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Der flachste Laptop? Die Zeitung! "En Haufe Leut" nehmen nicht nur die Rodgauer Lokalgrößen auf die Schippe, sondern auch die Bundespolitik.

Rodgau

Hilde, Guido und die Dekadenz

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Spätrömische Dekadenz, das flachste Notebook der Welt und die Jügesheimer CDU - "En Haufe Leut" nehmen in ihrem neuen Programm nicht nur die Rodgauer Lokalpolitik auf die Schippe.

Die beiden sind Angeber vor dem Herrn, versuchen, sich in einem irren Kauderwelsch aus Denglisch und Pseudo-Managersprache gegenseitig zu übertreffen. "Kinder?", fragt Stefan Schmidt. "1,8. Zweisprachige Schule", legt sein Gegenüber Sebastian Mahr vor. Zu wenig. "Drei Kinder auf viersprachiger Schule - werden nächste Woche gezeugt!"

Rasend schnell - passend zum gehetzten Gestus der von ihnen gespielten Aufschneider - reihen die beiden in der Probe für ihren Auftritt am Samstag die Pointen aneinander. Zu schnell, meint Lothar Mark, der bei der Premiere des neuen Kabarettabends der Rodgauer Gruppe "En Haufe Leut" den Conférencier geben wird - und unterbricht. "Lasst dem Publikum ein bisschen Zeit", sagt er. Das kommt sonst schließlich kaum noch zum Lachen.

Also nochmal von vorn. Die Bühne der Georg-Büchner-Schule wird zum Café, eine Parodie auf die amerikanische Kaffee-Kette Starbucks. Die Prahlerei geht weiter. Jetzt: Wer hat den flachsten Notebook? "Nix gegen das hier", meint Tanja Rossbach als Café-Gast und hält ihre Zeitung hoch. "Gibt´s sogar als Flatrate", sagt Wirtin Katja Schweppe. "Wir nennen es Abo."

Manches ist albern, anderes zum Schenkel-Klopfen. Dann wird´s sogar mal ernst. Marcel Rupp tritt als römischer Senator auf, also als Fachmann in Sachen spätrömische Dekadenz, und liest Bundes-Guido Westerwelle, der sich ja auch als Dekadenz-Experte sieht, tüchtig die Leviten. Ein Sozialstaatspolemiker sei der. Auch dessen Partei kriegt ihr Fett weg. "Wer eine Partei mieten will, der geht zur CDU, wer eine kaufen will, zur FDP."

Nicht jeder Text sitzt schon perfekt. Während die einen sich gegenseitig das Selbstverfasste vortragen, auch um herauszufinden, ob die anderen tüchtig lachen, versucht mancher noch, sein Programm auswendig zu lernen. Natürlich nimmt die Gruppe auch die Lokalpolitiker auf die Schippe. Wobei das derzeit nicht so einfach sei, meint Mark. "Die versuchen ständig, uns zu toppen."

Herbert Sahm versucht es trotzdem. Er spielt einen Jügesheimer CDUler, der als Parteikollege natürlich die ins Straucheln geratene Kämmerin Hildegard "Hilde" Ripper verteidigen muss. "Bei jeder Wahl zur Managerin des Jahres wär' sie doch glatt an erster Stelle." Kein Wunder, dass Sahm ins Holpern kommt.

Der Bürgermeister sagt ade

Auch ein anderes, nicht in allen politischen Lagern beliebtes, Magistratsmitglied ist Thema . "Der amtierende Noch-Bürgermeister wird die Gelegenheit nutzen, sich vor seinem Publikum zu verabschieden", wirbt Mark. Alois Schwab (parteilos) geht freilich nicht selbst in die Bütt, den Part übernimmt Florian Adams.

Dem gegenwärtigen Fusionsfieber in Rodgau nimmt sich Katja Schweppe an - von TGS und TGM/SV bis zum Zusammenschluss der Feuerwehren. Endlich wird auch klar, wieso der Norden Rodgaus dabei außen vor bleibt. "Die Weiskircher löschen nicht - die beten."

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