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Unterricht in der Strothoff School: Englisch ist die Schulsprache, und der Unterricht in der Privatschule ist individuell auf die Schüler zugeschnitten. Unser Bild zeigt eine Mathestunde.

Strothoff School Dreieich

Die Schule und ihre Geschichte

Abmachungen, Mutmaßungen, Skandale, politische Verwicklungen: FR-Redakteur Achim Ritz hat eine Chronologie der Ereignisse und der Verhandlungen zwischen Landrat Peter Walter (CDU) und dem Unternehmer Hans Strothoff zusammengestellt.

Von Achim Ritz

7. September 2005: Der Kreistag fasst den Grundsatzbeschluss, in Sprendlingen das Haus des Lebenslangen Lernens zu verwirklichen. Das Projekt soll als Public-Private-Partnership realisiert werden. Dazu gehört eine zweizügige Internationale Grundschule.

14. Juli 2008: Der Kreistag nimmt zur Kenntnis, dass der Beschluss einer nur zweizügigen Schule um den Bau einer Internationalen Schule mit Kindergarten, eine Primary School (Grundschule) und einer High-School (Mittel- und Oberstufe bis zum Abitur) erweitert wird.

25. September 2008: Auf eine Anfrage zu Mehrkosten wegen der Erweiterung erfahren die Grünen, dass die Mietkosten den Kreis nicht belasten, sondern vom Träger übernommen werden.

11. Februar 2009: Landrat Peter Walter (CDU) erfährt, dass die Vergrößerung und die Sonderausstattungen bis jetzt 2,5 Millionen Euro mehr kosten sollen.

18. Februar 2009: Walter unterzeichnet eine Vereinbarung mit Strothoff, wonach er die Mehrkosten über seine Cronbank AG vorfinanziert. Diese leiht dem Kreis das Geld – und der Kreis zahlt es bis Ende 2009 zurück. Strothoff möchte dafür einen Zinssatz von sechs Prozent, später einigt man sich auf 3,5 Prozent.

17. Juli 2009: Walter weist Strothoff daraufhin, dass sich die Kreisgremien mit den Abweichungen vom Mietvorvertrag, sprich der Kosten der Sonderausstattungen, befassen müssten. Walter sagt Strothoff, dass dies zu „nicht mehr kontrollierbaren öffentlichen Diskussionen führt“.

4. August 2009: Die für den Schulbau zuständige Gesellschaft für Projektmanagement fordert den Kreis auf, Rechnungen von 3,5 Millionen Euro plus knapp 48.000 Euro Zinsen zu zahlen, sonst würden die Bauarbeiten eingestellt.

4. August 2009: Walter schreibt Strothoff, dass „wir dem Diktat der Zeit unterliegen“, sprich schnell Geld gezahlt werden müsse. Walter macht auch deutlich, dass die Zahlungsaufforderung „bei mir sofortige Gremienentscheidungen auslöst, deren Öffentlichkeitswirksamkeit ich heute nicht seriös abschätzen kann. Zugeständnisse finanzieller Art abweichend von den bisherigen Gremienbeschlüssen sind nicht nur Ihnen gegenüber unseriös, sondern auch für mich mit weitreichenden disziplinellen und/oder strafrechtlichen Folgen belastet“, schreibt Walter. Er schlägt vor, dass Strothoff und er sich kurzfristig persönlich treffen.

7. August: Strothoff zahlt 2,2 Millionen, die der Kreis am selben Tag an den Campus überweist.

13. August: Die Projektgesellschaft fordert den Kreis auf, die restlichen 1,3 Millionen Euro zu zahlen, sonst werde die Baustelle am 17. August geschlossen.

18. August: Walter lässt vom Kreis 800.000 Euro an die Projektgesellschaft überweisen. Die Gremien werden über diesen Geldtransfers nicht informiert.

19. August: Strothoff bestätigt, Walter habe ihm bei einem gemeinsamen Abend der beiden Ehepaare Walter und Strothoff bestätigt, dass die Gremien einer dreijährigen Mietfreiheit zugestimmt hätten und dass er (Strothoff) sich die Schule ohne die Zusagen Walters nicht auf seine Schultern geladen hätte. Walter bestreitet die Zusagen bis heute.

24. August 2009: Die Schule wird eröffnet. Strothoff zahlt aber bis April 2010 keine Miete.

5. Mai 2010 Der neue Landrat Oliver Quilling (CDU) informiert die Kreisgremien über Mehrkosten von 3,3 Millionen Euro.

September 2010: Im Meditationsverfahren legt Strothoffs Rechtsanwalt die Kopie eines Vermerks mit Walters Unterschrift vor. Darin steht: „Ich bestätige im Namen des Kreises die aufgeführten Zusagen.“ Strothoff behauptet, das Original sei an Walter ausgehändigt worden. Der widerspricht. Das Original ist bis heute nicht aufgetaucht.

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