Langen

Experten für Internet-Gefahren

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Medienscouts wollen Klassenkameraden vor Daten-Missbrauch bewahren.

Es komme an allen Schulen, die sie kenne, sehr häufig vor, dass Schüler auf Facebook runtergemacht würden, erzählt Fatma. „Aber anders als in anderen sozialen Netzen erfährt es hier nicht nur die eigene Schule, sondern die ganze Welt. Es fängt oft mit Späßen an, aber es ist schwer, sich zu wehren, wenn es gemein wird. Wer zu den Eltern oder Lehrern geht, gilt als Petze“, erzählt die Schülerin der Adolf-Reichwein-Schule in Langen. Fatma und zwölf weitere Mädchen sowie zwei Jungen aus den Jahrgangsstufen 8 und 9 haben sich zu Medienscouts ausbilden lassen.

Fatma und die anderen sind erfahrene Facebook-Nutzer und gute Schüler – sonst wären sie nicht zugelassen zur zeitintensiven Ausbildung und Tätigkeit als Medienscouts. Fatma weiß etwa, dass im Netzwerk SchülerVZ, das früher populärer als Facebook gewesen sei, Bilder besser gesichert seien als dort. Das US-Netzwerk handhabe auch den Datenschutz lascher: „Wenn ich Facebook offen habe und gleichzeitig nach Schuhen gucke, wird in Facebook auf einmal alles mit Schuhen zugespammt“, berichtet Fatma bei der Vorstellung des Projektes am Montagabend in Langen.

Facebook-Kompetenz und altersbedingte Nähe erleichtern Medienscouts den Zugang zu ihren Mitschülern. Schulleiterin Elke Dürr fasst zusammen: „Ältere Schüler werden zu Experten ausgebildet, um Jüngere zu begleiten.“ Sie informieren in den Klassen über problematische Seiten des Netzwerks. „Wir vermitteln unsere Infos mit eigenen Worten und Beispielen“, so Lian. Und sind danach Ansprechpartner für die Schüler. Für die ist es eine wesentlich niedrigere Hemmschwelle, sich mit Problemen an andere, nur wenig ältere Schüler zu wenden statt an Lehrer oder Eltern.

Die Medienscouts haben viele Kompetenzen und sollen Probleme meist selbst lösen. Lediglich in drei klar definierten Situationen wenden sie sich sofort an einen Erwachsenen: Bei Suizidandeutungen, wenn Gewalt angedroht wird und wenn Nacktbilder oder gar Pornographie im Spiel sind.

Das ist selten, aber auch an der Langener Schule schon vorgekommen. Eine Schülerin ließ sich von einem Facebook-Kontakt so sehr unter Druck setzen, dass sie ein Bild von sich mit nacktem Oberkörper eingestellt hat. „Dann kommt es darauf an, so schnell wie möglich einzugreifen“, sagt Martin Kurz, Leiter für den Realschulzweig. Er ist zusammen mit Medienpädagogin Angelika Beranek vom Infocafe Neu-Isenburg verantwortlich für das Projekt. Es ist entstanden aus der Dissertation von Beranek und wird ohne fremde Mittel finanziert. „Das Projekt ist aber sehr kosteneffizient“, so Kurz. Denn Beranek schult die Medienscouts nur einmal. Diese werden praktisch zu Multiplikatoren und tragen ihr Wissen weiter. Die Alternative wäre eine Schulung durch Fachleute in jeder Klasse. Im kommenden Schuljahr soll dieser erste Jahrgang der Medienscouts dann beginnen, Nachfolger einzuarbeiten.

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