Q-Sand

Quarzsand erhitzt die Gemüter

Aufgeheizte Stimmung und Vorwürfe erschweren die Diskussion über die Abbaupläne in Dietzenbach. Die Entscheidung liegt beim Regierungspräsidium.

Der Dietzenbacher Eulerwald sorgt für erhitzte Gemüter, seit im Januar bekanntwurde, dass die Firma Q-Sand prüfen lässt, dort Quarzsand abzubauen. Am vergangenen Freitag erreichte die aufgepeitschte Stimmung ihren vorläufigen Höhepunkt, als die Stadtverordneten unter Applaus der Besucher einstimmig den Magistrat aufforderten, „keine Planungen aufzunehmen, den Quarzsandabbau im Eulerwald voranzutreiben“.

Wer nun glaubt, damit sei das Thema Sandabbau vom Tisch, irrt: Denn nicht die Stadtverordnetenversammlung, sondern das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt entscheidet über einen möglichen Abbau. Die Stadt ist lediglich Beteiligter des dazu nötigen Planfeststellungsverfahrens.

Zwei Erkundungsbohrungen habe Q-Sand im vergangenen Jahr vorgenommen, bestätigt das RP. „Die Ergebnisse waren positiv, es ist in ordentlicher Qualität Quarzsand vorhanden“, sagt Peter Ruhm, Generalbevollmächtigter von Q-Sand der FR. Man wolle das Vorhaben weiter verfolgen, momentan warte man auf einen Anhörungstermin beim RP.

Schließlich sei das Gebiet, das bestätigt auch das RP, im Regionalplan als „Vorbehaltsfläche für oberflächennahen Rohstoffabbau“ ausgewiesen. Zum anderen, darauf wies auch Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) im Nachgang der Sitzung vom Freitag hin, werde Quarzsand für die rege Bautätigkeit dringend benötigt. Was er an dem Tag nicht eigens betonte: Die klamme Stadtkasse braucht dringend weitere Gewerbesteuereinnahmen; nach wie vor hat Dietzenbach ein strukturelles Defizit in Millionenhöhe.

Besonders gegen den Bürgermeister richtete sich der Zorn einzelner Akteure der Bürgerinitiative (BI) „Hände weg vom Sand im Wald“, die sich nach Bekanntwerden der Pläne gegründet hatte. „In den vergangenen Wochen wurde sehr populistisch vorgegangen“, sagte Rogg, viele Äußerungen seien unter der Gürtellinie gewesen. Eine Erfahrung, die auch Ruhm machte: „Man konnte meinen, Rohstoffabbau komme gleich nach Kinderschändung.“ Er habe schon in anderen Bundesländern Verfahren zum Sandabbau begleitet, doch nirgends sei so aggressiv und persönlich beleidigend vorgegangen worden.

Wut bei aufgebrachten Bürgern

Die Wut der aufgebrachten Bürger richte sich auch gegen Gerätschaften, beispielsweise sei eine Anlage zur Untersuchung der Fledermauspopulation im Eulerwald zerstört worden. „Das von uns beauftragte Büro war fassungslos“, sagt Ruhm, der Schaden betrage rund 5000 Euro.

Auch der aus BI-Kreisen oft gehörte Vorwurf, bei Q-Sand handele es sich um eine Briefkastenfirma ohne Geld, ärgert Ruhm. Einen sechsstelligen Betrag habe man bereits in die Erkundungsbohrungen investiert, sagt er. Im Gegensatz zum Kiesabbau am Langener Waldsee handele es sich in Dietzenbach um einen Trockenabbau auf einem kleinen Areal. „Die Untersuchungsfläche ist zwar rund 78 Hektar groß, aber die Abbaufläche wäre viel geringer.“

Die Angst der BI vor der Verfüllung der Grube mit bedenklichem Material kann Ruhm nicht nachvollziehen. „Die Naturschutzbehörde muss das schließlich genehmigen“, sagt er, für den durch die große Bautätigkeit im Rhein-Main-Gebiet entstandenen Aushub würden Flächen benötigt.

Q-Sand warte nun auf das RP. Eine Infoveranstaltung für die Bürger, um über das Projekt zu sprechen, könne er sich vorstellen, sagt Ruhm, jedoch nur in Abstimmung mit der Stadt. „Und vor allem als sachliche Auseinandersetzung. Wenn jemand nach Kenntnis aller Fakten sagt, er lehnt das Projekt ab, ist das ja okay – aber doch nicht, bevor man überhaupt die Sachlage kennt.“

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