Der Radschnellweg soll in Dreieich unter anderem über die bereits bestehende Fahrradstraße Liebknechtstraße laufen.
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Der Radschnellweg soll in Dreieich unter anderem über die bereits bestehende Fahrradstraße Liebknechtstraße laufen.

Dreieich

Kritik am Radschnellweg in Dreieich

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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In Dreieich ist ein Flugblatt aufgetaucht, das sich gegen die Streckenführung des geplanten Radschnellwegs durch die Wohngebiete auflehnt.

Der geplante Radschnellweg von Darmstadt nach Frankfurt sorgt in der Anliegerstadt Dreieich für Aufregung. Ein anonymes Flugblatt ist aufgetaucht, in dem von einer Fehlplanung und einem „Prestigeprojekt der Fahrradlobby“ die Rede ist, das noch dazu über die Köpfe der Anwohner hinweg geplant werde. Der unbekannte Verfasser hatte den Flyer in zahlreiche Briefkästen eingeworfen. Bürgermeister Martin Burlon (parteilos) bezeichnet die Vorwürfe als absurd.

Bereits im Februar 2018 hatten die Stadtverordneten beschlossen, der Radschnellweg solle nicht unmittelbar an der Bahnlinie und damit am Stadtrand von Dreieich vorbeigeführt werden, sondern quasi einen Bogen machen und durch die Stadt hindurchführen. Viele Menschen seien nämlich zwischen den Kommunen mit dem Rad zur Schule oder zum Arbeitsplatz unterwegs. Die bahnnahe Trasse ist laut Bürgermeister aber nicht vom Tisch; sie soll eher langfristig verfolgt werden, da sie von den Planungen zur Regionaltangente West betroffen ist. Der dortige Waldweg solle vorerst zumindest als „alternative Sommerroute“ instandgesetzt werden – ohne Licht und Verbreiterung.

Der beschlossene siedlungsnahe Streckenverlauf ist den Verfassern des Flugblatts ein Dorn im Auge. Dreieich sei die einzige Kommune entlang der Strecke, die es nicht schaffe, die Fahrraddirektverbindung außerhalb von Wohngebieten zu planen, heißt es darin. Der Radschnellweg werde den Stadtteil Sprendlingen „wie ein Grenzwall zerschneiden“. Kindergarten- und Schulkinder sowie Senioren seien in Gefahr, weil Radfahrer dort immer Vorfahrt hätten und man sie auch viel schlechter höre und sehe als Autos. Die Anwohner dürften nicht mehr vor ihren eigenen Häusern parken, die sowieso an Wert verlören, weil niemand an einer solchen Fahrradautobahn wohnen wolle.

Kritik an Fehlplanung

Das Schreiben nennt 400 000 Euro an Kosten für „diese Fehlplanung“. Bürgermeister und Stadtpolitik sollten doch „gesunden Menschenverstand über Prestigeprojekte stellen“ und mit den Anwohnern über Alternativen diskutieren, bevor die Umsetzung des Schnellwegs in Gang komme.

Besonders der Verdacht, „dass Corona als Vorwand genommen wird, um die betroffenen Bürger überhaupt nicht an der Planung zu beteiligen“, ärgert den Bürgermeister. „Wir hatten in der Corona-Zeit mehr zu tun, als hinter verschlossenen Türen dieses Projekt voranzutreiben“, sagt Burlon.

Die Bauarbeiten seien in Dreieich erst 2022/2023 vorgesehen, die Detailplanung für die Streckenführung solle in diesem Herbst in Abschnitten beginnen. Vorher gebe es auch keine belastbaren Zahlen zu den Kosten. Mit den Planentwürfen gehe es dann in die Diskussion und Erörterung mit Bürgern, ADFC und Naturschutzverband. Auch eine Infoseite auf der städtischen Homepage sei geplant. Die Regionalpark Rhein-Main GmbH vergebe die Planungsleistungen. Im Übrigen führe der Radschnellweg in den anderen Kommunen trotz bahnnaher Streckenführung ebenfalls mittendurch – weil sie im Gegensatz zu Dreieich (und Erzhausen) beidseitig der Bahnlinie liegen.

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