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Wer durch Sprendlingen durchfährt, der sieht Sprendlingen nicht. Der größte Stadtteil Dreieichs macht es dem zufälligen Betrachter ganz offenbar nicht so leicht, den Ort für sich selbst zu erschließen. Dabei gibt es doch einiges, aber das muss man auch suchen. Die Sprendlinger selbst kennen's ja, die helfen nicht unbedingt sofort und touristisch bewusst...

FR vor Ort Dreieich

Familiär, aber ohne Flair

Am FR-Stand sprechen Sprendlinger über das Leben in ihrem Stadtteil.

Von S. Aldehoff und M. Farrouh

Am FR-Stand sprechen Sprendlinger über das Leben in ihrem Stadtteil.

Was schätzen die Sprendlinger an ihrem Stadtteil und was stört sie? Am „FR vor Ort“-Stand vor der Volksbank haben am Freitag zahlreiche Bürger ihre Meinung gesagt.

„Für junge Leute gibt es in Sprendlingen nicht gerade viele Angebote“, sagt die 17-jährige Marie Willingstorfer. Ihre Freundin Clara Grunwald sieht das genauso. „Manchmal gehen wir in der Lounge was trinken, meistens fahren wir aber lieber nach Frankfurt“, sagt sie. Dort interessieren sie besonders Tanzbars und Diskotheken. „Dass so etwas in Sprendlingen aufmacht, ist wohl leider unrealistisch“, sagt Willingstorfer. Trotzdem mögen die Schülerinnen Sprendlingen. „Es ist so schön familiär hier“, sagt Grunwald.

„Ich vermisse hier das Flair“, sagt Werner Kühnel. 1982 kam er wegen seiner Frau aus dem Ruhrpott nach Sprendlingen. „Hier wurde nach dem Krieg geschludert und nicht an der Innenstadt weitergebaut. Jeder durfte irgendwas hinstellen“, kritisiert er und fügt an: „Der Bürgermeister hat es echt schwer, allen gerecht zu werden.“

Harter Standortwettbewerb

Auch Christa Klemm ist 1955 zugezogen, hat hier ihre Kinder großgezogen. „Mir gefällt es hier sehr gut“, betont sie. Dank der Mitgliedschaft in einigen Vereinen habe sie Freunde gefunden. Kritik oder Veränderungswünsche? Sie schüttelt den Kopf. „Für Veränderungen fehlt doch in Dreieich das Geld. Man muss eben zufrieden sein mit dem, was man hat.“ Auch die 29-jährige Zerif Üktu würde nichts ändern. „Mir gefällt es sehr gut hier.“

„Sprendlingen ist ein attraktiver Wohnort“, sagt Dirk Neiding, Regionaldirektor der Volksbank, der durch das Treiben vor seiner Filiale auf den FR-Stand aufmerksam wurde. Als Gewerbestandort stehe Dreieich im harten Wettbewerb mit Neu-Isenburg, das durch seine niedrige Gewerbesteuer reizvoll sei. „Aber irgendwann sind die Isenburger Gewerbegebiete auch voll und dann kommen die Neuansiedlungen zu uns.“ Denn was Lage und Infrastruktur angehe, stehe Sprendlingen gut da.

„Die Innenstadt könnte attraktiver sein“, meint Susanne Hormel, Leiterin der Dreieicher Volkshochschule. Den Titel des Sprendlingen-Porträts in der FR – „Auf den zweiten Blick“ – fand sie sehr passend.

Gefehlt hat einem Leser bei der Lektüre des Stadtteil-Porträts ein Hinweis auf die Staus vor der Bahnschranke am Bahnhof Buchschlag. Dort müsse man mitunter 25 Minuten warten, bis die Schranke sich hebt. Dadurch sei Sprendlingen von Westen her schlecht zu erreichen. „Die Südumgehung hätte hier Abhilfe schaffen können, aber leider hat man sich ja dagegen entschieden“, so der Mittsechziger. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen, weil er befürchtet, als „Auto-Narr“ diffamiert zu werden.

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