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Eine Hymne für das Burgfest

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Von: Sigrid Aldehoff

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Auch Schwertkämpfe wurden auf dem Markt ausgetragen.
Auch Schwertkämpfe wurden auf dem Markt ausgetragen. © Renate Hoyer

Auf dem Hayner Burgfest erleben die Besucher drei Tage Mittelalter. Neben Marktständen und mittelalterlichen Köstlichkeiten führen der Dreieicher Chor Tonart und Invictus ihr neues Stück auf.

Die mittelalterlich gewandeten Eltern und der mit Jeans und bedrucktem T-Shirt gekleidete Sohn passen optisch nicht so richtig zusammen. Früher habe er zwar mal ein Holzschwert gehabt, sagt der zwölfjährige Jonas auf dem Hayner Burgfest, „aber Umhänge und so was will ich nicht anziehen. Ich wachse da ja auch so schnell raus“, fügt er noch pragmatisch hinzu. Aus Köln ist die Familie angereist, um beim Fest der Ritter, Gaukler, Musikanten, Handleser und Kräuterhändler dabei zu sein. Was in den 70er Jahren nach langer Unterbrechung wieder aufgenommen wurde, ist inzwischen eine feste Größe im Terminkalender der Mittelalterszene geworden, die aus ganz Deutschland und darüber hinaus zur Burgruine in Dreieichenhain kommt.

Allein aus Schottland sind zwei Clans angereist, deren Dudelsackspiel über das ganze Festgelände zu hören ist. „Das Mittelalter ist ein riesiger Markt, aber eine kleine Familie“, versucht Burgschneider Marc Birkelbach zu erklären. Obwohl er nebenbei auch gerne Hemden, Umhänge und Kleider an Mann und Frau bringt, „kommen wir vor allem her, um Hallo zu unseren ganzen Freunden zu sagen.“ Das Hauptgeschäft des seit 20 Jahren hauptberuflich vom Mittelalter lebenden Schneiders läuft ganz profan über das Internet. Roland Heil geht links und rechts grüßend über das Festgelände. Viele der Marktbeschicker kennt er seit vielen Jahren. Heil ist Geschäftsführer der veranstaltenden Kulturgesellschaft Hayner Vereine und Sprecher des Mittelaltervereins Freye Gefolgschaft zum Hayn. Mit Sorge beobachtet er das Wetter. „In den Vorjahren war es um diese Zeit noch voller“, sagt er am Samstag Nachmittag, obwohl die Stände gut besucht sind.

Rüstung an 90 Tagen

Nicht nur die Kosten des mit großem Aufwand organisierten Festes sollen wieder hereingeholt werden, es soll auch noch etwas übrig bleiben für die Jugendarbeit der Vereine der Kulturgesellschaft. Vor allem aber gehe es bei dem Burgfest mit rund 100 Marktständen, zahlreichen Bewirtungen und mittelalterlichen Lagerflächen neben dem Spaß auch darum, geschichtliches Wissen zu vermitteln. Das bestätigt auch Martinus von der Hohlebach. Der heißt im richtigen Leben Martin Münk, ist Töpfermeister, hat eine stattliche Figur und eine satte 51 Kilo schwere Rüstung an. „Wir leben nicht wie im Mittelalter, wir stellen das Mittelalter dar“, erklärt er. Mit einem Gauklerkostüm wäre das sicher in jeder Hinsicht leichter, aber das Gewicht der Rüstung drückt ihn nicht. Er sei trainiert, 90 Tage im Jahr trage er die Rüstung. Auch bei praller Sonne? „Unter der Rüstung trage ich ein Gambeson, ein Leinenhemd, das wirkt wie eine Klimaanlage.“ Auch das Aufstehen sei im Fall eines Falles kein Problem: „Das lernt man als Erstes.“

Inzwischen sammelt sich die Freye Gefolgschaft zum Hayn vor der Freilichtbühne im Burghof. Am Samstag gibt es dort eine Uraufführung. Auf Anregung Heils, der die Gruppe schon seit 2006, als sie noch Schelmisch hieß, vom Burgfest kennt, haben sie der Gefolgschaft eine eigene Hymne geschrieben, die jetzt zum ersten Mal öffentlich vorgetragen wird. Das Epos über Fastradas Ring wird im Burghof eindrucksvoll und dramatisch in Szene gesetzt und handelt von der Frau Karls des Großen, die ihren Ring im Burgweiher versenkt haben soll, um den Kaiser für immer an Dreieichenhain zu binden. Das gemeinsam mit Invictus und dem Dreieicher Chor Tonart aufgeführte Stück ist auch als Single im Handel erhältlich.

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