Dreieich

Schüler fragen nach Umgang mit Erdogan

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Bundestagskandidaten aus Stadt und Kreis Offenbach stellen sich in Dreieich den Fragen der Weibelfeldschüler. Dabei geht es auch um den Umgang der Bundesregierung mit dem türkischen Präsidenten.

Schwarz und Grün haben die Nase vorn – zumindest bei einer Umfrage unter den Oberstufenschülern der Dreieicher Weibelfeldschule: 34,2 Prozent würden bei der Bundestagswahl in knapp drei Wochen CDU, 31 Prozent die Grünen wählen. Mit 15,5 Prozent folgt die SPD abgeschlagen auf dem dritten Platz, gefolgt von 5,6 Prozent für die Linken. FDP und AfD müssen sich mit mageren 3,1 Prozent zufriedengeben.

Obgleich die Umfrage eine Vorlage für mehrere Fragen geboten hätte, gingen die Organisatoren der Podiumsdiskussion in der Schule am Mittwoch nicht weiter darauf ein: Die Direktkandidaten Björn Simon (CDU), Tuna Firat (SPD), Wolfgang Strengmann-Kuhn (Grüne), Christine Buchholz (Linke), Karl-Richard Krüger (FDP) und Arno Groß (AfD) waren eingeladen, sich in der knapp zweistündigen Diskussionsrunde den Fragen der Oberstufenschüler zu stellen.

Zuerst standen aber vorgefertigte Fragen zu bestimmten Themen auf dem Programm: Wie bei einer Quizshow wussten die Kandidaten nicht, welche Frage sich hinter den Themen „Mein Land, dein Land“, „Grenzüberschreitung“ und „Blick nach vorn“ verborgen hielten. Dadurch bot sich den Schülern ein Potpourri an Themen, von der Gesichtserkennung als Ermittlungswerkzeug bis zum Umgang mit Autokraten wie Erdogan, zu denen sich die Kandidaten äußern mussten.

Dass es keine festen Regeln für Redezeit gab, wie Buchholz bemerkte, obwohl man sich in einer Schule befand, erwies sich dabei als Manko: Mancher Kandidat kam selten zu Wort, bei einigen Fragen fehlte die ordnende Hand der Moderatoren, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Zum Thema Sicherheit waren sich Simon, Firat und Strengmann-Kuhn einig, dass es mehr Personal für Gerichte und Polizei geben müsse, Buchholz und Krüger äußerten große Bedenken gegen mehr Videoüberwachung. AfD-Kandidat Groß brachte schon früh die anderen Kandidaten gegen sich auf, als er von Parallelgesellschaften und einer speziell für Dietzenbach unsicheren Lage für Ordnungskräfte sprach, was durch Facebook-Einträge belegt sei. „Facebook zeigt nur das, was man sehen will, und nicht, wie die Realität ausschaut“, entgegnete ihm Krüger.

Für einen Wechsel in der Außenpolitik in Bezug auf Autokraten sprach sich Buchholz aus: keine Rüstungs- oder Geheimdienstzusammenarbeit mit der Türkei etwa. Groß sprach sich für „Härte gegen Erdogan“ aus, während man sich „mit Putin anfreunden“ müsse, „wie im Tennisclub eben“. Die Krim-Besetzung sei nicht hinnehmbar, Europa müsse außenpolitisch klare Ziele formulieren und gemeinsam verfolgen, um so Autokraten unwichtig zu machen, sagte Krüger. Er vermisse eine klare Kante der Bundesregierung gegen Erdogan, sagte Strengmann-Kuhn, dies sei dem „problematischen Flüchtlingsdeal mit der Türkei“ geschuldet.

Einigkeit dagegen beim Thema Mieten: Dass die Mietpreisbremse wirkungslos sei, darüber waren sich alle einig. „In Großstädten und auch den Vorstädten müssen wir bezahlbaren Wohnraum vorhalten“, sagte Simon; die von der großen Koalition verabschiedete Mietpreisbremse weise zu viele Lücken auf. Lücken, die die CDU zu verantworten habe, wie ihn SPD-Mann Firat erinnerte. „Ich bin auch nicht stolz drauf, was da verabschiedet wurde“, gab Simon zu.

Zum Ende hin konnten die Schüler die Kandidaten direkt befragen, „aber bitte ohne gegenseitige Schuldzuweisungen, wer in der Vergangenheit was falsch gemacht hat“, wie eine Schülerin die Politiker ermahnte. Was am Schulsystem geändert werden solle, wollte sie wissen. Das sei zwar Ländersache, wie Simon betonte, aber eine Vereinheitlichung sei anzustreben, damit es nicht zu Problem komme, wenn man in ein anderes Bundesland umziehe. Am mehrgliedrigen Schulsystem sei mit ihm aber nicht zu rütteln. „Das mehrgliedrige System grenzt Menschen nach Herkunft aus“, sagte Firat, auch Strengmann-Kuhn sprach sich für eine Gemeinschaftsschule aus, allerdings müssten darin die individuellen Stärken der Schüler gefördert werden.

Das Abitur nach der zwölften Klasse oder die Verschulung an Hochschulen habe zu erhöhtem Druck auf junge Menschen geführt, sagte der Grünen-Politiker weiter. Äußerst knapp dagegen die Antworten der Teilnehmer auf die Frage eines Schülers, was zu tun sei, um Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte zu verhindern. „Dass so genau gefragt wird, damit haben die nicht gerechnet“, raunte ein Schüler in der Aula seinem Nebenmann zu.

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