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Eine blaue Bank als Mitfahrzentrale

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Von: Annette Schlegl

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Schild hochklappen, Platz nehmen und auf den nächsten Autofahrer warten, der in diese Richtung unterwegs ist..
Schild hochklappen, Platz nehmen und auf den nächsten Autofahrer warten, der in diese Richtung unterwegs ist.. © Monika Müller

Bürger haben für Bürger Möglichkeiten geschaffen, kostenlos von einem Ortsteil zum anderen zu kommen. Zehn blaue Bänke signalisieren das.

Es ist ein Projekt, das in vielen Kommunen Nachahmer finden könnte: Zehn blaue Mitfahrbänke sorgen seit Ende vergangener Woche in Dietzenbach dafür, dass man innerorts kostenlos von A nach B kommen kann. Die Bänke sind von Bürgern für Bürger realisiert worden und stehen an Punkten mit großem Publikumsverkehr – etwa an Einkaufsmärkten oder am Schwimmbad. Sie sollen aber keine Konkurrenz für den öffentlichen Nahverkehr sein, erklärt die Initiatorin Elke Schott.

Eine blaue Bank gibt es in Dietzenbach schon seit Sommer 2015. Schott hatte sie initiiert, allerdings mit anderer Intention: als Treffpunkt und Kommunikationsgelegenheit, sie stand für Wertschätzung, ein respektvolles Miteinander und soziale Kompetenz. Scholl schickte die Bank auf die Reise durch Dietzenbach; Privatpersonen und Gewerbetreibende gleichermaßen bewarben sich darum, das Möbelstück wochenweise vor ihre Haustür stellen zu können.

Nun hat diese blaue Bank zehn Schwestern bekommen, die weniger der Kommunikation als dem Mitfahren dienen. Die Nutzer seien in erster Linie Menschen, die ihre täglichen Erledigungen normalerweise zu Fuß absolvierten. Die Mitfahrbänke machten sie mobiler und erleichterten ihnen den Alltag. „Wir haben ziemliche Steigungen in Dietzenbach, zum Beispiel aus der Altstadt auf den Hexenberg oder den Wingertsberg“, sagt Schott. Da sei der Weg vor allem für Senioren oft strapaziös.

So wie für Gerda Hauffmann, von Schott liebevoll „Oma Gerda“ genannt. Sie gab, wenn auch unbewusst, die Initialzündung für die zehn Mitfahrbänke. Die 89-Jährige hatte sich vor etwa einem Jahr nach ihrem Einkauf in der Altstadt auf die blaue Bank gesetzt, die zu jener Zeit an der Hauptstraße bei der Familie Raschke Station machte. Schott kam dort vorbei, hielt an und sagte zu ihr: „Das ist eine Zauberbank. Ich fahre sie jetzt nämlich heim.“ Und so kam Oma Gerda an dem heißen Tag bequem zu Hause auf dem Hexenberg an – und Schott hatte die Idee der Mitfahrbank geboren. Neu ist die jedoch nicht: „Früher haben sich die Menschen auf den Dorfplatz gesetzt und wurden mitgenommen.“

Am 23. März dieses Jahres erhielt Schott von einem weiblichen Fan der blauen Bank über Facebook den Hinweis, in der Verbandsgemeinde Speicher im Eifelkreis gebe es eine Privatinitiative, die ähnliche Bänke als Mitfahrgelegenheit aufgestellt habe. Schott recherchierte, sprach mit Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos), den Städtischen Betrieben und dem Ordnungsamt – und startete am 1. April einen öffentlichen Aufruf nach Freiwilligen, die ihre Arbeitskraft einbringen oder Baumaterialien beisteuern wollten.

Der Aufruf fruchtete, auch wenn es hauptsächlich den Azubis der Schreinerwerkstatt der Städtischen Betriebe zu verdanken ist, dass die Mitfahrbänke so schnell fertig wurden. Genau drei Monate nach dem Facebook-Hinweis stehen sie nun an zehn Punkten in allen Stadtteilen. Und schon am ersten Tag nahm Schott vorm Waldschwimmbad einen Hainburger mit zum Bahnhof. Er war von der Idee so begeistert, dass er versicherte, er werde diese Idee auch in seiner Gemeinde vorschlagen.

Dietzenbach habe durchaus eine gesunde Infrastruktur, stellt Schott fest. Die Mitfahrbank sei „nichts anderes als ein sympathisches Add-on, das wir hier praktizieren.“ Dennoch habe sie einen Vorteil: Mit etwas Glück wird der Nutzer vom Autofahrer direkt an der Haustür abgeladen.

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