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Aus der Straße mit der eigenartigen Orthographie "Im Gefierth" in Dreieich-Sprendlingen wird die Hans-Strothoff-Straße - so hat das Dreieicher Parlament nach heftiger Debatte mit großer Mehrheit beschlossen.

Dreieich

Eine Straße für den Küchen-Chef

Aus dem "Gefierth" wird die Hans-Strothoff-Straße. Das Dreieicher Parlament hat sich für die Umbenennung zugunsten des großen Gewerbesteuerzahlers entschieden. Von Achim Ritz

Von Achim Ritz

Die Stadt Dreieich erfüllt dem Unternehmer Hans Strothoff seinen Wunsch und benennt die Straße "Im Gefierth" um. Das Stadtparlament hat sich am Dienstagabend nach einer kontroversen Debatte mit 31 Ja- und zehn Nein-Stimmen dafür entschieden, dass die Sackgasse im Gewerbegebiet Sprendlingen, in der sich der Firmensitz des Unternehmers (Einkaufsverband Musterhausküchenfachgeschäfte) und Begründers der Internationalen Schule in Dreieich (Hessen Campus) befindet, künftig Hans-Strothoff-Straße heißen soll.

Die FDP enthielt sich bei der Abstimmung. Die CDU, FWG und der größte Teil der SPD stimmten für die Umbenennung, vier Sozialdemokraten und sechs der sieben Grünen votierten dagegen. Die jüngsten Schlagzeilen, wonach für Kinder in der Strothoff International School (SIS) nicht die notwendige Bescheinigung, dass ihre Eltern ins Ausland umziehen, vorläge, spielte in der Parlamentsdebatte keine Rolle.

Nach Darstellung des Magistrates hatten die Anwohner und Firmeninhaber der kurzen Straße Im Gefierth nichts gegen die Änderung des Straßennamens einzuwenden. Die Fachdienste im Rathaus lehnten das Ansinnen ab. Der Magistrat aber plädierte dafür, dem Wunsch "des erfolgreichen Unternehmers und bedeutenden Gewerbesteuerzahlers", so Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD), nachzukommen.

Die SPD-Stadtverordnete Eva-Maria Tempelhahn votierte - anders als viele ihrer Parteifreunde, darunter auch Bürgermeister Zimmer - aus juristischen Gründen gegen die Umbenennung der Straße. Damit werde ein Präzedenzfall geschaffen, und dies sei gegenüber anderen Unternehmen ein Affront. Sie glaubte den Befürwortern der Strothof-Straße nicht, wonach die Firma sich wegen des neuen Straßennamens am Standort Dreieich künftig besonders stark verankert fühle.

Bürgermeister Zimmer hingegen lobte den Unternehmer, da er seine Firmen nicht in Madrid oder London, sondern in Dreieich angemeldet habe. Der Rathauschef und SPD-Fraktionsvorsitzender Rainer Jakobi sagten, dass es für die Umbenennung keine Kriterien gebe, sondern dies immer eine Einzelfallentscheidung sei. FWG-Fraktionsvorsitzender Uwe Fritzschner stimmte auch für die Namensänderung, doch Strothoff hätte sich diese Peinlichkeit lieber ersparen sollen.

Grünen-Sprecher Roland Kreyscher hatte die größten Bedenken. "Das Gewerbesteueraufkommen kann doch kein Maßstab sein", sagte Kreyscher. Er hält es für besorgniserregend, wenn die Stadt die Umbenennung erlaube. Es sei ein Dilemma, wenn jetzt viele beide Augen zudrückten und hofften, dass keine weitere Firma einen neuen Straßennamen haben wolle.

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