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Ein Neubau mit Flachdach neben historischem Fachwerk ärgert die „Freunde Sprendlingens“.

Dreieich

Flachdach zwischen Fachwerk

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Freunde Sprendlingens fordern dringend Gestaltungssatzung für alten Ortskern.

Ein Neubau in der Tempelstraße entsetzt die „Freunde Sprendlingens“. Das Flachdach-Gebäude im Bauhausstil mitten zwischen Fachwerkhäusern sei ein „brutaler Eingriff in gewachsene bauliche Strukturen“, kritisiert der Vereinsvorsitzende Wilhelm Ott. Vielen Nachbarn sei unverständlich, dass dieser Bau im Einvernehmen mit der Stadt Dreieich vom Kreis genehmigt worden sei.

Das Baugesetzbuch schreibt zwar im Paragrafen 34 vor, dass das Ortsbild durch Neubauten „nicht beeinträchtigt werden darf“, doch offensichtlich könne das „unsensible Bauherren und Architekten nicht daran hindern, ihre Vorstellungen von modernem Bauen ohne Rücksicht auf das nähere Umfeld durchzusetzen“, schreibt Ott in einem Brief an die Dreieicher Stadtverordneten und den Ersten Stadtrat Martin Burlon.

Ähnliches Vorhaben vor 35 Jahren

Die „Freunde Sprendlingens“ fordern deshalb die rasche Erarbeitung einer Altstadtsatzung für den historischen Ortskern von Sprendlingen. In Dreieichenhain gibt es diese Satzung bereits, und auch andere Bebauungspläne wie der für das Gelände des ehemaligen Bürgerhauses Buchschlag schreiben bestimmte architektonische Regeln wie Dachformen und ähnliches vor.

Der Magistrat der Stadt hat parallel dazu gerade einen Bericht vorgelegt, der untersucht, ob eine solche Gestaltungssatzung überhaupt sinnvoll sein könnte. Der geht auf einen FDP-Antrag vom vergangenen Oktober 2014 zurück. Die FDP hatte damals auch einen Gestaltungsbeirat vorgeschlagen, der in der ganzen Stadt helfen sollte, Bau- und Fassadensünden künftig zu vermeiden.

Die Idee einer Gestaltungssatzung für Sprendlingen ist aber sogar noch weit älter. Bereits vor 35 Jahren gab es Pläne dazu. Warum das damals aber letztendlich scheiterte, lässt sich heute offenbar kaum noch feststellen, wie Burlon betont.

Über die Satzung müsste die Stadtverordnetenversammlung entscheiden. Kosten würde eine Erarbeitung etwa 30 000 Euro, schätzt Burlon. „Wir müssten dann Mittel für ein externes Büro bereitstellen“, sagt er. Die Gestaltungssatzung könnte dann im Laufe des kommenden Jahres verabschiedet werden. Das Großprojekt „Neue Mitte“, gegen das eine „Bürgerinitiative Altstadt“ protestiert, wäre davon nicht betroffen, weil das für eine mögliche Satzung in Frage kommende Gebiet weiter südlich rund um den Lindenplatz läge. „Nicht alles, was da in den letzten Jahrzehnten entstanden ist, passt da auch hin“, sagt er.. Doch trotz „vielfacher Störungen“ weise die Altstadt hier immer noch eine in sich stimmige Struktur auf, findet er.

Burlon, studierter Jurist, gibt den Freunden Sprendlingens damit recht, dass der schon erwähnte Paragraf 34 bisher vieles nicht verhindern könne, „auch wenn sich der Wortlaut der Vorschrift vermeintlich deutlich anhört“. Mit dem kantigen Neubau in der Tempelstraße habe sich der Magistrat ausführlich befasst. Befürwortet oder gar abgesegnet habe der Magistrat den Entwurf aber keineswegs, betont Burlon. Im Gegenteil habe man hier „die rechtlichen Grenzen der Einflussnahme erkennen müssen“.

Eine Gestaltungssatzung könne aber auch nicht in jedem Einzelfall ansprechende Architektur garantieren. „Die Bewertung von gut ist ja stets subjektiv und liegt im Auge des Betrachters“, sagt er. „Für manchen hat das Traumhaus auch ein Flachdach.“

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