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Oliver Derks setzt die Bühne der Burgfestspiele ins rechte Licht.

Burgfestspiele Dreieichenhain

Hinter den Kulissen

30 Leute halten die Dreieichenhainer Burgfestspiele reibungslos am Laufen.FR-Autor Stephen Wolf hat beobachtet, was hinter der Bühne geschieht, wenn Magier Nikolai Friedrich vorne zaubert.

Von Stephen Wolf

Nur noch Minuten bis zum Auftritt. Die letzten Sektgläser im Bewirtungszelt werden geleert, viele der etwa 700 Zuschauer haben sich schon im Burghof niedergelassen. Gleich beginnt die 21. Veranstaltung der Burgfestspiele in Dreieichenhain. Der Hauptakteur des Abends – Mental-Zauberer Nikolai Friedrich – isst noch schnell einen Salat, „einen Braten könnte ich jetzt nicht herunterbekommen“, sagt er.

Dennoch, von Anspannung keine Spur. „Natürlich ist man kurz vor einem Auftritt etwas aufgeregt, aber ich würde es in meinem Fall eher als Vorfreude bezeichnen“, sagt der 33 Jahre alte Magier aus Friedrichsdorf. Souverän und freundlich, so wirkt Friedrich, während er von einem zurückliegenden Auftritt in Mexiko berichtet. Zaubertricks verrät er natürlich nicht. So, nun muss er sich umziehen, dann geht es los.

Auch das Team, das sich seit Jahren um den reibungslosen Ablauf der Burgfestspiele kümmert, wirkt routiniert. „Wir sind natürlich froh, dass es nicht regnet“, sagt Organisator Benjamin Halberstadt und schaut zufrieden in den Himmel. Sollten Regentropfen fallen, auch das wäre zu stemmen, sagt er. Regen-Capes für die Zuschauer lägen bereit, und ein großer Teil der Besuchertribünen ist ohnehin überdacht.

Die aktuelle Auflage der Burgfestspiele läuft nach Ansicht von Halberstadt sehr gut. Die Zustimmung zu dem abwechslungsreichen Programm von Oper, Schauspiel und Lesung bis hin zu Blues, Comedy oder Kindertheater sei gut. „Wir haben in diesem Jahr unser Programm bewusst vielfältig gestaltet. Beispielsweise haben wir mehr für Familien im Angebot“, sagt der 42 Jahre alte Betriebsleiter der Bürgerhäuser Dreieich. Tatsächlich habe sich das auf die Besucherzahlen ausgewirkt. Denn schon am 29. Juni seien so viele reservierte Plätze verkauft gewesen wie vergangenes Jahr am Ende der Saison.

Auch wenn das Team der Burgfestspiele – 25 freie Mitarbeiter und fünf Festangestellte – eingespielt ist, der Organisationsaufwand bleibt eben doch groß, sagt Halberstadt. „Wenn die eine Show vorbei ist, wird ja normalerweise direkt danach die nächste aufgebaut“, berichtet er. Und das könne bis spät in der Nacht andauern. Vor allem Stefan Mayer und Oliver Derks, verantwortlich für Ton und Licht, müssen dann ihre Sinne zusammenhalten.

„Heute ist es etwas schwierig, da der Wind ziemlich stark weht“, berichtet Mayer. Er muss also dafür sorgen, dass der Mental-Magier gut verständlich bleibt, auch wenn ein Luftzug ins Mikrophon rauscht. Aber bisher klappt alles gut. Nikolai Friedrich steht auf der Bühne, verblüfft die Zuschauer mit seinen Tricks und gibt sich witzig, charmant und manchmal etwas sarkastisch. Das kommt gut an bei den Zuschauern, die viel zu lachen und zu staunen haben.

Dass der Entertainer gut beleuchtet ist, dafür sorgt Oliver Derks, die Bühne im Blick. Auch er muss manchmal über die Witze von Friedrich schmunzeln. „Der macht das gut“, sagt er anerkennend. Nicht nur die Tricks, auch die Art, wie der Magier – „Typ netter Schwiegersohn“ – mit dem Publikum spielt, findet Oliver Derks, der seit 18 Jahren für die Festspiele arbeitet, richtig gut.

Bald wird das Programm unterbrochen, kleine Pause. Thomas Hartmann und seine Mitarbeiter bereiten schon einmal die Getränke vor. „Alles muss klappen wie am Schnürchen“, sagt der Chef des Party-Service. Wenn sich die vielen Zuschauer einen Schluck genehmigen wollen, müsse es eben schnell gehen. Dabei kämen ja auch alle gleichzeitig. Heute, so vermutet er, werde wohl eher Alkoholfreies wie Bionade ausgeschenkt. Schließlich seien viele Familien da. Bei einem Kabarett-Abend werde hingegen Pils bevorzugt, beim Opernbesuch Sekt.

Während in dem alten Gemäuer der Hayner Burgruine Applaus aufbrandet, muss Martina Eichele aufpassen, dass kein Unbefugter die Garderobe des Künstlers betritt. „Schade, ich hätte mir gerne den Auftritt angesehen“, sagt die Frau, die ebenfalls schon seit Jahren das Festival unterstützt.

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