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Olga Lucas Fernández will gegen Diskriminierung vorgehen.

Ausländerbeirat

Europäerin mit spanischem Pass

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Olga Lucas Fernández führt als erste Frau in dessen 18-jähriger Geschichte dem Ausländerbeirat des Kreises Offenbach vor. Vor allem gegen Diskriminierung will sich die Rodgauerin mit spanischen Wurzeln einsetzen.

Die Geschichte wiederholt sich. Gut 50 Jahre ist es her, dass junge Spanier, wie ihre Eltern, die Heimat verließen, um in Deutschland ihr Glück zu versuchen. Nun treibt die Wirtschaftskrise erneut Menschen von der iberischen Halbinsel auf der Suche nach Arbeit ins Rhein-Main-Gebiet. „Ich höre oft spanisch redende junge Leute in der S-Bahn“, sagt Olga Lucas Fernández.

Seit August steht die Rodgauerin mit spanischen Wurzeln als erste Frau in dessen 18-jähriger Geschichte dem Ausländerbeirat des Kreises Offenbach vor. Sie folgt auf Tuna Firat, der das Amt aus beruflichen Gründen aufgab. Einsetzen will sich Lucas Fernández besonders gegen Diskriminierung, aber auch gegen Ungleichheit. „Es darf nicht sein, dass der Erfolg eines Kindes vom sozialen Status der Eltern abhängt“, sagt die 42-Jährige etwa, die sich nicht nur ehrenamtlich mit dem Thema Integration beschäftigt. Die gelernte Marketingvertriebsökonomin arbeitet seit mehr als fünf Jahren für einen gemeinnützigen Bildungsträger in Frankfurt, koordiniert Projekte zur beruflichen und schulischen Qualifikation von Menschen mit Migrationshintergrund.

Dass sie sich schon früh für Politik interessiert hat, erklärt Lucas Fernández auch mit ihrer eigenen Biographie. Als Tochter eines gelernten Schreiners, der in Deutschland als Kraftfahrer arbeitete, habe sie schon in der Schule gespürt, wie schwer es ist, sich durchzubeißen. Außer ihr und einer Italienerin seien nur Deutsche in ihrer Klasse gewesen. Förderangebote wie heute habe es für die Gastarbeiter und ihre Kinder nicht gegeben.

"Ausländerbeirat ist kein Auslaufmodell"

Obwohl sie in Seligenstadt geboren wurde und in Dudenhofen aufwuchs, identifiziert sich Lucas Fernández bis heute auch mit Spanien. Einige Jahre stand sie dem spanischen Sport- und Kulturverein in Nieder-Roden vor. Als sie sich mit 18 entscheiden musste, welche Staatsangehörigkeit sie behält, wählte sie die ihrer Eltern. Lieber hätte sie noch heute beide Staatsbürgerschaften, sagt sie. Noch mehr als als Spanierin oder Deutsche fühle sie sich aber als Europäerin.

Dass die Wahlbeteiligung für den Ausländerbeirat stets schwach ist, hält Lucas Fernández für keinen Grund, an dessen Notwendigkeit zu zweifeln. Noch sei dessen Arbeit alles andere als überflüssig. Auch im Kreis Offenbach komme es vor, das Menschen wegen ihrer Hautfarbe, oder, weil sie ein Kopftuch tragen, diskriminiert werden. „So lange das Thema Ungleichheit eine große Rolle spielt, so lange manche andere nicht respektieren und tolerieren, ist der Ausländerbeirat kein Auslaufmodell“, sagt sie.

Der Kreisausländerbeirat habe zudem schon einiges erreicht, sich etwa erfolgreich für die Schaffung des Integrationsbüros eingesetzt und am Konzept für eine Clearingstelle mitgearbeitet. Nach Lucas Fernández Ansicht bräuchten die Ausländerbeiräte allerdings mehr Möglichkeiten, sich an politischen Entscheidungen zu beteiligen. Sinnvoll sei es etwa, in der Hessischen Gemeindeordnung ein Antragsrecht für die Ausländerbeiräte zu verankern.

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