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Radfahren mit Schikanen

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Von: Annette Schlegl

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Auf dem neu gebauten Geh- und Radweg von Neu-Isenburg nach Dreieich-Götzenhain lauern Gefahrenpunkte.

Mit viel Brimborium ist der neue, 3,4 Kilometer lange Radweg von Neu-Isenburg nach Dreieich-Götzenhain vor rund drei Wochen vom hessischen Verkehrsminister eröffnet worden. Mittlerweile nutzen mehr als 200 Radfahrer täglich die jahrelang ersehnte Verbindung. Doch die Strecke birgt für die Radfahrer Gefahrenpunkte, meint Stefan Pfeifer aus Dreieich, Sprecher der deutschlandweiten Initiative Alltagsradmobilität. Er geht mit der Landesverkehrsbehörde Hessen Mobil deshalb hart ins Gericht. Dort erklärt man aber, der Weg sei „nach den geltenden Regeln geplant und bemessen“ worden.

Dass sich der Radweg auf Höhe Gut Neuhof plötzlich verengt, ist Stefan Pfeifer ein Dorn im Auge. Dort schwenkt der Radweg über einen Tunnel, der den Golfplatz auf der einen Straßenseite mit dem Clubhaus auf der anderen Seite verbindet. Pfeifer spricht von einer Schikane, die vor allem nachts gefährlich sei, weil man an den scharfkantigen Leitplanken-Haltern hängen bleiben könne. „Die nebenan entgegenkommenden Autos blenden die Radfahrer“, sagt er.

Eine gerade Linienführung sei dort aufgrund der Kappenvorderkante – dem „Schrammbord“ der Brücke – nicht möglich gewesen, führt Frauke Werner von Hessen Mobil aus. Die Betonkappe auf dem Bauwerk sei aber „ausreichend breit“ – also 2,50 Meter wie der gesamte Weg. Vor und hinter dem Bauwerk weite sich der Asphalt; dadurch entstehe der Eindruck, also ob sich der Weg einschnüre.

Am nordwestlichen Ende des Golfplatzes ragt ebenfalls ein Geländer in die Fahrbahn hinein. Dort wird ein Entwässerungsbauwerk umfahren. „Das Bauwerk konnte aufgrund des Landschaftsschutzes nicht abgerissen werden“, erklärt Hessen Mobil. Deshalb habe man das bestehende Geländer durch ein neues ersetzt, das zum Schutz der Radfahrer sogar noch verlängert worden sei.

Stefan Pfeifer sieht auch einen Fauxpas am südlichen Ende des Radwegs. Dort werden die Radfahrer zur Zickzack-Fahrt gezwungen, weil der Anschluss der neuen Trasse an den bestehenden, von Götzenhain anstoßenden Wirtschaftsweg eckig verläuft. „Ungeeignet für einen Alltagsradweg“, befindet Pfeifer. Frauke Werner verteidigt das Vorgehen: Eine „Ausrundung mit Asphalt“ sei dort nicht möglich. Für eine geänderte Linienführung liege kein Baurecht vor. „Dass kein Baurecht geschaffen wurde, grenzt an einen Skandal“, ärgert sich Pfeifer.

Laut Hessen Mobil sind die 3,4 Kilometer kein reiner Radweg, sondern ein kombinierter Geh- und Radweg. Die Strecke wurde somit nicht für Geschwindigkeiten von bis zu 30 Stundenkilometern gebaut. Radfahrer müssen vielmehr langsam fahren – gegebenenfalls sogar nur Schrittgeschwindigkeit –, um jederzeit anhalten zu können.

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