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Zwölf Katzen sind derzeit im Tierheim Dreieich untergebracht.  

Dreieich

Ein neues Konzept für das Tierheim in Dreieich

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Die Stiftung zur Förderung des Tierschutzes steigt wohl als Trägerin des Tierheimes Dreieich im Oktober 2021 aus. Die Kreiskommunen sollen die alleinige Trägerschaft übernehmen.

Der Oktober kommenden Jahres ist für das Tierheim in Dreieich ein ominöses Datum: Zu diesem Zeitpunkt wird wohl die Stiftung zur Förderung des Tierschutzes Frankfurt als Trägerin der Einrichtung aussteigen. Aktuell nimmt das Tierheim Hunde, Katzen und Kleintiere aus acht Kommunen des Kreises Offenbach auf. Um den Fortbestand zu sichern, sollen die Mitgliedskommunen die Einrichtung dann alleine tragen. So wünscht es sich zumindest der Vereinsvorstand.

1971 hatte die Stiftung zur Förderung des Tierschutzes die Gebäude auf dem Grundstück im Haag in Dreieichenhain erbauen lassen – zum einen das Tierheim, zum anderen den Bungalow, in den sich die Wildtierhilfe eingemietet hat. Die Stiftung, die ihren Sitz in England hat, übergab sie dem Verein Tierheim Dreieich e. V. zur Nutzung. Der entsprechende Vertrag hatte eine Laufzeit von 50 Jahren und endet im Oktober 2021.

Wie es dann weitergeht, steht noch nicht fest. „Die Engländer kommen wahrscheinlich erst im Juni oder Juli zu einer Sitzung“, sagt Ursula Heil, 1. Vorsitzende des Vereins. Es habe sich so angehört, als ob die Stiftung die Trägerschaft beenden wolle, „aber wir wissen es nicht genau“, so Heil.

Tierheim Dreieich

Das Tierheim Dreieich kümmert sich nicht nur um Fundtiere, ausgesetzte und beschlagnahmte Tiere, sondern nimmt im Gegensatz zu vielen anderen Tierheimen auch Abgabetiere aus den Mitgliedskommunen auf.

97 Hunde, 130 Katzen und 235 Kleintiere wie Kaninchen, Wellensittiche, Hamster, Meerschweinchen, Mäuse, Schildkröten und Exoten wurden im vergangenen Jahr beherbergt. ann

Der Vorstand hat deshalb schon mal ein Konzept entwickelt, das die Mitgliedskommunen – derzeit sind das Dreieich, Egelsbach, Heusenstamm, Langen, Neu-Isenburg, Mühlheim, Obertshausen und Seligenstadt – in die alleinige Verantwortung nimmt. Aus Neu-Isenburg kam bereits ein grundsätzliches Einverständnis, Langen, Egelsbach und Dreieich hätten „positive Signale“ gesendet, so Heil.

Der Verein plant, den Gebäudekomplex von der Stiftung zu übernehmen – „hoffentlich zu einem symbolischen Wert“, sagt Heil. Das Tierheim ist nämlich renovierungsbedürftig, die Heizung und das Dach müssten erneuert werden. Rund eine halbe Million Euro hat der Vorstand angesetzt, um den Renovierungsstau zu beseitigen. Der Vorstand hat eine Präsentation mit ersten Finanzierungsvorschlägen erarbeitet. Diese sieht Sonderzahlungen der Kommunen und einen Zuschuss des Kreises Offenbach vor. Der Verein will auch selbst Geld beisteuern, und zwar aus den Rücklagen von Erbschaften. Außerdem nimmt das Tierheim Tiere vorübergehend in Pension und erzielt so Einnahmen. Rund 120 000 Euro könnten so zusammenkommen, so Heil.

Um Planungssicherheit zu haben, sollen sich die Mitgliedskommunen künftig mindestens fünf Jahre lang binden. Aktuell sind die Verträge noch jährlich kündbar. Der Vorstand hofft, Städte und Gemeinden wieder ins Boot zu bekommen, die vor Jahren zu günstigeren Tierheimen gewechselt sind. Zuletzt trat Rodgau aus; die Stadt schloss im Jahr 2016 einen Fundtiervertrag mit dem Tierheim Aschaffenburg. Dort habe man im Vorjahr 2441 Euro gezahlt, um drei Hunde, sechs Katzen, drei Vögel und sechs Nagetiere unterzubringen, so Pressesprecherin Sabina Hooke. „Der Betrag richtet sich nach Anzahl und Art der Tiere.“ Abgabetiere beherbergt das Tierheim aber nicht.

Beim Tierheim Dreieich dagegen bezahlen die Kommunen 80 Cent pro Einwohner – egal, wie viele Tiere angeliefert werden. Die Einrichtung nimmt Fund- und Abgabetiere auf, ist somit eine Lösung für Bürger, die ins Krankenhaus kommen, Menschen, die mit dem Tier nicht klarkommen oder Hinterbliebene von Verstorbenen. Heil nennt die Abgabe als häufigsten Grund für einen Tierheimaufenthalt.

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