+
Zwei Kilometer fehlen, um das Radeln sicherer zu machen.

Neu-Isenburg/Dreieich

Protestfahrt für einen Radweg

  • schließen

Rund 500 Fahrradfahrer haben sich am Sonntag an einer Protestfahrt auf der Landesstraße 3317 beteiligt. Dort fehlen zwei Kilometer Radweg, die seit Jahren versprochen sind. Die Bürgermeister wollen in Wiesbaden Druck machen.

Junge, Alte, Sportler, Familien mit Kindern – schier endlos ist die Kette von Radfahrern, die sich am Sonntagnachmittag auf die Landesstraße 3317 Richtung Gut Neuhof einfädelt. Ein Polizeifahrzeug hält die ungeduldig herandrängenden Autos zurück.

So sicher ist es hier normalerweise nicht. Bis zu 13000 Fahrzeuge nutzen die Verbindung zur Autobahn täglich. Eng und hektisch geht es zu auf den zwei Fahrspuren durch den Wald, Seitenstreifen gibt es nicht. „Für Radfahrer absolut untragbar“, sagt Lothar Klötzing vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Dreieich. Der hat die Protestfahrt organisiert, die den Landespolitikern endlich Dampf machen soll. Etwa 500 Teilnehmer sollen es nach Angaben der Polizei am Ende gewesen sein.

Was sich die Menschen vor Ort wünschen, ist ein Radweg. Ganze zwei Kilometer fehlen zwischen Gut Neuhof und der Stadtgrenze von Neu-Isenburg, „um das Fahrradfahren sicher zu machen“, wie Dreieichs Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) sagt. „Unser Ruf schallt bis Wiesbaden“, ruft er den Teilnehmern des Protestes zu. Der Radweg müsse nun endlich gebaut werden. Und zwar rasch, nicht erst 2015, wie es Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) auf eine Anfrage der Freien Wähler hin ankündigte. „Lasst uns nicht länger warten“, appelliert Zimmer an die Adresse des Ministers und lud ihn ein, mit ihm gemeinsam die Strecke im Alltagsverkehr abzufahren, um sich selbst ein Bild von den Gefahren zu machen. „Es ist ein Glück, dass bisher nichts Schlimmeres passiert ist.“

Der Neu-Isenburger Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) pflichtet seinem Kollegen bei. „Der Radweg hätte schon längst gebaut werden müssen“, betont er. Und plädiert dafür, jetzt dranzubleiben, den Druck aufrechtzuerhalten und „in einem deutlichen Schreiben“ noch einmal klarzumachen, dass mit dem Bau des Weges nun unmittelbar begonnen werden müsse.

Die lange Geschichte rund um den Radweg ruft ADFC-Aktivist Klötzing noch einmal ins Gedächtnis. Über Jahrzehnte habe es immer wieder Planungsanläufe gegeben, die dann stets im Sande verliefen. In den 90er Jahren sollte der Radweg zusammen mit der Nordspange und der Ortsumgehung Götzenhain Realität werden. „Die Straßen sind fertig, wir haben wesentlich mehr Verkehr – aber der Radweg ist immer noch nicht da.“ Die Strecke sei inzwischen nicht nur für Radler, sondern auch für Autofahrer gefährlich. Dann habe es geheißen, 2010 seien die Planungen soweit, und jetzt wolle der Minister auf 2015 vertrösten. „Es ist lächerlich, was da passiert“, sagt Klötzing.

Seit Gründung der ADFC-Ortsgruppe 1996 habe sich viel bewegt. Heute gebe es einen runden Tisch und eine kommunale Arbeitsgruppe. „Der Radverkehr hat einen anderen Stellenwert.“ Die Politiker vor Ort hätten das gut verstanden, „auf Bundes- und Landesebene klappt es leider noch nicht“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare