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Einsatz für Gerechtigkeit

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Roland Ehm
Roland Ehm © Sascha Rheker

Roland Ehm hat am Sozialgericht mehr als 400 Fälle bearbeitet - und das ehrenamtlich. Dafür ist er jetzt ausgezeichnet worden.

Von Anne Jäger

Unterlagen durcharbeiten, Gutachten lesen, Gesetzesvorlagen raussuchen und schließlich zu einem Urteil kommen – all dies gehört zu den Aufgaben eines Richters. Roland Ehm hat genau das 40 Jahre lang gemacht, jedoch ohne dafür ein Gehalt zu bekommen. Denn Roland Ehm ist ehrenamtlicher Richter, der zuerst am Sozialgericht Frankfurt und ab 1988 am Landessozialgericht Darmstadt tätig war. Dort hat er sich mit drei Berufsrichtern und einem weiteren ehrenamtlichen Kollegen beraten, bis sie zu einem Urteil gekommen sind.

Zehn Mal in Folge hat das Landessozialgericht Ehm zum ehrenamtlichen Richter gewählt, über 400 Fälle hat er in den vergangenen Jahrzehnten bearbeitet. Dafür wurde der Rentner nun von Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) ausgezeichnet.

„Manchmal geht es unter die Haut“, berichtet der 70-Jährige, der Dietzenbach zu seiner Wahlheimat gemacht hat. Als Jurist – wenn auch nur als ehrenamtlicher – müsse man sich an die Gesetzesvorlagen halten und könne weniger auf das persönliche Schicksal achten, das dahinter stehe.

In der Kammer, in der er tätig war, ging es um Angelegenheiten rund um die Rente. Oft musste er prüfen, ob ein Antrag auf Erwerbsunfähigkeit rechtens war, wenn ein Arbeitnehmer unter körperlichen Gebrechen litt. Das Urteil zu fällen, dass jemand nur noch teilweise erwerbsfähig sei, sei eine Sache. „Doch wir können ihm dann nicht helfen, eine Stelle zu finden“, sagt Ehm, „und gerade heute ist es nicht einfach, etwas zu finden, wenn man auch noch an einem Gebrechen leidet.“ Schon in jungen Jahren hat sich Ehm ehrenamtlich engagiert – erst in der Christlichen Arbeiterjugend, dann in der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung.

Während er tagsüber seiner Arbeit nachging, hat er abends Schulungen oder Freizeitangebote organisiert. Auch als ehrenamtlicher Richter ist der Former, der in einer Gießerei gelernt hat, weiter seiner Arbeit als Abteilungsleiter im Versand nachgegangen und hat sich für die Gerichtstermine immer einen Tag Urlaub genommen. Eine Woche vorher hat er die Unterlagen per Post bekommen. „Mir ist es wichtig, Verantwortung für andere zu übernehmen“, sagt Ehm, der heute Großvater ist, „und ich habe versucht, mehr Gerechtigkeit ins Leben zu bringen.“ Aber natürlich habe die Arbeit auch Spaß gemacht.

Seit vergangenem März ist der Rentner nicht mehr als einer von 8500 ehrenamtlichen Richtern in Hessen tätig. „Ich will jetzt mal die Jüngeren ranlassen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Zeit, die Füße hochzulegen – nicht für Roland Ehm. Jetzt versucht er auf andere Weise, Gerechtigkeit walten zu lassen und engagiert sich bei der Dietzenbacher Tafel. Rund 170 Menschen kämen jede Woche zur Essensausgabe. Durch seine Arbeit als ehrenamtlicher Richter und aus der Zeitung weiß er, dass viele ältere Damen und Herren von der Altersarmut betroffen sind.

„Durch viele Reformen, wie zuletzt die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge wird die Rente vieler Senioren immer niedriger und grenzt ans Existenzminimum“, sagt er. Und an dieser hingen meist noch mehrere Familienmitglieder, die auf das bisschen Einkommen angewiesen seien.

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