Die Polizei wird auch in den kommenden Tagen die Wohnhochhäuser im Spessartviertel stets im Blick haben.  
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Die Polizei wird auch in den kommenden Tagen die Wohnhochhäuser im Spessartviertel stets im Blick haben.  

Dietzenbach

Erste Hinweise auf die Täter im Dietzenbacher Spessartviertel

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Nach den freitäglichen nächtlichen Krawallen im Spessartviertel in Dietzenbach blieb es über Pfingsten dank starker Polizeipräsenz ruhig. Erste Täterhinweise gingen ein.

Im Dietzenbacher Spessartviertel ist es übers Pfingstwochenende ruhig geblieben. Nachdem rund 50 Randalierer in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Einsatzkräfte mit gelegten Feuern in einen Hinterhalt gelockt und mit Steinen angegriffen hatten, zeigte die Polizei in der Folge vor allem abends und nachts viel Präsenz. „Wir hatten zusätzliche Kräfte von der Bereitschaftspolizei, aber auch aus den eigenen Reihen dort, die zahlreiche Kontrollen vorgenommen haben“, berichtete ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach.

Marcel Haufschild von der Hausverwaltung sprach am Dienstag auf Anfrage der FR von „zehn bis zwölf Polizeiwagen“, die jeweils an den Abenden nach der Tatnacht im Spessartviertel vorgefahren seien. Am Samstag sei es trotzdem zu einem kleinen Zwischenfall gekommen: Ein Filmteam des Hessischen Rundfunks sei aus einem der Wohnhochhäuser mit Eiern beworfen worden.

Man gehe davon aus, dass die freitäglichen Täter „ortsansässige junge Männer sind, die überwiegend dort zu Hause sind“, sagte der Polizeisprecher. Seine Behörde hat ein spezielles Hinweisportal eingerichtet. Videos und Fotos können unter dem Link https://polizeihinweise.de/wurf anonym aufgespielt werden. Übers Pfingstwochenende seien auch schon erste Hinweise eingegangen, sagte der Sprecher, aber nicht so viele und auch nicht so hochkarätige wie erwünscht. „Im niedrigen zweistelligen Bereich“ habe es Tipps gegeben.

Das Motiv für die Attacke gegen Polizei und Feuerwehr in der Nacht zum Freitag ist weiterhin unklar. „Es kann sein, dass man uns dort nicht sehen will, weil wir Drogengeschäfte kaputtmachen“, vermutete der Polizeisprecher, und sprach vom möglichen Versuch, das Spessartviertel in eine No-go-Area zu verwandeln. Es könne aber auch ein Racheakt für die Sicherstellung von 200 möglicherweise gestohlenen Fahrrädern in Kellern der Hochhäuser einige Tage vorher sein. „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Der 19-jährige mutmaßliche Täter, den die Polizei in der Krawallnacht festnahm, habe sich weder zum Motiv noch zu Mittätern geäußert. Er sei unter Auflagen wieder entlassen worden.

Jedem, der sich bei der Attacke auf dem Parkdeck hinter den Wohnhäusern aufhielt, müsse man nachweisen, welchen Tatbeitrag er geleistet habe, erläuterte der Polizeisprecher. Das gestalte sich schwierig. Die Ordnungshüter werten dabei auch Aufzeichnungen der Kamera des Polizeihubschraubers aus. Der Erfolg könnte aber größer sein: Viele der Täter zogen einfach die Mütze ihres Hoodys hoch, um unerkannt zu bleiben. Noch in der Tatnacht kopierte die Polizei auch Videomaterial aus der Gemeinschaftswohnanlage. Innen und außen seien insgesamt 70 Kameras angebracht, die Tag und Nacht aufzeichnen, sagte Haufschild.

Dass die Polizei nicht mehr Krawallmacher erwischte, lag zum einen an der Örtlichkeit, zum anderen am Überraschungseffekt. „Anfangs hatten wir damit zu tun, Verstärkung zu rufen“, erklärte der Polizeisprecher. Ursprünglich seien nämlich nur zwei Streifen anwesend gewesen, um den Einsatzraum der Feuerwehr vom Verkehr freizuhalten. „Wir wussten nicht, was uns da erwarten würde.“ Darüber hinaus seien es so viele Täter gewesen, dass man sie nicht verfolgen konnte. „Sie sind ins Dunkel weggerannt.“ Die Lage sei „sehr dynamisch“ gewesen. Auf dem großen Parkdeck hinter den Hochhäusern hätten die Randalierer ein großes Steindepot angelegt – „mit Steinen, die an den Bahnschienen zu finden sind“. Vom Parkdeck aus führen kleine Treppen zu den Schienen.

Haufschild sprach von jugendlichen Tätern, die noch in der Entwicklung sind, und beklagte, dass es im Spessartviertel keinen Quartiersmanager mehr gebe. „Das Büro am Lohrer Weg ist zu“, sagte er. Der Erste Stadtrat Dieter Lang (SPD) widersprach dieser Aussage. Der Quartiersmanager sei verlagert worden, aber „nach wie vor im Viertel vorhanden“. Er sei nur ins Bildungshaus in der Rodgaustraße umgezogen.

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