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Offenthal zeigt seine Trauer öffentlich.

Umgehungsstraße

Offenthaler sehen schwarz

Mit einem Trauerflor an ihren Häusern drücken die Offenthaler ihren Frust über die Bauverzögerung an der Umgehungsstraße aus. Die Politik hat das Geld dafür ein Jahr auf Eis gelegt.

Von Achim Ritz

Bei den Bürgern in Offenthal hat sich die Wut und Empörung der ersten Tage wegen der Verzögerung des Baus der Umgehungsstraße etwas gelegt. Der Protest gegen die Politiker in Berlin und Wiesbaden, die das Geld für die Umfahrung für mindestens ein Jahr auf Eis gelegt haben, ist leiser geworden, aber jetzt deutlich sichtbar. Die Anwohner der Durchgangsstraßen haben vergangene Woche und verstärkt am zurückliegenden Totensonntag an ihren Häusern schwarze Flaggen aufgehängt. Nach Darstellung von Günther Stapp, Sprecher der Offenthaler Interessengemeinschaft verkehrsgeschädigter Bürger, soll mit dem Trauerflor auch in der Adventszeit auf die Misere hingewiesen werden, unter der die Offenthaler leiden würden: Lärm und Abgase von bis zu 20000 täglich durch den Stadtteil rollenden Fahrzeugen.

Da viel Geld in das Konjunkturprogramm geflossen ist, fehlen dem Bundesverkehrsministerium rund zwölf Millionen Euro. Der Offenthaler Straßenbau – der erste Spatenstich war Mitte Dezember vergangenes Jahr – muss deshalb warten. Die Umfahrung ist um zwölf Monate verschoben worden. Auch das Land Hessen gibt die für die Ostspange vorgesehenen vier Millionen Euro zunächst anderweitig aus, will das Geld aber wieder freigeben, sobald der Bund sozusagen zum „zweiten Spatenstich“ einlädt. Die Interessengemeinschaft spricht von Lüge und von menschenverachtenden Machenschaften der Politiker. Wenn die Bauarbeiten jetzt verzögert würden, werde jeder Bürger bestraft, meint Günther Stapp.

Im Rathaus in Sprendlingen macht sich bei Dreieichs Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) neben der Verärgerung über die schlechten Nachrichten aus Berlin und Wiesbaden auch Resignation breit. Die Magistratsspitze gibt es auf, weitere Brandbriefe an die zuständigen Minister auf Landes- beziehungsweise Bundesebene zu schreiben. Der Rathauschef ist zwar mächtig sauer auf die verantwortlichen Minister, sieht aber keine Chance mehr, dass die vom Bund angekündigte einjährige Verzögerung noch zu verhindern sei. Seiner Meinung nach hat die Stadt alles versucht, um aus der schlechten Nachricht vielleicht doch noch – wie im vergangenen Jahr der Spatenstich im Schnee – ein Weihnachtsgeschenk für die Offenthaler zu machen. Fehlanzeige. „Das ist enttäuschend“, sagt Dieter Zimmer und versteht, dass viele Offenthaler auf die Politik schimpfen.

Den Brief mit der Begründung der Bauverzögerung aus dem Bundesverkehrsministerium vor Augen kann der Bürgermeister nur den Kopf schütteln. „Die Bautätigkeit muss den finanziellen Rahmenbedingungen angepasst werden“, ist aus Berlin zu erfahren. Auf eine Antwort von Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) wartet Dieter Zimmer bis heute vergeblich. Nur wenn die verantwortlichen Politiker aus Wiesbaden oder Berlin nach Offenthal kommen würden, um ihre Entscheidung zu erklären, möchte Zimmer die Bürger zu einer Versammlung einladen. Ansonsten ergebe ein solches Treffen keinen Sinn.

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