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Drogeriemarkt als Zankapfel

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Von: Annette Schlegl

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Die Stadt will verhindern, dass sich noch mehr Märkte im Bereich Senefelder-/Odenwaldstraße in Ober-Roden ansiedeln.
Die Stadt will verhindern, dass sich noch mehr Märkte im Bereich Senefelder-/Odenwaldstraße in Ober-Roden ansiedeln. © Monika Müller

Rossmann interessiert sich für ein Grundstück in Ober-Roden gleich neben dem kleinen Märktezentrum. Doch noch mehr großflächiger Einzelhandel in dem Gewerbegebiet zwischen Senefelder- und Odenwaldstraße. Das ist der Stadt zu viel. Sie sprach sich gegen das Vorhaben von Rossmann aus.

Die Ansiedlung eines Drogeriemarktes ist in Rödermark zu einem Zankapfel geworden. Die Drogeriemarkt-Kette Rossmann interessiert sich für ein Grundstück in Ober-Roden gleich neben dem kleinen Märktezentrum, das in den vergangenen Jahren am Beginn von Odenwald- und Senefelderstraße entstanden ist, und hat eine Tochtergesellschaft des Discounters Aldi mit dem Bau eines Ladens beauftragt. Doch CDU und AL/Grüne haben Bedenken und der Magistrat hat eine Entscheidung im Stadtparlament um eine Runde geschoben. Die FDP dagegen ist für eine Ansiedlung und wirft der Koalition „Verhinderungs-Gewerbepolitik“ vor, die SPD sieht einen „orientierungslosen Magistrat“.

Noch mehr großflächiger Einzelhandel in dem Gewerbegebiet zwischen Senefelder- und Odenwaldstraße. Das ist der Stadt zu viel. Sie sprach sich gegen das Vorhaben von Rossmann aus, und damit konnte auch der Kreis Offenbach die Bauvoranfrage der Drogeriemarkt-Kette nicht genehmigen, wie Kreissprecherin Kordula Egenolf erklärte. Daraufhin legte Aldi gegen diese Entscheidung Widerspruch ein. „Es läuft ein Verfahren“, sagte Egenolf.

Um seine Haltung zu manifestieren, wollte der Magistrat in der vergangenen Stadtverordnetenversammlung einen Bebauungsplan „Nördlich des Rödermarkrings“ aufstellen, der das „entstandene Nebeneinander“ von Einzelhandelsbetrieben und gewerblichen Nutzungen bauleitplanerisch ordnen sollte.

So sollte unterbunden werden, dass sich der Einzelhandel über den Bestand hinaus ausbreitet. Gleichzeitig lag den Parlamentariern ein Antrag vor, für das Gebiet eine Veränderungssperre zu erlassen, um so Bauvorhaben zu verhindern, die diesem Bebauungsplan widersprechen.

"Neue Aspekte aufgetaucht"

Dann die Überraschung: Der Magistrat zog die zwei Anträge zu Beginn der Parlamentssitzung zurück. Es seien „neue Aspekte aufgetaucht“, so die Begründung von Bürgermeister Roland Kern (AL/Grüne) für die Verschiebung auf die Stadtverordnetenversammlung am 6. Oktober.

Die SPD bezeichnete es daraufhin bei einer Vor-Ort-Begehung als „dilettantisch und orientierungslos“, dass anscheinend gravierende Aspekte im ursprünglichen Beschlussvorschlag des Magistrats keine Berücksichtigung fanden. Dieses Vorgehen sei „alles andere als souverän“ und schade der Stadt, so Fraktionsvize Norbert Schultheis.

Bereits im Vorfeld der Parlamentssitzung hatte die FDP von einem „skandalösen Vorgehen“ und einer „Verhinderungsvorlage“ gesprochen, für die ein Fachanwalt eingeschaltet und Geld ausgegeben werde. Es sei ein schwaches Argument, dass nicht noch mehr vorhandene Gewerbeflächen künftig zu Einzelhandelsflächen werden sollen. Aktuell gebe es in Ober-Roden keinen Drogeriemarkt mehr, die Bürger müssten zum Kauf von Drogerieprodukten nach Urberach oder in Nachbarkommunen fahren. „Das kann doch wohl nur ein schlechter Scherz sein“, befand Fraktionsvorsitzender Tobias Kruger.

Sein Fraktionskollege Rüdiger Werner sprach von einem „gut zu erreichenden Einkaufsgebiet der kurzen Wege“, das sich dort mit Lidl, Aldi, Netto, Biomarkt, Getränkemarkt und Bekleidungsfachgeschäft entwickelt habe. Die „überwältigende Mehrheit der Bevölkerung“ würde die Ansiedlung sicher begrüßen.

Da der Bürgermeister in Urlaub ist, bezog Erster Stadtrat Jörg Rotter (CDU) gegenüber der FR Stellung zu den Vorwürfen von SPD und FDP. Der Magistrat und die schwarz-grüne politische Mehrheit würden keinen „Schnellschuss“ wollen. „Ruhiges Sondieren“ sei angesagt.

„Ich sehe das so: Rossmann soll nicht verhindert werden“, sagte Rotter. Man wolle aber „eine ausgeglichene Einkaufssituation für alle Ober-Röder schaffen“. Deshalb müsse man auch die Einkaufsmöglichkeiten im Norden im Auge behalten. Der derzeit in der Kapellenstraße angesiedelte Rewe-Markt wolle auf das dortige Gaswerk-Gelände an der Mainzer Straße umziehen. Das mache er aber nur, wenn der Standort Nord keinen Nachteil erleide.

Im übrigen habe Aldi dem Bürgermeister ein Gespräch angeboten, das einen Tag nach der Stadtverordnetenversammlung stattfand. Auch das sei ein Grund für das Schieben der Anträge gewesen. Was bei dem Gespräch herauskam, konnte Rotter aber nicht sagen.

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