Politik

Einstimmig gegen Sandabbau

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Die Stadtverordneten in Dietzenbach beschäftigen sich mit dem Vorhaben von Q-Sand im Eulerwald.

Dass die Plätze auf der Besuchertribüne im Rathaus kaum ausreichen, kommt bei Stadtverordnetenversammlungen nicht häufig vor. Außer es werden Gebührenerhöhungen für Kitas oder Vereine diskutiert. Am Freitag sorgten die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Hände weg vom Sans im Wald“ für ein volles Haus: Wie beim ersten Treffen der BI angekündigt, nutzen deren Mitglieder die Bürgerfragestunde, ihr Anliegen vorzutragen.

Hintergrund ist das im Januar bekannt gewordene Vorhaben der Firma Q-Sand, Quarzsand im Eulerwald abbauen zu wollen. Dass bisher lediglich Probebohrungen durchgeführt wurden und die Entscheidung über einen etwaigen Abbau nicht von der Stadtverordnetenversammlung, sondern vom Regierungspräsidium (RP) zu treffen ist, spielte in der Diskussion in der Stadt in den vergangenen Wochen keine Rolle.

Besonders heftige Attacken musste Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) in den vergangenen Wochen über sich ergehen lassen. Auch am Freitag warf ihm ein Bürger vor, dass er den Abbau vorantreibe. „Ich erwäge nicht, dort Sand abzubauen“, betonte Rogg und erläuterte, dass das Unternehmen an Stadt und Regierungspräsidium herangetreten sei, um Probebohrungen machen zu können. „Die Bohrungslizenz gibt es vom RP“, sagte Rogg, „das ganze Verfahren ist noch in einem sehr frühen Stadium.“

Geduldig erklärte Rogg, dass es auch üblich sei, dass ein Unternehmen zunächst nur wenig Stammkapital habe und dieses erst bei Projektumsetzung erhöhe. Denn die BI befürchtete, da Q-Sand nur über 25 000 Euro Stammkapital verfügt, dass die Stadt auf etwaigen Kosten für Umweltschäden sitzenbleiben würde.

Eilbedürftigkeit  wird nicht gesehen

Obgleich man keine Eilbedürftigkeit sehe, hätten sich sämtliche Fraktionen doch zu einem überparteilichen Antrag entschlossen, der kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt wurde, sagte Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer (CDU). Einstimmig sprachen sich die Stadtverordneten dann gegen einen Sandabbau im Eulerwald aus, das ökologisch wertvolle Naturgebiet solle erhalten werden.

Allerdings: Bindend für das RP ist die Erklärung nicht. Die Stadt ist zwar Besitzerin des Grundstücks, bergbaurechtlich ist aber das Darmstädter RP zuständig. „Die Stadt ist als Grundbesitzer nur Prozessbeteiligter“, sagte Rogg gegenüber der FR. „Wir haben uns als Stadt bisher nicht mit dem Thema Rohstoffabbau beschäftigt“, sagt er, die Stadt werde sich nun auch rechtlich beraten lassen.

Rogg selbst sieht, anders als es ihm von einzelnen Mitgliedern der BI unterstellt wurde, einen möglich Abbau kritisch. „Mein Herz hängt da nicht dran, aber als Bürgermeister muss ich die Anfrage prüfen. Wer mich kennt, weiß, dass ich recht ökologisch unterwegs bin, ich wohne sogar in einem Holzhaus.“ Die Angriffe auf ihn seien teils unverschämt und unsachlich gewesen, er hoffe aber, dass mit der einstimmigen Erklärung nun die Situation befriedet werde. „Ich werde sowohl die Firma wie die BI über den Fortgang informieren.“ Dass die Situation in der Stadt so eskaliert sei, mag auch an der Nähe zu Langen liegen, vermutet Rogg. „Da dachte man auch, der Bannwald fällt nie - aber man muss auch darüber nachdenken, weshalb es dann anders kam.“

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