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Einsatz für das Spessartviertel

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Von: Christoph Manus

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Aziz Fagrach  büffelt zur Zeit in der Frankfurer Uni für sein Jura-Examen.
Aziz Fagrach büffelt zur Zeit in der Frankfurer Uni für sein Jura-Examen. © Michael Schick

Investitionen in Bildung sind die einzige Chance, findet Aziz Fagrach, der neue Vorsitzende des Dietzenbacher Ausländerbeirats. Und der Jura-Student weiß, wovon er spricht. Denn er wohnt selbst im sozialen Brennpunkt Spessartviertel.

Aziz Fagrach will nichts beschönigen. „Das Spessartviertel ist immer noch ein sozialer Brennpunkt“, sagt der Vorsitzende des Dietzenbacher Ausländerbeirats, der im Dezember zum Nachfolger von Nikola Pengacevic gewählt wurde. „Ich sehe es doch mit meinen eigenen Augen.“

Der Jura-Student, der sich zurzeit auf das Examen an der Frankfurter Goethe-Universität vorbereitet, wohnt selbst in einem der fünf Hochhäuser, in denen – zusammengerechnet – fast jeder zehnte Dietzenbach lebt. Die Sicherheit sei immer noch ein großes Problem im Hochhausviertel, in dem auf engstem Raum so viele Kinder und Jugendliche lebten wie nirgendwo sonst im Kreis Offenbach, ja vielleicht in der Region. „Es muss ein Konzept geben, um die Jugendlichen einzugliedern“, meint Fagrach.

Trotz der schlechten finanziellen Lage müsse die Politik so viel Geld wie möglich in die Bildung der Kinder investieren, zum Beispiel in Nachhilfe. „Sonst wachsen Intensivtäter nach.“ Falsch sei es zum Beispiel, dass die Koalition die Mittel für den Mitternachtssport gestrichen habe. Dieser sei eine Super-Investition.

Alle müssten zudem an einem Strang ziehen, „damit einzelne Wohnungseigentümer der Anlage ihre Rechtsstreitigkeiten nicht länger zu Schaden der Mieter austragen“, sagt Fagrach in einem Café des Rathaus-Centers, nicht weit von den Hochhäusern entfernt. Auch weil sich einige der 630 Eigentümer ständig gegenseitig verklagen, wechseln die Hausverwaltungen im Jahrestakt. Ständig ist etwas kaputt in den Häusern. Die Bausubstanz ist marode, Vandalismus ein Problem. Fagrach sieht Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) gefordert, sich dieser Angelegenheit selbst anzunehmen. „Die Politik sieht doch die Probleme, wieso ändert sich nichts?“

Als Vorsitzender des Ausländerbeirats will der 28-Jährige, der mit sieben Jahren aus Marokko nach Deutschland kam, Sprachrohr sein für alle Dietzenbacher. Die Unterscheidung Deutsche, Ausländer oder Migrant will er vermeiden. Diese schade eher der Integration. Besonders engagiert sich Fagrach für die Jüngeren. So will er sich für offene Jugendarbeit einsetzen. Ihn stört, dass das inzwischen abgerissene Jugendzentrum nur noch Projekte angeboten habe, so dass viele Jugendliche dort vor verschlossenen Türen gestanden hätten.

Er habe auch erwartet, dass die Stadt die Jugendlichen an der Planung des Bildungshauses, das auf dem Juz-Gelände entsteht, beteilige. Doch das sei nicht geschehen,. „Die Jugendlichen werden außen vor gelassen.“ Auch beim Integrationskonzept vermisst Fagrach die Beteiligung. Es wäre nach seiner Ansicht besser gewesen, nicht ein Institut mit dem Konzept zu beauftragen. „Es kann nicht sein, dass man ein so wichtige Thema delegiert.“

Die Freunde sind multikulti

Seit zwei Jahren besitzt Fagrach die deutsche Staatsbürgerschaft. Deutschland sei schon zuvor seine Heimat gewesen, stellt er klar. „Es kommt für mich nicht in Frage, zurückzukehren.“ Hier will er arbeiten, am liebsten in einer Organisation mit internationalem Bezug, hier hat er seinen Freundeskreis – „multikulti“, wie er sagt. „Wir sind hier zusammen aufgewachsen, das schweißt zusammen.“ Hier engagiert er sich seit fünf Jahren im Ausländerbeirat und für Jugendliche. In einem Projekt von Stärken vor Ort hat er etwa junge Leute auf Vorstellungsgespräche vorbereitet, ihnen geholfen, die Bewerbungsunterlagen zu erstellen.

Auch wenn es viele Probleme gebe, sei er guter Hoffnung für die Zukunft der Stadt, betont Fagrach. Toll sei etwa das soziale Netzwerk in Dietzenbach. Das große Engagement der Bürger habe sich etwa bei der Unterstützung der Familie Khateeb und von Jasna Bukvar im Kampf gegen die Abschiebung bewährt. Er will auch Jugendliche ermutigen, sich mehr für ihre Stadt einzusetzen.

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