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Vorne eine Ansicht des Neuen, im Hintergrund das Alte: Der Bauzaun zeigt, wie’s rund um die Villa Schott im Jahr 2020 aussehen wird.

Dreieich

Villa Schott wird wiedererweckt

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Gebäude ist seit fast 60 Jahren nicht mehr bewohnt. Bauträger plant drei weitere Neubauvillen nebenan.

Sie ist eine morbide Schönheit: Die Villa Schott am Ortseingang des Dreieicher Stadtteils Sprendlingen ist ein Gebäude, dem man seinen früheren Glanz heute noch ansieht – obwohl es schon seit Jahrzehnten vor sich hingammelt. 2011 sah es ganz so aus, als sei der Dornröschenschlaf beendet. Dann zerschlugen sich die Sanierungspläne. Das Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute neoklassizistische Gebäude verkam zusehends zum Schandfleck. Doch nun künden Bauzäune davon, dass sich etwas tut: Die FBW Projektbau GmbH aus Dreieich haucht dem denkmalgeschützten Haus an der Darmstädter Straße 70 neues Leben ein – und baut nebenan auch gleich noch drei neue Stadtvillen dazu.

Die Freunde Sprendlingens, der örtliche Verein für Heimatkunde, bezeichnen die Villa Schott als „ungewöhnlich opulent für das Kreisgebiet“, für den Bauträger, die FBW Projektbau GmbH, ist sie ein „markantes Einzelstück in Dreieich“ und hat laut dessen Vertriebsleiter einen „Kultstatus im Kreis“, Bürgermeister Martin Burlon (parteilos) spricht von einem „Grundstück von öffentlichem Gewicht am Ortseingang“.

Ein Video auf YouTube zeichnet aber ein trauriges Bild: Das denkmalgeschützte Gebäude ist dort unter der Rubrik Lost Places – verlorene Orte – zu finden. Außen abgeblätterter Putz, zugemauerte Fenster und ein teilweise eingebrochenes Dach, innen eingestürzte Holzbalken, abgebröckelte Mauerstücke, Graffiti-Schmierereien an den Wänden, aber auch Überreste von Stuck und Ornamenttapeten sowie eine Holztreppe, die erstaunlicherweise noch intakt ist.

Die Geschichte der Villa

Die Villa Schottwurde – so ist es im Dreieich-Lexikon nachzulesen – im Jahr 1902 von Wilhelm Löffler IV., dem Besitzer der Sektfabrik Georg Adam Löffler gebaut. Die von seinem Vater 1865 gegründete Sektkellerei produzierte auf dem benachbarten Gelände über 100 Jahre lang.

Im Jahr 1932 beging Wilhelm Löffler Selbstmord und das Gebäude fiel als Erbe an die verwandte Familie Schott. Julius Schott, der ehemalige Pächter des Hofguts Neuhof, wohnte dort bis 1945.

Zwischen Mai und September 1945 war die Villa Sitz der amerikanischen Militärverwaltung für den Kreis Offenbach.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Familie des Berliner Rechtsanwaltes Herbert Eckermann in das Haus ein.

1959 wurde das Gebäude an einen Geschäftsmann veräußert, seit 1961 ist sie unbewohnt.

In den 80er-Jahren wurde die Villa unter Denkmalschutz gestellt. 

Um so erfreulicher ist es für den Bürgermeister, dass die Sanierung der Villa jetzt endlich in trockenen Tüchern ist. Die FBW Projektbau GmbH, eine Bauträger- und Projektentwicklungsgruppe mit Sitz in Dreieich, hatte beim Kreis Offenbach einen Revitalisierungsantrag gestellt, der im November 2018 in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde genehmigt wurde. Nach der Sanierung werde das Haus nicht im Ganzen zum Verkauf angeboten, sagt der Vertriebsleiter der Bau-GmbH, die nun Eigentümerin ist. „Solche Gespräche haben wir nicht geführt.“ Vielmehr seien Wohnungen geplant, „die aber nicht zum Verkauf stehen, weil wir sie im Eigenbestand behalten wollen.“ Im letzten Quartal 2019 sollen die Bauarbeiten beginnen.

Zeitgleich entstehen auf dem 3000 Quadratmeter großen Areal zwischen der Darmstädter Straße und der Straße „Am Taubhaus“ auch drei neue Stadtvillen, für die die Baugenehmigung des Kreises schon seit knapp einem Jahr vorliegt. In den vergangenen Monaten wurde das verwilderte Grundstück gerodet und frei geräumt, Nachbargebäude wurden abgesichert, und vor ein paar Tagen brachten Bauarbeiter einen Bauzaun um das Gelände an – auf den eine Ansicht des geplanten Ensembles aufgedruckt ist.

Vier bis fünf Eigentumswohnungen mit Fußbodenheizung und Echtholz-Dielenparkett sind pro Neubau-Villa geplant. Der Baubeginn sei zwar noch nicht erfolgt, so der Vertriebsleiter, „aber es ist nur noch eine Wohnung frei.“ Der Quadratmeterpreis liege bei durchschnittlich 4400 Euro, was in Dreieich quasi gang und gäbe sei. „Dreieich ist sehr beliebt, hat aber den Nachteil, dass sehr wenig gebaut wird“, begründet er die Preise.

Bereits im Herbst 2011 hatte der Architekt Jochem Jourdan aus Dreieichenhain eine Bauvoranfrage für die Villa Schott sowie drei Neubau-Villen gestellt. „Auftraggeber war der vorherige Eigentümer“, erklärt Bürgermeister Burlon. Sowohl die Stadt als auch die Bauaufsicht beim Kreis beschieden den Bebauungsplanentwurf positiv. Der Alteigentümer habe sein Vorhaben dann aber nicht weiter verfolgt und sei verstorben. Nach Klärung des Erbes habe die FBW Projektbau als neuer Eigentümer nun zügig die Baugenehmigung erwirkt.

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