Dreieich

Drei Jahre bis zur Erzieherin im Dekanat Dreieich

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Schneller auf dem Weg zur Erzieherin, und zwar über die gesamte Ausbildungszeit mit dem entsprechenden Gehalt - das geht, zeigt das Dekanat Dreieich auf.

Erzieherinnen sind gefragt, aber dünn gesät. Wer Kinder betreuen will, muss sich fünf Jahre lang ausbilden lassen und arbeitet vier Jahre davon unbezahlt. Das Evangelische Dekanat Dreieich geht nun neue Wege: Es bietet eine verkürzte Ausbildung an, die nur drei Jahre dauert – und während der kompletten Zeit vergütet wird.

Erst zwei Jahre Sozialassistenz, dann zwei Jahre Theorie an einer Fachschule und schließlich ein Jahr bezahltes Berufspraktikum – das ist bisher der Werdegang einer Erzieherin. Nun bietet das Evangelische Dekanat Dreieich „Pia“ an, die praxisintegrierte Ausbildung. Sind somit diejenigen, die die fünfjährige Ausbildung durchlaufen, die Dummen? Christine Großebörger, Geschäftsführerin der Kindertagesstätten im Evangelischen Dekanat Dreieich, relativiert: „Pia sind drei wirklich harte Jahre.“ Die inhaltlichen Vorgaben seien die gleichen wie bei der fünfjährigen Ausbildung, die Module, die gesetzlich belegt werden müssen, seien zusammengefasst.

Einmal im Monat ist auch samstags bis 17 Uhr Unterricht. Ansonsten heißt es: drei Tage Praxis in einer Kita im Dekanat und zwei Tage ganztägig Schule. Ferien gibt es nicht, nur „ganz normalen Urlaub“, sagt Großebörger, Hausaufgaben müssen gemacht und zusätzlich Projekte vorbereitet werden.

Im April hatte das Dekanat einen Kooperationsvertrag mit der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift in Darmstadt geschlossen, eine private Fachschule für sozialpädagogische Berufe. Das war der Schlüssel zum neuen Angebot. „Wir können in unseren Kitas die Praxisstelle bieten, und im Elisabethenstift geht der theoretische Teil über die Bühne“, sagt Großebörger. Zur Finanzierung der Ausbildungsvergütung hatte das Dekanat beim Bundesfamilienministerium Mittel aus dem Bundesprogramm Fachkräfteoffensive beantragt, die auch schon bewilligt sind. „Das Geld kommt aber leider zeitversetzt.“

Da die Akademie eine private Schule ist, verlangt sie auch Schulgeld; 160 Euro monatlich sind pro Schüler zu berappen. „Das Geld müssen wir aus dem Haushalt des Dekanats nehmen“, sagt die Kita-Geschäftsführerin, und erklärt, das habe andere Träger abgeschreckt. Darüber hinaus sei das Elisabethenstift eine evangelische Fachschule. „Unsere Haltung wird dort bei der religionspädagogischen Ausbildung in den Unterricht integriert“, erläutert Großebörger.

Die ersten drei Frauen haben ihre Ausbildung am 1. August begonnen, absolvieren den praktischen Teil an evangelischen Kitas in Neu-Isenburg und in Dreieich. „Alle drei sind mittleren Alters, haben schon Familie und Kinder“, sagt Großebörger. Pia sei auch für Migrantinnen denkbar, die neben guten Deutschkenntnissen (Niveau C1) mindestens 480 Stunden Praxiserfahrung aus ihrer Heimat mitbringen.

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