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Stephanie Dietze (Mitte) auf den letzten Metern vor dem Gipfel.

Interview

„Ein tolles Gefühl, fast unwirklich“

Stephanie Dietze vom TSV Dudenhofen ist mit dem Einrad bis auf die Zugspitze geradelt - FR-Autor Stephen Wolf erzählt sie vom großen Abenteuer mit dem exotischen Sportgerät.

Von Stephen Wolf

Frau Dietze, gemeinsam mit drei Mitstreitern sind Sie vergangene Woche per Einrad über die 2962 Meter hohe Zugspitze gefahren. Das klingt anstrengend.

Ja, das war es auch. Zumal ich am Vortag am größten Einrad-Downhill-Rennen Österreichs, der Salzkammergut Trophy, teilnahm. Das habe ich zwar auch gewonnen, aber die Beinmuskeln waren eben auch beansprucht. Daher haben wir uns für die Aktion zwei Tage Zeit genommen. Als wir endlich oben waren, war es ein tolles Gefühl, fast unwirklich.

Wie haben die Bergwanderer reagiert?

Es war ziemlich viel los, mehr, als wir erwartet hatten. Von Bergwanderern kamen bewundernde Kommentare. Irgendwann konnten wir die allerdings auswendig. Einradfahrer wirken in solchen Höhenlagen ja eher exotisch. Ganz oben war an Fahren allerdings nicht mehr zu denken, und so schulterten wir die Einräder und kämpften uns die letzten 500 Meter über ein steiles Geröllfeld und Klettersteige nach oben.

Nicht nur in der Höhe, auch in den Städten gehören Einradfahrer nicht unbedingt zum Alltag. Was macht den Reiz aus?

Zum einen ist es natürlich eine sportliche Herausforderung, ständig das Gleichgewicht halten zu müssen. Der Vorteil eines relativ neuen Sports ist aber auch, dass man noch viel entdecken und ausprobieren kann. Man ist dadurch bei vielen Sachen, die man sich einfallen lässt, ein Pionier.

Und wie ist das Verhältnis untereinander?

Abgesehen davon ist die Szene der Einradfahrer im Vergleich zu anderen Sportarten angenehm klein. Das bedeutet, dass sich viele in der Szene schon von Wettkämpfen her kennen und die Treffen und Wettbewerbe daher recht familiär vor sich gehen. Die Szene ist überschaubar, das finde ich gut. Außerdem gibt es wenig Konkurrenzdenken, eher das Miteinander steht im Vordergrund.

In den vergangenen Jahren ist die Szene gewachsen. Werden wir in Großstädten künftig zunehmend Einradfahrer beobachten können?

Ich gehe nicht davon aus, schließlich gilt das Einrad als Sportgerät und die Nutzung im Straßenverkehr ist verboten. Hinzu kommt, dass die Räder sich nicht besonders gut für Langstrecken eignen, was daran liegt, dass die Radgröße in der Regel eher klein ist.

Als Sie vor 16 Jahren begonnen haben, galt der Sport noch als ziemlich exotisch. Hat sich das mittlerweile geändert?

International, aber auch hierzulande wächst die Zahl der Einradfahrer stetig. Auf deutschen Meisterschaften nehmen in der Regel etwa 500 Leute teil. Insgesamt fahren in Deutschland einige tausend Frauen und Männer Einrad. Neben Bayern und dem Ruhrgebiet gilt auch das Rhein-Main-Gebiet als Hochburg. Bei meinem Verein, dem TSV Dudenhofen, fahren zahlreiche Begeisterte mit dem Einrad. Die Bandbreite reicht von Kindern bis zu den Rentnern.

Was macht man eigentlich mit den Händen während des Fahrens, vermissen Sie den Lenker?

Nein. Es ist ganz praktisch, wenn man während des Fahrens trinken oder einfach nur die Hände in die Taschen stecken kann. Allerdings hält man sich am Sattel vorne fest, etwa wenn man einen Berg hinunterfährt.

Interview: Stephen Wolf

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