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Dolce Vita unter Sternen

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Von: Frank Sommer

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Open-Air-Kino im Dietzenbacher Waldschwimmbad.
Open-Air-Kino im Dietzenbacher Waldschwimmbad. © Rolf Oeser

Im Dietzenbacher Waldschwimmbad gibt es wieder bis Ende August Open-Air-Kino. Besucher können dort bei einem Picknick ihre Lieblingsfilme sehen.

Im Dietzenbacher Waldschwimmbad, 20.30 Uhr: Zielstrebig gehen die ersten 20 Besucher zu der Containerwand und holen sich Liegestühle und Decken. Deutlich ist der Mond zu erkennen, doch noch ist es hell. Grillen zirpen, im Freibad herrscht ansonsten Ruhe. Die beliebtesten Plätze sind zwischen den Steinelementen und im Sand vor der Strandbar. Schnell werden Taschen und Körbe ausgepackt: Gefüllte Tomaten, Kuchen oder Weinflaschen kommen zum Vorschein.

„Ja, Picknick ist beim Open-Air-Kino ausdrücklich erwünscht“, erklärt Stefanie Apel von der Stadtmarketing-Agentur. Bis Ende August gibt es im Waldschwimmbad wieder „Kino unter Sternen“. Wer keine Verpflegung dabei hat, braucht nicht zu hungern: Die Strandbar bietet Snacks und Getränke. „Der Renner sind die Nachos, die wir erstmals anbieten: am ersten Abend komplett ausverkauft – dabei war das die Ration für mehrere Tage“, sagt Apel. Auch die neu eingeführte Pause während des Films sei gut angenommen worden.

21 Uhr: Gut 90 Besucher sind nun vor der 60 Quadratmeter großen Leinwand versammelt, darunter Silke und ihre Freundinnen. Die junge Rodgauerin feiert hier ihren Jungesellinnenabschied. Eine tolle Idee sei das,, hier im Freien zu feiern und später einen Film zu schauen. Ihre Freundin Anke hatte dazu die Idee: „Meine Mutter war schon öfter hier und schwärmte immer davon – und sie hat recht: Hier herrscht eine tolle Atmosphäre.“

Stammbesucher dagegen sind Christa und Klaus aus Dietzenbach, selbst bei Regen haben sie hier schon unter Plastikplanen ausgeharrt, die Stimmung beim Kino sei unvergleichlich: „So ein Ambiente gibt es kein zweites Mal. Das Kino gehört einfach zu Dietzenbach.“

21.58 Uhr: Matthias Pein steigt die Treppe zum Projektorraum empor. Ein „Ernemann 18“ steht dort, ein 35-mm-Filmprojektor. Auf Knopfdruck beginnt sich die große Filmspule zu drehen. Draußen auf der Leinwand ist der Vorspann zu sehen, „To Rome with Love“ heißt der Film. Pein dreht an einer Kurbel über der Projektorbirne: Breitwand oder Cinemascope, das muss Pein von Hand einstellen, ebenso die Schärfe. Feine Schweißperlen glitzern auf seiner Stirn, der Projektor erzeugt eine immense Hitze und verwandelt den kleinen Raum schnell in einen Backofen. Eine Wasserflasche steht immer bereit: „Die ist unverzichtbar.“

Der Film läuft und Pein kann in die kühle Nachtluft hinaustreten, erst zur Pause muss er wieder nach oben steigen. „Cineast aus Leidenschaft“ sei er und ist oft in den Darmstädter oder Wiesbadener Programmkinos anzutreffen. Zweieinhalb Stunden vor Beginn ist er mit Vorbereitungen beschäftigt: Der auf kleine, Bobbys genannte, Spulen aufgeteilte Film muss zu einer langen Filmspur zusammengeklebt und aufgerollt werden. „Wenn ein Film Überlänge hat, wie etwa „Der Hobbit“, dann wiegt die Spule schließlich über 40 Kilo“, erklärt Pein.

Sorge bereitet ihm, dass viele Filme nur noch digital erscheinen: „Auf 35-mm wird immer weniger produziert, das kann irgendwann für uns zum Problem werden.“ Einen neuen Festplattenprojektor jedenfalls könne sich die Stadt nicht leisten, dieser kostet mindestens 40 000 Euro. Von diesen Überlegungen bekommen die Besucher des Open-Air-Kinos nichts mit: einige haben sich in die Decken gehüllt, Kerzen wurden entzündet, viele halten sich an den Händen. Woody Allens Film feiert das „dolce vita“ Roms, vor der Leinwand wird das süße Leben in Dietzenbach genossen.

Das Programm zum Open-Air-Kino steht unter www.kino-d.de. Die Filme beginnen im Juli um 22 Uhr, im August um 21.30 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 6. Bei Überlänge wird ein Zuschlag von 50 Cent erhoben.

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