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Mit der Schere rückt Harena einem pinken T-Shirt zu Leibe und verwandelt es in ein Trägershirt.

Nachhaltigkeits-Workshop

Neues aus alten Klamotten

Es muss nicht immer neu sein: Bei einem Nachhaltigkeits-Workshop in Dreieich peppen junge Frauen alte Klamotten auf. Ganz nebenbei lernen sie auch noch etwas über Nachhaltigkeit und globale Kleiderproduktion.

Von Maurice Farrouh

Nachhaltigkeit juckt Rabea kein Stück. Die 17 Jahre alte Max-Eyth-Schülerin steht eher auf „Thug-Life“ – Gangsterleben. Den Schriftzug, der unter jungen Hiphop-Fans angesagten Klamottenmarke, hat sie mit einer Schablone und Stempeln in schwarzen Fraktur-Lettern auf ein weißes T-Shirt geschrieben. Den Zusatz „New York – Los Angeles – Berlin“ unter dem Markenlogo hat sie modifiziert, statt Berlin steht da jetzt Frankfurt.

Warum nicht Dreieich, will ein Zeitungsfotograf wissen? Rabea rollt mit den Augen. „Boah tschüch, weil Frankfurt geiler ist als Dreieich, okay?“ Es ist für Erwachsene nicht leicht, mit jungen Frauen wie Rabea ins Gespräch zu kommen – schon gar nicht, wenn das Thema den sperrigen Titel Nachhaltigkeit trägt. Pädagogin Mareike Beiersdorf und Designerin Claudia Stiefel haben es trotzdem geschafft, Rabea und die anderen Mädchen der EIBE-Klasse (Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt) für das Thema zu interessieren. Denn sie haben den passenden Zugang.

Kreativ aufpeppen

Auf den ersten Blick geht es in dem Workshop, zu dem die jungen Frauen kürzlich in das Mädchencafé im Sprendlinger Jugendzentrum gekommen sind, um Mode. Beim „Upcycling“ peppen sie Kleidungsstücke aus dem Fundus des Mädchencafés kreativ auf – mit Schere, Nadel und Faden. Das interessiert die Mädchen, die bei EIBE ins Berufsleben hineinschnuppern und auf das Nachholen des Hauptschulabschlusses vorbereitet werden sollen.

Bei dem Workshop geht es aber nicht nur um Handarbeits-Tipps und Styling-Ideen. Die Teilnehmerinnen erfahren auch viel über die Produktionsbedingungen der Waren, die sie für gewöhnlich bei H&M, Kik und anderen Kleiderketten kaufen.

Tauschpartys statt Neukauf

„Die Bestandteile einer Jeans reisen 60000 Kilometer um die Welt, bevor sie in deutschen Geschäften landen“, sagt Pädagogin Beiersdorf.

Die Kursleiterinnen plädieren dafür, aus Umweltschutzgründen weniger Kleidung neu zu kaufen und stattdessen alte Sachen aufzupeppen oder mit Freunden und Bekannten gegen andere einzutauschen. „Solche Tauschpartys können richtig Spaß machen“, sagt Stiefel.

Etwas mit Tiefgang vermitteln

Antje Grimberg von der Jugendförderung des Kreises Offenbach hat die beiden freischaffenden Referentinnen für den Workshop in Sprendlingen gebucht. „Das ist ein guter Ansatz, den jungen Frauen etwas mit Tiefgang zu vermitteln“, sagt Grimberg. In Zukunft soll es ähnliche Workshops auch noch in weiteren Jugendeinrichtungen im Kreisgebiet geben. „Ich werde das jetzt sicher öfter machen, alte Sachen aufzupeppen“, erklärt die 17-jährige Harena, die sich bei dem Workshop aus einem pinken T-Shirt und einem weißen Ledergürtel ein tailliertes Trägershirt selbst geschneidert hat.

Ob die jungen Frauen nach dem Workshop tatsächlich lieber alte Klamotten aufpeppen werden, anstatt ihr Taschengeld zum Kleider-Discounter zu tragen? Beiersdorf findet diese Frage gar nicht so entscheidend. „Das muss nicht sein. Aber etwas bleibt bei so einem Workshop immer hängen, und das ist unser Ziel.“

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