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Der Verkehr ist für die Offenthaler zu einer unerträglichen Belastung geworden.

Dreieich

Offenthaler wollen Straßen schwarz beflaggen

Weil der Bund den Bau der lange versprochenen Umgehungsstraße auf Eis gelegt hat, fühlen sich viele Offenthaler belogen und betrogen. Der Trauerflor an den Häusern sollen bis zur Kommunalwahl hängen bleiben.

Von Achim Ritz

Als Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) am 21. Dezember vergangenen Jahres auf einer Anhöhe im Westen von Offenthal einen Spaten in einen Haufen frisch abgekippter Erde stach, um damit symbolisch den Bau der Umgehungsstraße Offenthal zu beginnen, hatten manche Bürger ein seltsames Gefühl. Der Boden war von Pulverschnee bedeckt und tief gefroren. Weit und breit sahen die Dreieicher keinen Bagger oder Lastwagen – auch Monate später nicht. Diese schlechten Zeichen waren aus heutiger Sicht nur die Vorboten einer für die Offenthaler noch bittereren Nachricht. Der Bund verschiebt das Straßenbauprojekt aus Geldmangel um ein Jahr.

Die Bürger sind empört und von den Politikern enttäuscht. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft verkehrsgeschädigter Bürger fühlen sich belogen und betrogen. Die Gruppe kündigt an, in den nächsten Tagen an den Häusern der Durchgangsstraßen von Offenthal schwarze Flaggen aufzuhängen, um die Enttäuschung zum Ausdruck zu bringen. „Morgen kriege ich die erste Flagge“, sagte gestern Josef Eichler, ein Mitglied der Bürgerinitiative.

Den Stopp der erst vor ein paar Wochen begonnenen Bauarbeiten und die angekündigte Verzögerung von einem Jahr bezeichnet Günter Stapp, Sprecher der Interessengemeinschaft, als „menschenverachtende Machenschaft der Politiker“. Er fordert alle Bürger auf, zu den Wahlen zu gehen. „Nur so kann man diesen Damen und Herren einen Denkzettel verpassen.“ Die Flaggen und Trauerflore an den Häusern in Offenthal sollen bis zur Kommunalwahl am 27. März 2011 hängen bleiben, kündigt Stapp an.

Die Politiker auf lokaler Ebene zeigen sich genau wie die betroffenen Anwohner der Durchgangsstraßen ebenfalls bestürzt, dass der Bau der Umfahrung jetzt wegen fehlender Bundesmittel ein Jahr lang eingefroren wird und auch das Land Hessen das Geld für die Ostspange der Umgehungsstraße zunächst für andere Projekte ausgibt.

Wolfgang Harms, Sprecher des hessischen Verkehrsministeriums, sagt, dass der Bau der Umfahrung als Gesamtpaket von Bund und Land verstanden werden müsse. Das Land stelle das Geld später wieder zur Verfügung, wenn der Bund grünes Licht gebe. Die Grünen sehen die Verzögerung als „Faustschlag ins Gesicht“ der Bürger. Die SPD spricht von Wut und Fassungslosigkeit und warnt Bundes- und Landespolitiker vor weiteren Beschwichtigungsformeln. Der Dreieicher CDU-Landtagsabgeordnete Hartmut Honka schreibt an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), es sei widersinnig, dass begonnene Bauvorhaben sich wegen anderer Projekte verzögerten.

Posch: Ostspange im Blick

Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) erinnert Hessens Verkehrsminister Posch in einem Brief an die hohe Verkehrsbelastung, die Offenthaler seit Jahrzehnten ertragen müssten. Der Rathauschef bedauert, dass das Land die Summe von 3,6 Millionen Euro für die Ostspange jetzt einfriere.

Verkehrsminister Dieter Posch wehrt sich aber gegen Spekulationen, wonach die Mittel für die Ostspange verloren seien. „Das ist definitiv nicht so“, schrieb der Minister gestern in einer Pressemitteilung. Aufgrund des vom Bund vorgegebenen Bauzeitenplans verschiebe sich der Baubeginn für die Ostspange auf 2013, so Posch.

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