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Ein leiser Gangster

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Von: Danijel Majic

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Justizia ist wachsam.
Justizia ist wachsam. © FR/Rutkowski

Ein heute 22-Jähriger raubt zweimal Taxifahrer aus, nachdem er sie in den Dreieicher Stadtteil gelotst hat. Jetzt wird ihm vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess gemacht. Sein Auftreten vor den Richtern ist sanft, doch er hat wohl schon einiges auf dem Kerbholz.

Irgendwann gegen Mittag wird Martin Rößler ruppig. Wie oft der Vorsitzende Richter am Landgericht Darmstadt den Angeklagten an diesem Donnerstagvormittag schon ermahnt hat, weiß er vermutlich selbst nicht: „Was immer sie sagen, sagen sie es laut! Sonst braucht man weiter hinten noch ein Hörgerät.“

Tatsächlich spricht Ronny C. extrem leise. Mit der sanften Stimme eines eingeschüchterten Jungen beantwortet der 22-Jährige die Fragen des Gerichts, entschuldigt sich, wenn er ein falsches Wort benutzt. Seine Art zu sprechen ist so markant, dass sie auch jenen im Gedächtnis geblieben ist, die das Pech hatten, C. in einem anderen Modus zu erleben. „Er sprach ganz schön leise. Für die ganze Action“, erinnert sich ein Zeuge.

Die „Action“, um die es geht, beginnt am 6. April als C. zusammen mit einem Bekannten eine Aral-Tankstelle in Dreieich-Sprendlingen überfällt. Mit gezogenem Messer zwingen sie die Kassiererin, die Kasse zu öffnen. Drei Tage später: dieselbe Stadt, gleiches Schema, andere Tankstelle. Am zehnten April überfällt das Duo ein Café, wieder in Dreieich-Sprendlingen. Dabei verletzten sie ein halbes Dutzend Gäste mit Pfefferspray.

Schlägerei mit Taxifahrer

Danach ist Ronny C. allein unterwegs. Am 13. April gerät er in eine Schlägerei mit einem Taxifahrer und klaut diesem das Handy. Vermutlich kommt ihm hier die Idee, sich künftig an Taxis zu halten. Zweimal raubt er Fahrer aus, nachdem er sie nach Sprendlingen gelotst hat. Beide Male bedroht er sie mit dem Messer. Beim letzten Mal wird das Opfer durch Stiche verletzt. C. aber will nicht zugestochen haben. Einer der wenigen Tatvorwürfe, die er bestreitet. Am 19. April wird er festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

„In der JVA geht es mir besser als in der letzten Zeit in Freiheit“, gibt Ronny C. zu Protokoll. Das Gericht nimmt sich den halben Vormittag für C.s Lebensgeschichte Zeit: von der Einwanderung aus Guinea Mitte der 90er bis heute. Es geht viel um den gewalttätigen Vater. Ronny C. berichtet, wie er mit 13 begann, mit dem Messer unterm Kopfkissen zu schlafen und harten Alkohol zu trinken. Vor drei Jahren kam Cannabis hinzu.

Rößler kennt solche Geschichten. Sie beeindrucken ihn nicht mehr. Auch nicht das sanfte Auftreten des Angeklagten, der wohl schon einige Einträge im Führungszeugnis aufweisen kann. Forsch fordert er Details: Wie viele Joints am Tag C. geraucht habe, will er wissen. Wo der Wohnsitzlose in den Wochen vor der Tat übernachtet hat. Es sind viele Nachfragen. Und weil viele Zeugen gehört werden sollen, werden zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.

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