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Rodgau

„Die Dreistigkeit nimmt zu“

Imker in Aufruhr: Der Rodgauer Günter Keim über den Diebstahl von Bienenvölkern und den Schutz vor Langfingern.

Herr Keim, erst neulich haben Unbekannte zwei Bienenkörbe von einer Streuobstwiese bei Dudenhofen gestohlen. Bienen-Diebe machten auch schon in Urberach und Hainhausen Beute. Nehmen solche Diebstähle zu?

Ja, irgendwie häufte es sich im Kreis Offenbach im vergangenen Jahr. Es scheint immer schlimmer zu werden. Auch die Dreistigkeit nimmt zu. Da werden nachts ganze Bienenstände abtransportiert, aber auch schon tagsüber.

Sind Sie auch selbst schon bestohlen worden?

Toi, toi, toi, ich noch nicht. Ich habe aber auch nur einen Bienenstand im Außenbereich stehen, die anderen sind alle eingezäunt.

Geht jetzt die Angst um unter den Imkern?

Die Imker machen sich schon Sorgen. Es ist ja nicht nur das Bienenvolk, das gestohlen wird, sondern auch der Kasten. Schon das Volk selbst ist 100 bis 150 Euro wert. Der Kasten kostet mindestens noch mal so viel. Besonders für die vielen Neuimker oder Imker mit sehr wenigen Völkern ist es schlimm, wenn die Bienen gestohlen werden. Sie sind dann gleich auf null.

Woher wissen die Diebe denn überhaupt, wo Bienenkästen stehen?

Wer auf Spaziergängen einen Blick dafür hat, entdeckt sie schon, besonders in den Wintermonaten. Oder die Diebe haben von jemandem gehört, wo sie stehen.

Also sind es Leute aus der Gegend, die sie klauen?

Ja, es sind leider Gottes wahrscheinlich Leute, die Imkerei betreiben oder künftig betreiben wollen. Da ist schon Sachverstand dahinter. Vielleicht sind den Dieben ihre Bienen eingegangen oder sie wollen billig mit der Imkerei neu anfangen.

Imker stehlen anderen Imkern die Bienen? Gibt es denn keine Imkerehre?

Bei den Imkern, die in den Vereinen sind, gibt es schon einen gewissen Ethos. Aber etwa ein Drittel der Imker ist nicht organisiert.

Ist das ein lokales Phänomen oder nehmen die Bienen-Diebstähle überall zu?

Ich war letztens in Bad Homburg beim Imkereiverein für den Hochtaunuskreis. Die haben über die Diebstähle gelacht. Und sofort kam der Kommentar aus der Runde, so was könne ja nur im Kreis Offenbach passieren. Bei ihnen gebe es das Problem nicht.

Riskieren die Diebe denn nicht, gestochen zu werden?

Einem Imker macht das nichts, außerdem wird meistens im Winter oder Frühjahr geklaut. Da ist die Gefahr geringer, weil die Bienen da mehr zusammenhocken.

Sind die Diebstähle nur ein finanzieller Schaden oder auch ein ökologischer?

Erstmal nicht, weil sie ja den Bienenkorb woanders wieder aufstellen. Aber die Diebe nehmen auch die Krankheiten mit, speziell die anzeigepflichtige Faulbrut. Der Laie oder selbst der Experte sieht sie den Völkern von außen nicht an. Wenn er diese Bienen dann nicht im Kreis Offenbach lässt, sondern zum Beispiel nach Aschaffenburg bringt, kommt zum Diebstahl noch eine Ordnungswidrigkeit hinzu, die mit mehreren Tausend Euro geahndet werden kann.

Wie können sich denn Imker, deren Körbe beispielsweise im Landschaftsschutzgebiet stehen, wo Zäune verboten sind, schützen?

Eine Sache, die ich hier nennen kann, ist, dass man seinen Namen in die Kästen hineinbrennt oder aufspritzt. Man kann auch die Rähmchen stempeln.

Das bringt doch aber nur was, wenn der Dieb sie verkaufen will.

Nein, nicht unbedingt. Den Kasten wird er vielleicht wegwerfen, aber die Rähmchen behalten. Und solange er die Rähmchen nutzt, kann man noch später den Diebstahl nachverfolgen. Aber uns kann wohl nur Kommissar Zufall helfen, damit wir etwas rauskriegen.

Interview: Christoph Manus

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