Rodgau Flüchtlinge

Streit über Flüchtlinge

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Rodgauer Bürger kritisieren die Unterbringung von 80 Flüchtlingen auf einem Bolzplatz. Bei einer hitzigen Debatte am Mittwoch wurde über Alternativen nachgedacht.

Dass der Kreis Offenbach auf einer als Bolzplatz genutzten Wiese an der Schule am Bürgerhaus eine Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 80 Flüchtlinge bauen will, stößt in Nieder-Roden auf Kritik. „Flüchtlinge sind uns willkommen“, sagte Stephanie Blum, Vorsitzende des Vereins „Mein Nieder-Roden“, am Mittwoch bei einer von diesem organisierten Podiumsdiskussion. Sie sei aber dafür, die Asylbewerber dezentral in Wohnungen unterzubringen. Ihr Mann, Günter Blum, verwies auf die früher als Obdachlosenunterkunft genutzten Gebäude in Jügesheim. „Wir wundern uns, dass niemand dem Kreis diese Wohnungen angeboten hat.“
Eine Dudenhöferin behauptete, das sei nicht geschehen, weil der Erste Stadtrat Michael Schüßler (FDP) in der selben Straße wohnt. „Sauber gemacht, Möbel rein, dann hätten wir die Wohnungen“, sagte Elke Bannert aus Nieder-Roden.

Der von mehreren Rednern angegriffene Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) widersprach vehement und zunehmend ungehalten. Die Gebäude seien „Schrott“, ja „am Ende“, die Wohnungen nicht bewohnbar, weil ohne Heizung und fließendes Wasser. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzureißen“, sagte er vor mehr als 100 Zuhörern. Die Stadt will das Grundstück für 540 000 Euro an einen Investor verkaufen.

Nur drei freie Wohnungen

Die Stadt habe dem Kreis alle freien Wohnungen in ihrem Besitz angeboten, sagte Hoffmann. Das seien allerdings nur drei. Er wehrte sich gegen Kritik, dass die Gemeinschaftsunterkunft in Nieder-Roden entstehe und nicht in einem anderen Stadtteil. „Bitte nicht das Märchen von der Benachteiligung Nieder-Rodens“, sagte er und zählte auf, was die Stadt dort alle getan habe.

Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) nannte eine Unterbringung der Flüchtlinge in Wohnungen vorteilhaft, machte den Anwesenden aber keine Hoffnung, das Problem so zu lösen. Es werde zu viel Wohnraum für die zunehmende Zahl an Flüchtlingen gebraucht. Viele Eigentümer vermieteten nicht an Asylbewerber. Dass der Kreis oder die Stadt Bürgschaften für diese übernähmen, wie mehrere Redner vorschlugen, sei nicht erlaubt. Selbst für vor Jahren Zugewanderte sei es schwierig, eine Wohnung zu finden, berichtete der Rodgauer Ausländerbeiratsvorsitzende Göksal Arslan.

In teils scharfer Form kritisierten einige Redner, dass die Kinder im Stadtteil ihren Bolzplatz verlören, wenn das Gelände bebaut wird. „Wer denkt an die Kinder?“, fragte eine Mutter. „Wo soll dann Integration stattfinden?“, eine andere. Ein Mann suggerierte, es sei gefährlich, eine Flüchtlingsunterkunft, in der fast nur Männer leben würden, an eine Schule und einen Kindergarten zu bauen.

Andere kritisierten das in deutlichen Worten. Er habe gedacht, es gehe darum, Flüchtlingen zu helfen, sagte ein Jügesheimer. „Wir sollten daran arbeiten, wie wir die Leute integrieren können“, warb ein Nieder-Röder. Reinhold Seyer (SPD) nannte es beschämend, um Prozente der Zuweisung zu feilschen.

Netzwerk soll entstehen

Barbara Cárdenas, Landtagsabgeordnete der Linken, warnte vor einer feindlichen Haltung gegenüber Flüchtlingen. Sie nannte es aber „nicht gut, den Leuten ihren Sportplatz wegzunehmen“ und plädierte dafür, so vielen Menschen wie möglich, Wohnungen zu stellen. Müller und Hoffmann versicherten, nur ein Siebtel der Wiese werde bebaut. Man könne dort weiter Fußball spielen.

Einig waren sich die Redner lediglich, dass ein Netzwerk zu Gunsten der Flüchtlinge entstehen sollte. „Was Hilfsbereitschaft angeht, sind wir Rodgauer sehr gut“, sagte Bürgermeister Hoffmann. Eine Menge Leute hätten ihm Unterstützung angeboten.

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