Auf der Baustelle für das Medicum-Parkhaus ruhen die Arbeiten. In das Ärztezentrum sollte bisher die Notdienstzentrale ziehen.
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Auf der Baustelle für das Medicum-Parkhaus ruhen die Arbeiten. In das Ärztezentrum sollte bisher die Notdienstzentrale ziehen.

Notdienst Rodgau

Bangen um die Notdienstzentrale

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Der medizinische Notdienst in Rodgau könnte bald Vergangenheit sein. Ärzte diskutieren über eine Verlegung nach Seligenstadt, die Stadt will Wegzug verhindern.

Geht es nach der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), gibt es mittelfristig keinen medizinischen Notdienst mehr in Rodgau. Sie hält es für sinnvoller, den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD), der bislang in einer städtischen Immobilie in Dudenhofen untergebracht ist, dem in Seligenstadt anzugliedern, als ihn in neue Räume in Rodgau zu verlegen.

Damit spricht sich die KVH deutlich gegen die bisherigen Pläne aus, die vorsahen, dass die Notdienstzentrale für Patienten aus Rodgau, Rödermark und Babenhausen in das sogenannte Medicum zieht. Das will der Dietzenbacher Investor Uwe Werkmann bis Frühjahr 2014 zwischen dem Nieder-Röder Bahnhof und dem Puiseauxplatz hochziehen lassen.

Angestrebte Fusion

„Längerfristig gehen wir nicht von einem Fortbestand der ÄBD-Zentrale in Rodgau aus, da die benachbarten ÄBD-Zentralen in Dietzenbach, Seligenstadt und Groß-Umstadt völlig ausreichen, um die Versorgung von Patienten außerhalb der Praxiszeiten adäquat sicherzustellen“, teilt Petra Bendrich von der KVH mit. Über eine Fusion der Bereitschaftsdienste in Rodgau und Seligenstadt gebe es immer wieder Gespräche. Bisher hätten diese allerdings kein konkretes Ergebnis gehabt. „Im Gegensatz zu anderen Regionen in Hessen ist der Druck aber sicherlich auch nicht so groß, hier schnell eine Entscheidung zu treffen“, heißt es.

Auch die Vollversammlung der Ärzte, die die Notdienstzentrale tragen, wird sich am heutigen Donnerstag mit der Standortfrage befassen. Die Ärzte wollten ursprünglich die Räume nutzen, die im Medicum entstehen sollen. Doch die erhebliche Verzögerung bei den Bauarbeiten für das Ärztezentrum hat Zweifel geweckt, ob der Umzug wirklich im kommenden Frühjahr gelingen kann – und ob die Ärzte nicht doch besser gemeinsam mit denen aus dem Ostkreis Räume in Seligenstadt nutzen sollten, bevor sie noch länger in der in die Jahre gekommenen Immobilie in Dudenhofen bleiben müssen. Der Obmann der Rodgauer Ärzte, Hubert Kremer, bezweifelte im Gespräch mit der FR, dass heute bereits eine Entscheidung fällt. Er gehe zudem nach wie vor davon aus, dass die Notdienstzentrale in Rodgau bleibt.

Hohes Defizit

Aus Kostengründen werde es aber Kooperationsformen für die Nächte geben müssen. Die Notdienstzentrale fahre bisher ein Defizit von 200.000 Euro pro Jahr ein, sagte Kremer. Die Ärzteversammlung entscheidet nach Angaben der KVH allerdings nicht. Sie kann nur Vorschläge machen, die die Kassenärztliche Vereinigung akzeptiert oder ablehnt.

Bei der Stadt sorgen die Pläne für große Unruhe. Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) will sich dafür einsetzen, dass es auch künftig den Bereitschaftsdienst in der größten Stadt des Kreises gibt. Er habe Kremer gebeten, die Tür nicht zuzuschlagen, sagte er. Trotz der Verzögerung sei der Bau des Medicums noch im Zeitplan.

„Wir wollen die größtmögliche Sicherheit in der ärztlichen Versorgung für unsere Bürger“, teilt nun auch die FDP mit – und sieht den Zusammenschluss der die Zentrale betreibenden Ärzte und die KVH in der Pflicht. „Ob und wie das Medicum gebaut wird, darf dabei keine Rolle spielen.“ Dass der Kreis den Ärzten den Umzug nach Seligenstadt angeboten habe, bezeichnet die FDP als unmoralisches Angebot und als Zeichen von Arroganz.

Kreis-Sprecherin Ursula Luh sagt dagegen auf Anfrage, ein solches Angebot habe es nie gegeben. Den ärztlichen Notdienst regele schließlich die KVH.

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