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Heiligabend gegen Ende des Ersten Weltkriegs: Das bedeutete offenbar Frieren. Das Ehepaar Wagner schenkte sich eine Kochkiste.
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Heiligabend gegen Ende des Ersten Weltkriegs: Das bedeutete offenbar Frieren. Das Ehepaar Wagner schenkte sich eine Kochkiste.

Weihnachtsausstellung

Dreieich: Heiligabend in guten – und in schlimmen Zeiten

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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100 Jahre alte Selfies unterm Weihnachtsbaum: Das Dreieichmuseum zeigt in seiner aktuellen Ausstellung einen faszinierenden Foto-Fund.

Weihnachten gilt als das Familienfest schlechthin. Heutzutage wird an den Feiertagen wohl milliardenfach geknipst und gefilmt, und kaum jemand bekommt diese Familienfotos je wieder zu Gesicht. Ganz anders war das bei Anna und (ja, er hieß wirklich so) Richard Wagner, einem Berliner Ehepaar, das im Jahr 1900 geheiratet hatte und bis 1945 jedes Jahr ein Selfie (ja, auch das ist nichts Neues) unterm Weihnachtsbaum schoss.

Das klingt erst einmal recht banal, doch Corinna Molitor, Leiterin des Dreieichmuseums in der Burg Hayn, kommt angesichts der kulturhistorisch so wertvollen und zugleich humorvollen Bilder ins Schwärmen. Denn die historischen Fotos – Richard Wagner bekam zu Beginn der Ehe eine Kamera geschenkt – erzählen auf eine besondere, sehr nachdenkliche Weise von dem Paar, das kinderlos blieb, aber den Fotos nach eine sehr liebevolle Ehe führte.

Sie zeigen bescheidenen Wohlstand, bittere Not und Kälte, einen sich ganz allmählich wandelnden bürgerlichen Geschmack und eben auch die große Geschichte im Hintergrund, die das Leben dieser kleinen Leute überschattete: Kaiserzeit, Inflation, Drittes Reich, zwei Weltkriege.

Der technische Fortschritt wird ebenfalls sichtbar: 1917 waren Kochkisten offenbar ein beliebtes Weihnachtsgeschenk, 1930 lag ein Föhn unterm Baum, der irgendwann schließlich auch mit elektrischen Kerzen geschmückt wurde – der letzte Schrei. „Wir sind ganz verliebt in die Ausstellung“, sagt Molitor im Namen des Dreieicher Museumsteams. „Ich glaube, das Schicksal der Wagners geht uns allen ans Herz. Wir wissen fast nichts über sie und kennen nur die Bilder, die sie an Verwandte geschickt haben.“

Ausgeliehen hat die Ausstellung nun das Berliner Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, das die historische Sammlung vor einigen Jahren durch Zufall erwarb. Es ist schon die zweite Leihe; mit der Ausstellung ist für das Dreieicher Museum auch großer Frust verbunden: Eigentlich hätte all das schon vor einem Jahr gezeigt werden sollen.

Die Bilder hingen, Einladungen und Plakate waren gedruckt, doch dann machte die hochschnellende Corona-Inzidenz dem Ausstellungsteam einen Strich durch die Rechnung. „Wir mussten alles wieder zurückschicken, ohne dass jemand die Schau besichtigen konnte“, sagt Molitor. Auf ein Neues also. Inzwischen hat sie alle Tafeln noch einmal gehängt, Plakate und Prospekte konnte sie wiederverwerten. Diesmal gastiert auch der „Mobile Kleiderschrank“ der Kulturregion Frankfurt Rhein-Main zeitgleich hier und zeigt weihnachtliche Kleidung.

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