Kindergarten01_081020
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Ein Landschaftsarchitekt hat Spielraum geschaffen.

Dreieich

Zweisprachig lernen von Anfang an

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Der neu gestaltete Kindergarten der Strothoff School in Dreieich führt Gruppen mit zwei Erzieherinnen ein. Zum Spielen geht es jetzt in zweisprachigen Tandem-Gruppen.

Der Kindergarten der Strothoff International School in Dreieich-Sprendlingen war bisher schon anders als andere Einrichtungen: Er war rein englisch. Jetzt ist er noch besonderer – und zwar sowohl optisch als auch inhaltlich. Die Jungen und Mädchen spielen nun bilingual in sogenannten Tandem-Gruppen. Draußen warten neue Spielgeräte aus Rubinienholz auf sie, drinnen umgestaltete Räume.

„Das Tandem-Konzept ist neu“, sagt Kindergartenleiterin Ana Laura Cervantes, und erklärt: Deutsch und Englisch sind in den neuen Gruppen gleichberechtigt. Die Kinder lernen hier spielerisch zwei Sprachen – völlig ohne Grammatikunterricht.

Pro Gruppe kümmern sich je eine deutsche und eine englische Erzieherin um die Kleinen. „Wir simulieren hier eine multilinguale Familie“, sagt Schulleiter Michael Höfig. Die Kinder würden von Anfang an projektorientiert im Team lernen. „Der Teamgedanke ist wichtig, die Erzieher sind eigentlich nur Moderator.“ Und es werde permanent thematisiert, was es bedeutet, Weltbürgerin und Weltbürger zu sein. „Wir haben zu 50 Prozent ausländische Kinder“, begründet kaufmännischer Leiter Johannes Barabas. Derzeit gibt es eine Tandem-Gruppe sowie eine Englisch-Gruppe mit je 16 Jungen und Mädchen. Im Januar soll noch eine zweite Tandem-Gruppe dazu kommen. Aus gutem Grund: „Die Kinder lernen hier in einem Jahr so schnell wie im Fremdsprachenerwerb in drei Jahren“, sagt Höfig. Es handle sich hierbei quasi um muttersprachliches Lernen. „Wenn sie in die Grundschule kommen, können sie beide Sprachen schon sehr gut.“

Rund 300 000 Euro hat die Internationale Schule in die Hand genommen, um ihren elf Jahre alten Kindergarten zu erneuern. Im Innern des Gebäudes hat Jessica Jörges, die Deutsche Meisterin im Malerhandwerk, Hand angelegt, hat visuelle Schwerpunkte geschaffen. In den Gruppenräumen wurden Nischen mit verschiedenen Spiel- und Lernmöglichkeiten geschaffen. „Die Kinder haben die Gelegenheit, ihre Räume zu entdecken. Nichts ist vorgegeben. Unser Konzept ist es, die Kreativität zu fördern“, sagt Höfig.

Auf dem 780 Quadratmeter großen Außengelände hat Landschaftsarchitekt Dirk Schelhorn, der auch schon den Dreieicher Bürgerpark überplant hatte, neue Akzente gesetzt. Aus splitterfestem Rubinien-Hartholz aus Brandenburg ließ er ein Baumhaus, ein Wasserspiel, eine Nestschaukel sowie Raumwelten um den bestehenden Sandkasten herum entstehen. „Kinder brauchen vielfältige Anregungen und Bewegungsräume, die sie durchspielen können“, sagt er. „Nicht die Erzieherinnen geben hier vor, sondern die Kinder entscheiden, wo sie spielen wollen.“

Der Preis für den Besuch des privaten Kindergartens ist übrigens ansehnlich: 1000 Euro sind pro Monat zu bezahlen. „Der Landkreis zahlt ja in anderen Einrichtungen die ersten sechs Stunden Betreuung. Das ist hier nicht der Fall“, erklärt Höfig.

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