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Junge Boxer aus Dietzenbach und Offenbach trafen auf ein Team aus Berlin.

Boxgala Dietzenbach

Auch als Verlierer fair bleiben

Mit harten Fäusten: 26 Nachwuchtstalente steigen bei der Dietzenbacher Boxgala in den Ring und zeigen ihr Können. Ziel der Veranstaltung ist die Gewaltprävention.

Von Monica Bielesch

Zu aufpeitschender Musik, durch eine Nebelfront und von Scheinwerfern verfolgt sind die jungen Boxer über einen Laufsteg in den Ring gekommen, der mitten im Bürgerhaus aufgebaut war. Veranstalter und Initiator Dietmar Kolmer gab sich als Moderator alle Mühe die 2. Dietzenbacher Boxgala als große Show zu zelebrieren.

Dabei ging es den meisten Zuschauern wohl nur um das Sportliche: Die rund 500 zumeist männlichen Besucher sahen einen Staffelkampf der jungen Boxer aus den Boxclubs Dietzenbach und Nordend-Offenbach gegen ein Team vom Boxring Eintracht Berlin. Die Boxgala sollte den jungen Sportlern die Möglichkeit geben, sich und ihr Können zu präsentieren.

Gewaltprävention ist das Ziel

Peter Zirner, Präsident des Hessischen Amateurboxverbandes und Cheftrainer beim Boxclub-Nordend-Offenbach führte gekonnt durch den sportlichen Teil der Veranstaltung. Im Offenbacher wie im Dietzenbacher Boxclub wird viel Wert auf Disziplin und Fleiß gelegt. Angesprochen werden vor allem junge Männer mit Migrationshintergrund. Das Ziel: Gewaltprävention.

Und so schlugen sich sportlich fair insgesamt 26 junge Männer in 13 Kämpfen im Bürgerhaus die Fäuste um die Ohren. Angefeuert wurden sie von ihren vielen Vereinskollegen: „Hakim, lang!“, „Hakim, rein, raus!“ oder „Christian, die Deckung!“ schallte es im Rund. Der 23-jährige gebürtige Marokkaner Hakim Tottouh aus Offenbach konnte seinen Kampf gewinnen, sein Gegner gab blutend auf. Lokalmatador Christian Aslanov lieferte sich einen spannenden Kampf gegen seinen Berliner Gegner. Der erst 17-jährige Aslanov sah schon fast wie der Sieger aus, aber am Ende triumphierte nach Punkten doch sein Gegner. Aslanov gratulierte ihm sofort und Moderator Firner betonte: „Auch das gehört zum Boxsport, wenn man verliert, muss man immer fair bleiben und dem Gegner gratulieren.“

Verständnis und Kollegialität

Von einem Tisch im VIP-Bereich verfolgte neben Würdenträgern wie dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Wichtel auch der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) die Kämpfe. Er sagte in seiner kurzen Rede, dass er schon vor zwei Jahren die Boxgala für eine gute Idee gehalten habe. Denn: „Jedes zweite Kind bis sechs Jahren im Rhein-Main-Gebiet hat einen Migrationshintergrund.“ Es sei wichtig, so Hahn, miteinander Dinge zu tun, die Spaß machen. Da sei der Sport ein verbindendes Element. Veranstaltungen wie die Boxgala seien ein Beitrag für mehr Verständnis und mehr Kollegialität zwischen Migranten und deutschstämmigen Bürgern.

Finanziert wurde die Boxgala von zahlreichen Sponsoren mit einem insgesamt fünfstelligen Betrag, wie Stadtrat Kolmer dem Publikum mitteilte. Vertreter dieser Sponsoren fanden sich dann auch im VIP-Bereich an den Tischen wieder: im Anzug und mit Schlips und Kragen. Auf den Stuhlreihen saßen die Freunde und die Familien der jungen Sportler, die aus aller Herren Ländern kamen, etwa aus Syrien, Afghanistan, Marokko oder Serbien.

Aber am Rande des Rings trafen die zwei Welten manchmal zusammen. Wenn sich ein älterer Herr im Anzug mit einem Sportler des Boxclub-Nordend-Offenbach unterhielt: über das harte Training, die Fitness, die dabei erworben wird, die Disziplin und dass Boxen schlank hält.
Peter Firner gab zu Beginn zu, dass er „etwas Bammel“ vor dem Abend hätte, denn seine Jungs trafen auf starke Gegner. Aber auch da lehrt Boxen fürs Leben: Aufstehen, auch wenn man gerade so richtig einen Tiefschlag abbekommen hat.

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