Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Reinhard-Göpfert-Haus wird wohl Notunterkunft.
+
Das Reinhard-Göpfert-Haus wird wohl Notunterkunft.

Dietzenbach Flüchtlinge

Eine Notunterkunft reicht nicht

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
    schließen

Jeden Monat kommen zehn neue Flüchtlinge in Dietzenbach an. Die Stadt kommt nicht umhin, Veranstaltungshäuser zu Notunterkünften umzufunktionieren. Erst im November könnte sich die Situation entspannen, wenn das eigene Flüchtlingswohnheim fertig wird: Dort wäre immerhin Platz für 80 Asylbewerber.

Die Stadt Dietzenbach wird nicht umhin kommen, Veranstaltungshäuser, die im städtischen Besitz sind, zu Notunterkünften umzufunktionieren. Das war aus den Zahlen herauszulesen, die Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) und Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) nach der Sitzung von Magistrat und Ältestenrat präsentierten.

Drei Wohnungen und das Gartenhaus einer ehemaligen Gärtnerei in der Nähe des Friedhofs – mehr freie Immobilien hat die Stadt nicht. 17 Menschen finden so Platz, doch jeden Monat kommen zehn neue Flüchtlinge in Dietzenbach an. Deshalb sind die 43 Notunterkunftsplätze, die nach einem Umbau im Reinhard-Göpfert-Haus, in der leerstehenden Gaststätte „Zur Linde“ und im Wolfgang-Thüring-Haus gewonnen werden könnten, unbedingt erforderlich.

„Wir kommen mit einer einzigen Notunterkunft nicht aus“, machte der Bürgermeister gestern unmissverständlich klar. Die Diskussion, welche Liegenschaft zuerst drankommt, sei müßig. „Das Göpfert-Haus ist nur ein Mosaikstein dessen, was uns in Dietzenbach in den nächsten Monaten erwartet“, führte Rogg gestern aus. Erster Stadtrat Kolmer wurde konkreter: Man spreche von einer „mittelfristigen Betrachtung“ bis zum Jahr 2018. Bis dahin müsste Dietzenbach 500 Flüchtlinge aufnehmen. „Der Magistrat stand und steht mit dem Rücken zur Wand“, stellte der Bürgermeister fest.

Wie sehr, zeigt eine städtische Prognose, die gestern präsentiert wurde. Da vom Kreis jeden Monat zehn neue Flüchtlinge zugewiesen werden, ergibt sich bis Oktober ein „Überhang“ von 63 Flüchtlingen, von denen die Stadt nicht weiß, wo sie untergebracht werden sollen. Hotels sind keine gute Alternative: Erstens gibt es zu wenig Kapazitäten, zweitens bekommt die Stadt vom Landkreis pro Flüchtling und Tag maximal 12,50 Euro. „Finden Sie für diesen Preis mal ein Hotel“, sagte Rogg.

Neubau erst im November

Selbst wenn das Göpfert-Haus, die Linde und das Wolfgang-Thüring-Haus zu Notunterkünften umgebaut werden, sind damit nur Kapazitäten bis August geschaffen. Erst im November könnte sich die Situation entspannen – wenn ein Flüchtlingswohnheim fertig wird, das die Stadt selbst bauen will. Dafür könne man entweder gebrauchte Container kaufen oder ein neues Gebäude in Modulbauweise erstellen, erklärte Kolmer. Dort wäre Platz für 80 Asylbewerber.

Auf die Summe von eineinhalb bis zwei Millionen Euro bezifferte der Erste Stadtrat am gestrigen Donnerstag die Kosten für diese Unterkunft, die die Verwaltung ursprünglich hinter den Kleingärten an der S-Bahn bauen wollte. Allerdings sei die Erschließung dieser Fläche relativ teuer, sagte Rogg. Deshalb wird nun nach anderen Standorten gesucht. Zuschüsse über die 12,50 Euro pro Flüchtling pro Tag hinaus sind nicht zu erwarten. „Wir nehmen Geld in die Hand – auch wenn ich nicht weiß, wie wir diese finanzielle Lücke derzeit schließen sollen“, sagte Rogg.

Unabhängig davon bleibt wohl ein Drittel der Kosten für die Unterbringung bei der Stadt hängen. „Wir gehen von 250 bis 300 Euro pro Flüchtling pro Monat aus“, erklärte er. Das ergebe pro Jahr rund 300 000 Euro. Diese Summe sei aus dem ordentlichen Haushalt der Stadt zu kompensieren.

Kreisunterkunft später fertig

Abhilfe hätte man sich eigentlich von einer Gemeinschaftsunterkunft erhofft, die der Kreis in Dietzenbach errichten will. Auf dem ins Auge gefassten Grundstück in der Nähe der Skateranlage habe es schon eine Begehung gegeben, erklärte Kolmer. „Da haben wir jedoch gehört, dass diese Unterkunft erst in der Juni-Sitzung des Kreistags beraten wird“, sagte er. Die Gründe seien ihm nicht bekannt. Damit würde diese Gemeinschaftsunterkunft wohl erst im März 2015 fertiggestellt.

Laut Rogg ist das Flüchtlingsthema für die Stadtverwaltung mit einem großen Aufwand verbunden. „Die erste und zweite Führungsebene investiert sehr viel Zeit.“ Auf Dauer sei das so nicht zu bewerkstelligen.

Nach der Sitzung am Mittwochabend kommen Magistrat und Ältestenrat am 13. April erneut zusammen, um über den Umbau des Göpfert-Hauses abzustimmen. Rogg zitierte aus der Hessischen Gemeindeordnung: „In einer Notsituation können Bürgermeister und Magistrat auch alleine entscheiden.“

Spätestens am 13. April könnten dort also die Baumaßnahmen beginnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare