPD-Fraktionschef Samuel Diekmann das vehement vertreten.

„Wir halten daran fest, dass ein kleiner Teil der Fläche mit Wohnungen zu bebauen ist“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Norbert Schultheis, der „Erhalt von Äckern“ gehöre nicht zu den Zielen der SPD.

Dem Wohnungsbau verschließen wollten sich auch die Freien Wähler nicht: Auf einem Teilstück sei dies zu überdenken. Auch die Einrichtung eines Stadtparks würde von den Freien Wählern mitgetragen werden.

Zank um Recyclingunternehmen

In der Bürgerschaft dürften die Überlegungen in Richtung Wohnungsbau für Unruhe sorgen, bei der AL etwa hat die Grüne Mitte geradezu identitätsstiftende Wirkung. Im Bürgermeisterwahlkampf führten die SPD-Gedankenspiele zu teils heftigen Gegenreaktionen. Bürgermeister Roland Kern (AL) kündigte an, dass es eine Bürgerversammlung geben werde, bei der Zuschnitt und Nutzung der Grünen Mitte diskutiert werden sollen.

Ein ganzer Strauß weiterer Anträge beschäftigte sich am Dienstag mit der städtebaulichen Entwicklung: So soll nach Jahren der Beratung an der Kapellenstraße ein Gewerbegebiet entstehen. Ebenso soll es um die Odenwaldstraße erstmals ein „Urbanes Gebiet“, ein Mischgebiet für Wohnen und Gewerbe, geben.

Heftigen Streit gab es dagegen bei der Ausweisung des Gewerbegebiets „Hainchesbuckel“ und um das dort ansässige Recyclingunternehmen Rügemer. Gleich mehrere Redner betonten, dass das Unternehmen vor knapp 40 Jahren auf einem Acker seinen Betrieb aufgenommen habe, ohne dass dort Gewerbe genehmigt gewesen sei. Die Koalition aus CDU und AL sagte, sie wolle mit der Ausweisung des neuen, 4,5 Hektar großen Gewerbegebietes um das Recyclingunternehmen auch endlich planungsrechtliche Voraussetzungen für das Unternehmen schaffen. Die FDP sah durch die Ausweisung den Bestand des Unternehmens in Gefahr und wollte ihm Sonderrechte garantieren, fand dafür aber keine Mehrheit. „Eine Lex Rügemer wird es in Rödermark nicht geben“, sagte AL-Chef Stefan Gerl.

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