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Im Tiefflug über dem Kreis Offenbach

Flughafenausbau

Städte im Kreis fürchten mehr Lärm

Ende des Jahres werden östlich des Rhein-Main-Flughafens neue Flugrouten getestet, die Offenbach, Frankfurt und Hanau entlasten - auf Kosten der Kommunen im Kreis. Das wollen sich die betroffenen Städte nicht gefallen lassen.

Von Christoph Manus und Jörg Muthorst

Viele Menschen im Kreis Offenbach müssen sich auf mehr Lärm einstellen. Zunächst als Probebetrieb sollen Flugzeuge den Frankfurter Flughafen nicht mehr über Hanau, Mühlheim und Offenbach anfliegen. Die neue Route, die Ende des Jahres getestet werden soll, führt von Süden über Weiskirchen und zwischen Obertshausen und Heusenstamm hindurch und stößt nördlich von Neu-Isenburg auf die bisherige Anfluggrundlinie. Dabei geht es zunächst um 32 Flüge zwischen 23 und 5 Uhr.

Die Route führe zu einer erheblichen Entlastung von Offenbach, Mühlheim, Hanau und Frankfurt, begründet das Forum Flughafen und Region die Änderung, die Teil des „Maßnahmenpakets Aktiver Schallschutz“ ist. Auch Neu-Isenburg werde – wenn man die hoch belasteten Bürger betrachtet – entlastet. Die Belastung für Heusenstamm und Obertshausen steigt allerdings – und das noch deutlich stärker als etwa in Rodgau.

Der Neu-Isenburger Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) fordert bereits, die Anflugroute so zu verlegen, „dass keine zusätzliche Fluglärmbelastung für Neu-Isenburg entsteht“. Er fürchtet vor allem mehr Lärm im Stadtteil Gravenbruch, wenn die Flugzeuge nicht mehr über Offenbach anfliegen. Dort werde es, so ein von der Stadt beauftragter Experte, zu mehr „Aufweckreaktionen“ kommen.

Zurzeit sei zwar nur ein Probebetrieb während der Nacht geplant, aber es sei vorgesehen, die Flugroute dauerhaft zu installieren, sagt Hunkel. Die Stadt Neu-Isenburg fordert zudem eine Aufschlüsselung nach Stadtteilen.

Der Rodgauer Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) rät dagegen, zunächst den Probebetrieb abzuwarten, „um zu sehen, welche Auswirkungen der Fluglärm hat“ – erntet dafür jedoch heftigen Widerspruch von der Weiskircher CDU. „Für Weiskirchen bedeutet diese Änderung neben den Einschränkungen durch die A 3 und die B 45 nun noch zusätzlich Fluglärm“, kritisiert die Vorsitzende der Stadtteil-CDU, Anette Schweikart-Paul.

Kritik kommt auch aus Seligenstadt. Unter der „positiv formulierten Überschrift Anti-Fluglärmpaket“ würde den Seligenstädtern eine „erhebliche zusätzliche Lärmbelästigung untergejubelt“, ärgert sich Bürgermeisterin Dagmar Nonn-Adams (parteilos). Die Obertshäuser Stadtverordneten haben in einem Dringlichkeitsantrag den Magistrat beauftragt, darauf hinzuwirken, dass es zu keiner Mehrbelastung für ihre Stadt kommt. Protest ist auch aus Heusenstamm und Hainburg zu hören.

Die Sorgen der Kreiskommunen würde der Flughafendezernent der hochbelasteten Großstadt Offenbach gerne haben. Paul-Gerhard Weiß (FDP): „Deren Belastung bewegt sich nur in homöopathischen Dosen. Es handelt sich nur um wenige Flüge und nicht um ein unerträgliches Quantum.“ Außerdem habe der Hessische Verwaltungsgerichtshof ein Nachtflugverbot beschlossen, und er gehe davon aus, dass dieses Verbot vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt werde.

Der nächtliche Probebetrieb mit neuen Anflugverfahren biete allerdings die Chance, die Lärmbelastung etwas mehr zu streuen. „Wir müssen das gemeinsam schultern. Die Stadt Offenbach will niemandem etwas zumuten, was sie nicht selbst auch zu tragen bereit ist.“

Unterm Strich werde das Sieben-Punkte-Programm, das Fraport für das Jahresende beim Bundesverkehrsministerium beantragen wolle, Offenbach nicht viel bringen, sagt Weiß. Dennoch begrüße er, dass sich im Bereich des Aktiven Lärmschutzes etwas bewege, so wie es die Stadt seit langem fordere.

Weiß hofft, dass die neuen Anflugverfahren auch tagsüber praktiziert werden und fordert Fraport auf, den gekrümmten Anflug auch für die geplante Nordwestbahn zu untersuchen.

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