Dreieich

Dreieich: Onlineformular mit Brisanz

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Ein Vater moniert die Datenabfrage bei der Web-Kita-Anmeldung in Dreieich und wittert Diskriminierung. Der Bürgermeister weist das weit von sich.

Warum spielt die Ethnie der Eltern bei der Beantragung eines Kindergartenplatzes in Dreieich eine Rolle? Das fragt ein misstrauischer Vater. Er ist bei der Onlineanmeldung seines Kinds auf das Feld „Herkunft“ in der Eingabemaske gestoßen, und glaubt, die Stadt wolle so bewusst selektieren. Bürgermeister Martin Burlon (parteilos) weist das zurück. Die Vergabe der Kitaplätze erfolge diskriminierungsfrei.

Das Onlineformular für die Anmeldung enthält nach Meinung des Vaters gleich mehrere brisante Eingabefelder. Dort wird zwingend nach der Staatsangehörigkeit, nach der zweiten Staatsangehörigkeit und nach der Herkunft gefragt. Die Konfession anzugeben, ist keine Pflicht, „doch keine Angabe ist auch eine Angabe“, meint der Vater. Das alles sei doch eigentlich für eine städtische Kita völlig irrelevant. „Ich würde es eher verstehen, wenn man fragt, welche Sprachen das Kind spricht oder wie lange die Eltern schon in Deutschland leben.“

Der Vater, der in Deutschland geboren ist, aber einen Migrationshintergrund hat, glaubt, dass sein Sprössling wegen seiner ethnischen Herkunft oder Konfession einem bestimmten Kindergarten zugeteilt wurde. Kinder aus dem gleichen Wohnhaus und aus der direkten Nachbarschaft wurden nämlich in einen neueren Kindergarten aufgenommen. Sie sind alle katholisch, während sein Kind konfessionslos ist.

Sämtliche erhobenen Daten zu den Kindern – und übrigens auch zu den Mitarbeitern – dienten der Statistik, sagt die städtische Pressesprecherin Claudia Scheibel; sie gingen an die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Alle Träger von Kindertagesstätten seien verpflichtet, die Daten zu erheben.

Für die Stadt selbst spielten weder Herkunft noch Religion eine Rolle, damit würden keine Auswahlentscheidungen getroffen, beteuert Burlon. „Was für uns eine Rolle spielt, ist, ob Sprachförderprogramme nötig sind. Aber das zeigt erst in den Einrichtungen, wenn die Kinder da sind.“ Man bedauere es sehr, wenn bei Eltern der Eindruck entstehe, diese Datenerhebungen hätten Einfluss auf den Kitaplatz, sagt Scheibel.

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