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Abwassermeister Andreas Haufschild mit geklärtem Wasser.
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Abwassermeister Andreas Haufschild mit geklärtem Wasser.

Kreis Offenbach

Eine Kläranlage zum Vorzeigen

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Seit 50 Jahren reinigen Langen, Egelsbach und Erzhausen ihr Abwasser gemeinsam. Eine Herausforderung der Zukunft wird die Beseitigung von Medikamentenrückständen aus dem Abwasser sein.

Eva-Maria Frei und Oliver Dorge bekommen täglich zu Gesicht, was eigentlich kein Mensch mehr hätte sehen sollen, unappetitliche Dinge wie Fäkalien, Klopapier, Tampons, aber auch mal eine tote Ratte und all das, was die Leute in Langen, Egelsbach und Erzhausen sonst noch in ihre Toiletten werfen.

Was schließlich in der Kläranlage des vor genau 50 Jahren gegründeten Abwasserverbands landet, verblüfft manchmal sogar die Profis. „Wir haben hier schon Gabeln, Messer, Löffel, Handys, aber auch schon ganze Christbäume, Fußbälle und Autoreifen rausgezogen“, erzählt die Umwelttechnikerin Frei. „Wir finden hier alles, was durch einen Gullydeckel passt.“

Etwa 10.000 Kubikmeter Abwasser reinigt die Kläranlage am Stadtrand von Langen, auf einem riesigen Grundstück im Wald westlich der Prinzessin-Margaret-Allee gelegen. Das ist so viel, wie 55.000 Menschen und die Industrie in den drei Kommunen an trockenen Tagen verschmutzen, bei Regenfällen kann es auch deutlich mehr sein. 6,2 Millionen Euro kostet der Betrieb im Jahr, 19 Menschen arbeiten hier.

Problematische Arzneireste

Davon, dass sie ihre Arbeit gut machen, hängt viel ab: Das gereinigte Abwasser fließt über den Hundsgraben durch das Hessische Ried, das vielleicht wichtigste Trinkwasserreservoir des Landes, in den Rhein. Technisch hat sich in den vergangenen 50 Jahren eine ganze Menge getan.

„Als ich 1983 hier anfing, war der Hundsgraben eine stinkende Kloake“, berichtet Werner Hötzel, der Leiter des Abwasserverbands. „Heute wimmelt es dort von kleinen Fischen und Amphibien.“ Seit Mitte der 90er Jahre kann die Kläranlage nämlich auch Stickstoff und Phosphate aus dem Wasser ziehen. Beide Stoffe waren jahrzehntelang für die Überdüngung von Flüssen und Seen verantwortlich. Seit überall bessere Filter arbeiten, hat sich etwa der Rhein deutlich erholt.

Nächste Herausforderung wird die Beseitigung von Medikamentenrückständen aus dem Abwasser werden, wie das in der Schweiz schon gesetzlich vorgeschrieben ist. In Langen lief hierzu ein mehrjähriger Versuch in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt. Der Abwasserverband hofft, auch das nachfolgende Pilotprojekt beherbergen zu dürfen. Eine Entscheidung soll im Sommer fallen.

Eine Kläranlage ist, so mag man meinen, nicht unbedingt ein Ort zum Wohlfühlen, die Langener Anlage ist allerdings längst immer wieder Ziel internationaler Delegationen, denen die Hersteller ihre Technik gerne im Einsatz auf dem erstaunlich idyllischen Gelände zeigen wollen. „Einer unserer Lieferanten sagt immer, das sei für ihn nach Straubing die zweitschönste Anlage überhaupt“, sagt Dorge. Eines ist hier übrigens weit weniger penetrant als befürchtet: Die Becken und der Klärschlamm riechen kaum. „Abwasser fängt erst an zu stinken, wenn es nicht mehr frisch ist“, sagt Dorge.

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