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Helen Samarchi Fraenzel in ihrem Buchschlager Atelier.

Dreieich Ausstellung

Mal gegenständlich, mal abstrakt

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Das Werk der Malerin Helen Samarchi spiegelt ihr Leben in Indien, Irak und Dreieich. Die Stadtbücherei in Sprendlingen widmet ihr jetzt eine Ausstellung.

Verschenkt habe sie noch keines ihrer Bilder, sagt Helen Elias Samarchi Fraenzel und lacht. „Aber verkauft schon!“ Hunderte von Bildern hat sie gemalt, die genaue Anzahl kennt sie nicht. In ihrem Haus in Buchschlag hängen die Wände voll, und immer wieder hat sie ihre Arbeiten auch ausgestellt. Von heute Abend an sind wieder einige ihrer Bilder öffentlich zu sehen, die Stadtbücherei in Sprendlingen widmet ihr eine Ausstellung.

In die Wiege gelegt wurde ihr die Malerei nicht: 1931 wurde Samarchi Fraenzel in Bombay als Tochter eines irakischen Geschäftsmanns geboren. In der Schule erhielt sie Kunstunterricht, doch beeindrucken konnte dieser das junge Mädchen nicht. 1949 zog die Familie zurück in den Irak, nach Bagdad. „Küchenarabisch“ nennt Samarchi das, was sie damals beherrschte. Bei einer Bank übernahm sie die Korrespondenz für englische Kunden und lernte so ihren Mann, den Deutschen Klaus-Joachim Fraenzel, kennen: „Er arbeitete für eine deutsche Firma und ich übersetzte für ihn.“

Zuhause spricht sie Arabisch

1956 heirateten beide, drei Jahre später kam ihr erstes Kind, Tochter Kerima, zur Welt. Wie ihre beiden Brüder besuchte sie die von ihrem Vater mitbegründete deutsche Schule in Bagdad.

Zur Ausstellungseröffnung sind alle drei nach Buchschlag gekommen und erinnern sich an die Zeit in Bagdad. Eine boomende Weltstadt sei diese gewesen, nurwerde das heute gern vergessen, betont ihre Tochter Kerima.

Seit 1987 lebt Samarchi in Buchschlag. Deutschland sei ihr nicht fremd gewesen, betont sie, schon zuvor besuchte sie mit ihrem Mann dessen thüringische Heimat: „Mit unserem irakischen Nummernschild waren wir Exoten, im Dorf scharten sich die Leute um unser Auto.“

Doch Deutsch, im Gegensatz zu Hindi, Arabisch oder Englisch, sprach Samarchi nicht so gut, zuhause wurde Arabisch gesprochen. Bei einem Malkurs suchte sie Abwechslung. Einfach drauflos gemalt habe sie, als ob sie nie etwas anderes getan hätte. Schon bald zeigte sich Samarchis Talent: Jeden Tag entstand ein neues Bild. Erst Aquarelle, doch rasch bevorzugte sie Ölfarben.

Einem Stil wollte sich Samarchi nie unterordnen: Mal malte sie impressionistisch, dann gegenständlich oder abstrakt. „Mein Mann schenkte mir eine Staffelei, denn ich malte gern im Freien. Außerdem riechen die Ölfarben stark im Haus“, sagt Samarchi. „Mein Mann war mein bester Kritiker. Wenn er sagte ‚Not bad‘, dann wusste ich, es gefiel ihm.“

Ein Atelier als Überraschung

An einem Heiligabend überraschte er sie dann mit einem eigenen Atelier: „Er hat das Schwimmbad im Untergeschoss heimlich zum Atelier umbauen lassen“, sagt sie. Geweint habe sie vor Freude: „Da wusste ich, er respektiert meine Malerei.“

Später, als Samarchi ihre Familiengeschichte in einem Buch aufzeichnete, überraschte er sie wieder. Erneut an Heiligabend präsentierte er ihr die gebundenen Exemplare: „Und wieder kamen mir die Tränen“, sagt sie. „Hope“, „Hoffnung“ heißt ihr Buch, und Hoffnung ist auch eines der Motive in Samarchis Schaffen: Menschliche Figuren vor strahlendem Sonnenlicht. Denn so, sagt sie, sehe Hoffnung aus.

Auch Stationen ihres Lebens durchziehen Samarchis Werk: Etwa Ansichten vom Fluss Tigris mit seinen Dattelbäumen. Ein „fotografisches Auge“ habe sie und könne sich deshalb an Landschaften oder Stimmungen gut erinnern. „Außerdem bin ich Schnellmalerin: Manchmal brauche ich nur eine Stunde“, sagt Samarchi.

Die Ausstellung „Light“ beginnt am Freitag, 17. Januar, um 19 Uhr im Galerieraum der Stadtbücherei in der Fichtestraße 50A mit einer Vernissage. Zu sehen sind die Bilder bis zum 28. Februar.

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