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Und wenn es noch so bunt und schön anzuschauen ist: Kunststoff-Einweg-Geschirr soll es nach dem Willen der Grünen in Dreieich nicht mehr geben.

Kreis Offenbach

Kein Plastik mehr bei Empfängen und Festen in Dreieich

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Die Grünen in Dreieich wollen mit einem Antrag Einweg-Plastik aus ihrer Stadt verbannen. In Neu-Isenburg ist das schon seit 1990 beschlossene Sache.

Weg mit dem Einwegplastik in der Stadtverwaltung, in den städtischen Betrieben und bei städtischen sowie öffentlichen Veranstaltungen in Dreieich. Mit diesem Vorstoß machen aktuell die örtlichen Grünen von sich reden. Die Fraktion hat einen Antrag zum Verzicht auf Einwegkunststoffprodukte an die Stadtverordnetenversammlung formuliert, der in den kommenden Ausschusssitzungen beraten werden soll.

Die Dreieicher Grünen fordern in ihrem Antrag, dass die Stadt selbst Plastikmüll vermeiden, aber auch die Auflagen für öffentliche Veranstaltungen entsprechend anpassen soll. Heißt: Verträge für Feste und Feiern sollen künftig einen Passus enthalten, der Einwegplastik verbietet. Nach Wunsch der Grünen soll die Regelung zum 1. Januar des kommenden Jahres in Kraft treten, falls sie nicht unmittelbar umgesetzt werden kann. Auf jeden Fall sollte sie für alle Veranstaltungen gelten, die 2020 über die Bühne gehen.

Die Grünen-Fraktion greift damit einer Richtlinie vor, die das EU-Parlament im März beschlossen hat: Um die Vermüllung der Umwelt und der Weltmeere zu stoppen, ist ab 2021 in der gesamten EU Einwegplastik verboten.

Bei vielen Veranstaltungen werde in Dreieich noch Plastikgeschirr und -besteck verwendet, hat Roland Kreyscher, Fraktionssprecher der Grünen, beobachtet. „Auf der Hainer Kerb gab es an einem Stand nicht nur Kuchenteller, sondern sogar Kaffeetassen aus Einwegplastik“, ärgert er sich. Dass es auch anders geht, habe der Förderverein Behindertenhilfe Dreieich bewiesen, der beim Sportfest des SC Hessen Holz-Kuchengabeln und Pappteller ausgab.

Finanzierung weniger das Problem

Die Finanzierung sei weniger das Problem, sondern vielmehr die alternativen Produkte, meint Kreyscher. Papierstrohhalme beispielsweise könnten aufweichen oder sich ganz auflösen. „Es muss massenhaft recycel- und kompostierbare Alternativprodukte geben“, denkt er laut nach, „dann drückt die Nachfrage auch den Preis.“ Und wenn die Bratwurst beim Stadtfest zehn oder 15 Cent teurer werden würde, „dann ist das halt der Preis dafür“.

Anfang der 1990er Jahre sei in Dreieich ein Geschirrmobil angeschafft worden, das jeder mieten konnte, erinnert sich der Fraktionssprecher. Der Zweiachsanhänger mit Porzellangeschirr, Gläsern und Besteck stand auf dem Bauhof in der Herrnröther Straße. Nach dem Abbruch des Gebäudes und dem Umzug in den gemeinsamen Bauhof mit der Nachbarstadt Neu-Isenburg sei das Geschirrmobil „verschollen“.

Ein Anruf beim Dienstleistungsbetrieb Dreieich und Neu-Isenburg (DLB) verschafft jedoch Klarheit. „Das Geschirrmobil gibt es nach wie vor, es ist jetzt im Winterdienststützpunkt an der Rostädter Straße stationiert“, sagt Steffen Romeis, Teamleiter Abfallwirtschaft beim DLB.

„Wir sind in Dreieich nicht die Vorreiter für die Vermeidung von Plastikmüll, das machen andere schon länger“, sagt Kreyscher. Stimmt: In Neu-Isenburg haben die Stadtverordneten bereits vor fast 20 Jahren, im November 1990, einen entsprechenden Beschluss gefasst. Darin hieß es, der Magistrat solle alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, „um auf die Veranstalter von Märkten, Ausstellungen, Sportveranstaltungen, Werbeveranstaltungen einzuwirken, ausschließlich wiederverwertbares Geschirr beim Verkauf von Getränken und an Ort und Stelle zu verzehrenden Speisen zu verwenden“.

Nach Mitteilung der Rathausspitze will Neu-Isenburg jetzt auch selbst mit leuchtendem Beispiel vorangehen und künftig bei Sitzungen und Veranstaltungen auf Getränke in Plastikflaschen verzichten. Stattdessen soll aus Mehrweg-Glasflaschen ausgeschenkt werden. Seit 2012 ist die Stadt auch Fairtrade Town. Über 40 Partner bieten Produkte aus fairem Handel an, eine Steuerungsgruppe koordiniert alle Aktivitäten.

Verleih von Mehrweggeschirr

Der Dienstleistungsbetrieb (DLB) Dreieich und Neu-Isenburg betreut die Ausleihe des Dreieicher Geschirrmobils. Für den zweiachsigen Anhänger mit 1300 Kilogramm Gewicht ist ein entsprechender Führerschein notwendig. Porzellangeschirr, Gläser und Besteck für bis zu 100 Personen kann mitsamt zwei Industriespülmaschinen für 25 Euro pro Tag gemietet werden – auch von Betrieben und von Bürgern, die nicht aus Dreieich sind. 100 Euro sind als Kaution zu entrichten.

Neu-Isenburg hat gleich zwei Geschirrmobile mit je einer Spülmaschine für Geschirr und einer Spülmaschine für Gläser. Das eine Gefährt wurde im Jahr 1991 von der Stadt angeschafft, das andere spendete die Dr. Bodo-Sponholz-Stiftung. Die Interessengemeinschaft Isenburger Vereine (IG Vereine) koordiniert die Ausleihe ehrenamtlich und verlangt für bis zu vier Tage 81 Euro von Vereinen sowie 100 Euro von Privatpersonen.

Die Stadt Langen setzt auf weißes Ess- und Kaffeegeschirr aus Arcopal, also aus gehärtetem Glas. Seit 1992 verleiht es der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) kostenlos in Tragekörben, und erhält für das Einsortieren, die Ausgabe und Rücknahme jährlich 1500 Euro Zuschuss aus der Stadtkasse. Im Vorjahr wurden die 87 000 Serviceteile, die im alten Feuerwehrhaus gelagert sind, für über 180 Feste angefragt.

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