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Blick auf den Nil in Kairo.

Studien und Begegnung

Reise zu ägyptischen Freunden

Junge Protestanten führen eine 30-jährige Tradition trotz Unruhen fort und reisen nach Ägypten.

Von Oliver Heil

Junge Protestanten führen eine 30-jährige Tradition trotz Unruhen fort und reisen nach Ägypten.

Wir versprechen uns, dass diese Reise sogar ganz besonders spannend wird, weil es unsere erste Ägypten-Fahrt nach dem arabischen Frühling ist.“ Joachim Reinhard, Gemeindepädagoge der evangelischen Gemeinde in Gravenbruch, bereitet in diesen Tagen eine Studien- und Begegnungsreise mit Jugendlichen aus Dreieich und Neu-Isenburg vor. Unbeeindruckt von den aktuellen Ereignissen, den Demonstrationen in Kairo und dem absehbaren Wahlsieg islamistischer Parteien.

Unbeeindruckt? Das stimmt nicht ganz. Reinhard, sein Kollege Carsten Preuß von der evangelischen Jugend im Dekanat Dreieich und die elf jungen Menschen, die sich bereits für die Reise in den Osterferien angemeldet haben, sind beeindruckt. Beeindruckt von den Veränderungen, die seit einem Jahr Ägypten erschüttern. Nur sorgen sie sich nicht wegen ihrer Reise. „Wir haben eine reisefähige Gruppe zusammen, gehen davon aus, dass sich die Lage stabilisiert hat und dass wir die Reise wie in früheren Jahren durchführen können“, sagt Reinhard. Der Kontakt zwischen Jugendlichen aus dem Dekanat und Jugendlichen aus der Minderheit der evangelischen Kopten in Ägypten besteht bereits seit dreißig Jahren. Zum Jahreswechsel besuchen sich Gruppen, zeigen sich den Gletscher-Schnee auf der Zugspitze oder die Pyramiden von Giseh.

Die meisten aktuellen Teilnehmer hätten seit dem Besuch der Ägypter im Sommer Kontakt zu diesen gehalten, berichtet Joachim Reinhard. Womit er nicht sagen wolle, dass sie dadurch ein exaktes Bild von der Lage am Nil hätten. Gut informiert sei aber Tharwat Kades, gebürtiger Ägypter und Langener Pfarrer im Ruhestand. Der organisiere und begleite die Reise vor Ort, wie immer. Kades sei derzeit in Ägypten, so Reinhard, er halte mit ihm Kontakt. Zum Programm in Ägypten sollen neben den Besuchen etwa im Tal der Könige in Luxor oder in den Gemeinden der Kopten diesmal Gespräche mit Zeugen des politischen Umbruchs gehören.

Ephraim Ezzat aus Kairo, der im Sommer zu den Besuchern gehörte, macht den Deutschen ebenfalls Mut: „Meine Meinung ist, dass es sicher ist, Ägypten zu besuchen und dass die Gäste aus Deutschland eine sehr sichere Reise haben werden. Sie werden überall hinfahren können, wo sie auch früher schon waren“, berichtet er über Skype und Facebook.

Auch die Situation der ägyptischen Christen beurteilt der 23-Jährige vorsichtig optimistisch. Die Auseinandersetzungen der letzten Wochen und Monate würden nicht zwischen Christen und Muslimen ausgetragen, sondern zwischen politischen Parteien. Er berichtet von einer Initiative aus Kairo, wo die evangelische Kirche sich federführend für den Zusammenhalt von Christen und Muslimen einsetze, „ausgehend von den gemeinsamen Erlebnissen auf dem Tahrir-Platz“.

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