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Vor gewaltigen Eingriffen in die Natur wie hier am Langener Waldsee warnten Naturschützer am Montag.

Quarzsandabbau in Dietzenbach

Riesige Umweltschäden befürchtet

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Beim ersten Treffen der Bürgerinitiative gegen Quarzsandabbau im Dietzenbacher Eulerwald sind einige der 70 Interessenten ziemlich wütend.

Manche staunten ob der Überfüllung, andere harrten geduldig im Stehen aus: Mit über 70 Besuchern übertraf die erste Infoveranstaltung der BI „Hände weg vom Sand im Wald“ am Montag alle Erwartungen der Initiatoren. Dicht an dicht lauschten die Interessenten den Ausführungen der BI-Gründer Monique Begall (Grüne), Ludwig Schneefeld (Nabu) und Rainer W. Frank. 

Hintergrund ist das Vorhaben der Firma Q-Sand, auf einer knapp 76,5 Hektar großen Fläche im Eulerwald Quarzsand abzubauen. „Q-Sand hat bereits vergangenes Jahr beim Regierungspräsidium einen Antrag zur Erkundung eingereicht“, sagt Schneefeld. Außerdem wolle die Firma das Gebiet in der Regionalversammlung von einem Abbauvorbehaltsgebiet zu einem Vorranggebiet ändern lassen. Die Fraktionen seien erst in diesem Februar von dem Vorhaben informiert worden. „Im Bauausschuss hat dann die Firma auf Einladung des Bürgermeisters die Präsentation zum Abbau vorgelegt“, sagt Schneefeld. Dabei sind es nicht nur der Abbau von Sand und die damit verbundenen Umweltschäden, auch ein weiteres Geschäftsfeld des Unternehmens beunruhigt die BI. 

Im Juni 2018 stieg zu 50 Prozent die im saarländischen Homburg ansässige Firma Omlor ein, die auch für Recyclingmaterial zuständig ist. „Es soll im Eulerwald nicht nur Sand abgebaut, sondern auch Material verfüllt werden – welches, das können wir nur erahnen“, sagt Frank. Eine ähnliche Situation gebe es im nahen Schaafheim, auch dort werde „abgebaut und die Brocken reingeschmissen“. Während sich BI-Mitgründer Frank eher vorsichtig zur Firma Q-Sand ausdrückt, scheut Schneefeld nicht vor populistischen Formulierungen zurück. Er greift besonders Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) an, der „sicher froh war, bei Firma Omlor verköstigt zu werden“. Aussagen wie diese fallen bei einigen empörten Bürgern auf fruchtbaren Boden, teils werden Verschwörungstheorien laut. 

Bürgerinitiative

Die BI wurde am 13. März von drei Bürgern gegründet, nachdem die Firma Q-Sand ihre Abbaupläne im Februar im Bauausschuss vorgestellt hatte.

Zu einem Waldspaziergang und einer Fahrradtour zu dem möglichen Abbaugebiet will die BI noch vor Beginn der Sommerferien einladen, die Termine werden auf der Homepage der BI veröffentlicht.

Eine Vorlage für ein Protestschreiben an Magistrat und Regierungspräsidium soll noch in dieser Woche erarbeitet und veröffentlicht werden. som

www.haende-weg-vom-sand-im-wald.info

Dass in einer Stadt mit einem strukturellen Defizit in Millionenhöhe der Bürgermeister verpflichtet ist, eine Möglichkeit zur Steigerung der Einnahmen zu prüfen, dafür haben die Besucher wenig Verständnis. „Wo kann ich mich anketten“, will ein Besucher wissen. Schneefeld und Begall betonen, dass man es gar nicht so weit kommen lassen möchte. „Wir wollen das ganze Vorhaben schon im Vorfeld verhindern“, sagt Begall. Dazu gehöre, die Bürger zu informieren und die Stadtverordneten anzuschreiben. „Kommen Sie in die Bürgerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung am 24. Mai“, sagt Andrea-Wacker-Hempel, Fraktionschefin der Grünen. „Nur zu unterschreiben und zu fragen, wohin man Geld überweisen soll, reicht nicht“, sagt Frank, „wir müssen die Stadt überzeugen, dass sich der Betrieb im Eulerwald nicht lohnt.“ Zwar sei nachvollziehbar, dass die finanziell klamme Stadt Geld benötige, doch würden allein durch die tägliche Lkw-Belastung durch das Werk die Straßen so leiden, dass die Einnahmen schon für die erneute Sanierung benötigt würden. 

Vertreter der Bürgerinitiative Schaafheim und des Aktionsbündnisses Langener Bannwald, mit denen die BI kooperiert, warnten, dass die Umweltschäden erheblich seien. „Auf die versprochene Renaturierung der abgetragenen Flächen warten wir in Langen schon seit Jahrzehnten“, sagt Matthias Rohrbach vom dortigen Aktionsbündnis. Da der Eulerwald der Stadt gehört, müsste jedoch die Stadtverordnetenversammlung dem Abbau und der Verklappung zustimmen. „Grüne, CDU, Linke oder AfD haben bereits gesagt, dass sie gegen einen Abbau sind“, sagt Frank; andere Parteien wie die SPD würden sich noch beraten. Eine Mehrheit für den Betrieb im Wald existiert somit nicht. „Aber Mehrheiten können sich schnell ändern, daher müssen wir dem Vorhaben einen Riegel jetzt vorschieben“, sagt Begall.

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