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Tierheim soll priviatisiert werden

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Von: Andreas Hartmann

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Tristes Dasein: Ein Hund im über 40 Jahre alten maroden Tierheim Dreieich.
Tristes Dasein: Ein Hund im über 40 Jahre alten maroden Tierheim Dreieich. © Rolf Oeser

Das Tierheim in Dreieich muss dringend saniert werden. Doch der Trägerverein fühlt sich damit überfordert. Er prüft den Verkauf der Immobilie an eine Langener Hundezüchterin.

Gut 40 Jahre lang hat die Stiftung eines reichen Engländers geholfen, der offenbar ein Herz für die Vierbeiner im Kreis hatte – nun sind die Gebäude des Tierheims im Dreieichenhainer Haag dringend sanierungsbedürftig. Bis zu 500.000 Euro würde eine grundlegende Renovierung der Gebäude, die Erneuerung des Dachs und der Heizungsanlage in den kommenden zehn Jahren kosten, wie ein Gutachten festgestellt hat. Der Trägerverein fühlt sich damit überfordert und prüft jetzt den Verkauf des Geländes an die Langener Doggenzüchterin Barbara Mosch-Schlösser.

Diese will das Tierheim nach Angaben des Vereinsvorstands renovieren und um eine Tierpension erweitern. Die bisherigen sechs festangestellten Angestellten müsste sie übernehmen – das ist eine der Bedingungen des bisherigen Trägervereins. Der Verein wäre nach dem Verkauf überflüssig und würde sich auflösen. Die „Stiftung zur Förderung des Tierschutzes“, die auch Einrichtungen in Großbritannien unterstützt, erhielte den Restwert der Gebäude ausbezahlt.

Drängende Enge, mangelnder Auslauf für die Hunde, chronischer Personalmangel und ein häufiger Wechsel an der Spitze – das Tierheim Dreieich, das Tiere aus dem größten Teil des Kreises Offenbach beherbergt, hat in den vergangenen Jahren viele Negativschlagzeilen gemacht. Wie konnte es zu der nun immer prekärer werdenden finanziellen Schieflage kommen? „Bei der derzeitigen Finanzlage wirft das Stiftungskapital fast keine Zinsen ab. Das Grundvermögen der Stiftung dürfen wir nicht angreifen, und ein gemeinnütziger Verein kann auch steuerlich nichts absetzen “, klagt Manfred Weil, der für die Stadt Langen im Vorstand des Vereins „Tierheim Dreieich“ sitzt.

Auch die Städte Neu-Isenburg und Dreieich sind im Vorstand vertreten. Das 8000 Quadratmeter große Gelände gehört der Stadt Dreieich, die es auf 99 Jahre im Erbbaurecht an die Stiftung zur Förderung des Tierschutzes“ abgetreten hat. Bei einem Verkauf an Mosch-Schlösser wäre der Magistrat bereit, auf dieses Erbbaurecht zu verzichten.

„Das darf kein Tabu sein“

Zehn Kommunen aus dem Kreis Offenbach finanzieren den gemeinnützigen Verein. Das kostet jede Mitgliedskommune eine Abgabe von 80 Cent pro Einwohner und Jahr, der Betrag ist nach Angaben des Ersten Stadtrats von Dreieich, Martin Burlon (parteilos), gerade erst um 20 Cent erhöht worden.

Im Gegenzug haben die Mitgliedergemeinden das Recht, beschlagnahmte oder zugelaufene Tiere in Dreieich unterzubringen. Zurzeit hausen hier 25 Hunde, 33 Katzen und 18 Kleintiere. „Angesichts unserer Finanzlage darf eine Privatisierung kein Tabu sein“, sagt Burlon. Er fürchtet, dass der Zuschuss der Mitglieder sonst noch weiter steigen würde. Bezahlt werden muss aus diesen Beiträgen nicht nur das Gehalt der Mitarbeiter, sondern auch Futter, Tierarztkosten, Steuern und Müllabfuhr.

Bei einem Verkauf an die Langener Doggenzüchterin müssten die Kommunen ihre bisherigen Zahlungen fortsetzen, falls sie auch weiterhin Tiere in Dreieichenhain abgeben können. Eine Übernahme könnte Ende des kommenden Jahres erfolgen. Die zehn Mitgliedskommunen müssen allerdings noch bis Ende September zustimmen.

Langen, Dreieich und Neu-Isenburg haben bereits signalisiert, dass sie den Vorschlag zur Privatisierung für vernünftig halten. Zumindest Dietzenbach will aber die Bedenkzeit voll auskosten, wie eine Sprecherin gestern auf Anfrage der Frankfurter Rundschau sagte.

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