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Extreme Trockenheit

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Wenn’s nicht regnet, muss nachgeholfen werden.
Wenn’s nicht regnet, muss nachgeholfen werden. © Renate Hoyer

Die Gießwagen sind in Langen ständig unterwegs. Pro Tag fließen 18.000 Liter, um die Pflanzen in der Stadt zu bewässern. Noch schlimmer ist der fehlende Regen für die Landwirte. Doch auch die versuchen sich zu helfen.

Von Achim Ritz

Der schmale, weiße Lastwagen vom Typ Leiber Puma 60 mit dem riesigen Wassertank und der Schlauchrolle auf der Ladefläche dreht im Langener Stadtgebiet schon seit Wochen täglich seine Runden. Die anhaltende Trockenheit sorgt dafür, dass die Mitarbeiter der für die Pflege der Grünanlagen zuständigen Kommunalen Betriebe (KBL) fast acht Stunden jeden Tag gießen müssen.

„Wir haben 50 bis 60 Stellen mit Pflanzen in der Stadt, die wir immer anfahren“, sagt Michael Roos, gelernter Zierpflanzengärtner und bei den KBL für das Grün auf öffentlichen Flächen und Sportplätzen verantwortlich. Gewöhnlich müssen die Gärtner im Hochsommer die Grünflächen ab und zu mal mit dem Gießwagen oder zusätzlich mit einem Traktor plus Wasserfass via Schlauch bewässern, doch in diesem Jahr ist alles anders.

Der Sommer hat bereits Ende März begonnen. Seitdem fiel laut Offenbacher Wetterdienst ein Drittel weniger Regen als üblich. Für die Landwirte im Kreis Offenbach ist die Situation so schlimm, dass Bauern in Seligenstadt jetzt damit begonnen haben, ihre Getreidefelder künstlich zu bewässern. Die Kommunalen Betriebe Langen haben in diesem Frühjahr schon 160000 Liter Wasser auf die Pflanzen geschüttet. Im vergangenen Jahr waren es in der Zeit von März bis Oktober 220000 Liter. „Das ist extrem“, sagt Michael Roos.

Der braune Boden zwischen den Stauden und bunten Blumen auf der Grünfläche am neuen Langener Tarsusplatz im Stresemannring ist hart. Auch wenn Beobachter vielleicht den Kopf schütteln würden, „sinnvoll wäre es jetzt zu gießen, wenn es nieselt“, sagt Michael Roos. Dann sei die Erde wenigstens mal etwas weicher und könne besser das Wasser aufnehmen. In Langen kommt das Wasser für die Pflanzen aus Hydranten, die im Stadtgebiet verteilt sind und eigentlich den Brandschutz sicherstellen. Die KBL-Mitarbeiter rollen die Schläuche in diesen Tagen öfter aus als die Feuerwehrleute.

Sylvio Jäckel, Agenda-Beauftragter der Stadt Dreieich, glaubt, dass es für die Pflanzen katastrophal werden könnte, wenn die Trockenheit anhielte. Was bei einigen Gewittern runtergekommen sei, sei zu wenig, sagt Jäckel und blickt in die Statistik: „März 15 Millimeter Regen pro Quadratmeter, April 16.“ In den Vorjahren seien nur einmal weniger als 20 Millimeter gemessen worden. Richtig viel Niederschlag gab es im März 2010 (107 Millimeter) und im März 2009 (153). Trotz der Trockenheit stehen die Pflanzen nach Ansicht von Sylvio Jäckel derzeit gut da.

Noch ist auch in Neu-Isenburg Hopfen und Malz nicht verloren. Damit die Pflanzen auf einen grünen Zweig kommen, sind laut Petra Klink, Geschäftsführerin des Dienstleistungsbetriebes (DLB), täglich drei bis fünf Mitarbeiter mit einem Lastwagen und einem 1000 Liter-Fass unterwegs. 18000 Liter Wasser werden jeden Tag gespritzt. Der hohe Verbrauch kostet manche Kommune auch mehr Geld. Isenburg nicht so sehr, denn „wir holen das Wasser aus dem Sickerbecken und einer Zisterne“, sagt Klinik.

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