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Der Koran soll historisch-kritisch behandelt werden.

Rödermark

Stadt will Islamunterricht

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Bürgermeister Kern wartet auf Antwort der Kultusministerin: Die Stadt will Schülern die Teilnahme an einem staatlich organisierten Islamunterricht ermöglichen. Eltern sammelten Unterschriften für das Projekt.

Die Stadt Rödermark will Schülern so schnell wie möglich die Teilnahme an einem staatlich organisierten Islamunterricht ermöglichen. Dazu hat Bürgermeister Roland Kern (Andere Liste) bereits Ende November einen Brief an die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) geschrieben, in dem er den Wunsch äußert, mit ihr persönlich über das Projekt für Rödermark zu sprechen. Ideen dazu, die vielleicht zu einer Art Modell für Hessen reifen könnten, entwickelte das Institut für Islamwissenschaft der Uni Frankfurt.

Henzler hat laut Kern noch nicht geantwortet. Die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts ist auf Drängen der FDP in den Koalitionsvertrags mit der CDU aufgenommen worden. Inzwischen scheint aber auch der Koalitionspartner hinter dem Islamunterricht zu stehen. Der CDU-Innenpolitiker Alexander Bauer nannte ihn jüngst „eine Bereicherung des Schulcurriculums insgesamt und eine konkrete Hilfe zur Beheimatung muslimischer Schüler“. Voraussetzung sei aber, dass er in deutscher Sprache stattfinde und sich historisch-kritisch mit den heiligen Schriften auseinandersetze.

140 Eltern hatten im Sommer per Unterschrift einen Islamunterricht für ihre Kinder in Rödermark gefordert. Ausländerbeirat und Magistrat griffen den Wunsch auf. Das Projekt sei von einem breiten Konsens getragen, betont Kern im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Es wird von allen Parteien befürwortet.“

Die Argumente für einen Islamunterricht liegen für Kern auf der Hand. So stehe in Paragraph 7 des Grundgesetzes und in Paragraph 57 der hessischen Landesverfassung, dass Religionsunterricht ein ordentliches Lehrfach sei – und das ohne Beschränkung auf eine bestimmte Konfession. Im Moment gebe es eine Ungleichbehandlung der muslimischen Schüler, weil diese anders als die evangelischen oder katholischen keinen Religionsunterricht erhalten. Das sei auch von Nachteil für unsere Gesellschaft. „Der Staat lässt eine Lücke offen, die andere ausfüllen“, sagt Kern. Missbrauch und Indoktrination seien bisher Tür und Tor geöffnet.

Im Auftrag der Stadt haben Dozenten und Studierende der Uni Frankfurt bereits ein Konzept für den Islamunterricht in Rödermark entworfen. Fest steht: Unterrichtssprache wird Deutsch sein. Kinder je zweier Jahrgangsstufen werden gemeinsam samstagsmorgens in einer der Rödermarker Schulen unterrichtet.

Der Lehrplan soll sich dem Konzept nach am niedersächsischen Curriculum orientieren, aber auch Inhalte aus den Lehrplänen für Islamunterricht in Nordrhein-Westfalen und Bayern enthalten. Die Schüler sollen ihre Teilnahme aber auch ihre Leistung bescheinigt bekommen.

Den Unterricht übernähmen nach Auskunft von Kern ausgebildete Lehrer vom Frankfurter Institut für Islamwissenschaften. Der Unterricht am Samstag sei nur eine vorläufige Lösung, um erste Erfahrung zu sammeln. Ziel müsse sein, den Unterricht in den Stundenplan der Schulen zu integrieren.

Bislang gibt es einen islamischen Religionsunterricht in keinem Bundesland als festes Schulfach. In Nordrhein-Westfalen nehmen bereits mehr als 10?000 Schüler an einem Schulversuch „Islamkunde in deutscher Sprache“ teil; zum kommenden Schuljahr soll sie zum Schulfach werden. Auch in Niedersachsen gibt es entsprechende Pläne.

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