Dietzenbach

Quarzsandabbau bis in 20 Meter Tiefe

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Ein Investor möchte auf einem Areal im Osten der Kreisstadt bis zu 20 Meter tief Quarzsand abbauen.

Quarzsandabbau – ein Wort, das viele mit der Kiesgrube am Langener Waldsee und dem dortigen Kampf gegen die Vernichtung des Bannwalds verbinden. Ob es auch in Dietzenbach irgendwann Proteste gibt, steht in den Sternen, Tatsache ist aber: Ein Investor möchte auf einem Areal im Osten der Kreisstadt bis zu 20 Meter tief Quarzsand abbauen. Die 76 Hektar große Fläche an Bundesstraße 459 und Kreisquerverbindung gehört der Stadt, die am Gewinn beteiligt werden soll.

Es gebe einen großen Unterschied zum Kiesabbau am Langener Waldsee und am Rodgauer Badesee, erklärt Peter Ruhm, Generalbevollmächtigter der Firma Q-Sand: „Wir machen einen Trockenabbau, schneiden also kein Wasser an.“ Deshalb gebe es auch keine Gefahr einer Kontaminierung. Im Vorjahr vorgenommene Probebohrungen zeigten auf, dass das vorgesehene Dietzenbacher Areal rund einen halben Meter Mutterboden aufweise, darunter Sand in einer Mächtigkeit von etwa 20 Metern und ab 24 Metern dann das sogenannte Rotliegende, ein auffällig rot gefärbtes Gestein.

Schon in den 50er Jahren gab es an der Assar-Gabrielsson-Straße ein Kalksandsteinwerk, das von den Gebrüdern Willersinn betrieben wurde. Den Sand förderten die Ludwigshafener östlich nahe der Waldstraße. Die rund 15 Hektar große Sandgrube, die heute Willersinn’sche Grube heißt, wurde verfüllt und ist seit Jahren ein Naturschutzgebiet, in dem 185 Arten dokumentiert sind.

Mitten im Vogelschutzgebiet

Südlich davon schließt sich das Areal an, in dem nun Sand abgebaut werden soll. Es liegt mitten im 3000 Hektar großen Vogelschutzgebiet. „Das schließt den Rohstoffabbau nicht aus“, sagt Ruhm und erklärt, Q-Sand müsse nicht nur eine Umweltverträglichkeitsprüfung, sondern auch einen Ornithologen beauftragen. Bereits vor der Bohrung habe es eine Begehung mit Forst und lokalem Naturschutz gegeben. „Die haben zugestimmt, darüber gibt es ein Protokoll.“ Auf dem Mutterboden wächst derzeit Mischwald. Q-Sand werde den Abbauplan mit dem zuständigen Forstamt Langen abstimmen, sagt Ruhm, um keine wertvollen Gehölze zu vernichten, die noch einige Jahre wachsen könnten. „Wir werden Gebiete roden, die vom Forst jeweils frisch geschlagen sind.“ In Takten von rund 2,5 Hektar sollen die Flächen dann mit unbelastetem Boden verfüllt und wieder aufgeforstet werden. Der Zeithorizont ist breit gefasst: „Wenn es schnell läuft, können in drei bis vier Jahren die Bagger, Radlader und Förderbänder loslegen“, so Ruhm. Es könnten aber auch bis zu zehn Jahren werden – je nach Dauer des Genehmigungsverfahrens.

RP-Bergaufsicht entscheidet

Die Fläche ist im Regionalplan schon als Vorbehaltsgebiet für den Sandabbau eingezeichnet. Nach den Bohrungen war schnell klar, wie groß der Quarzgehalt des Sands ist, und das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie stellte den Antrag, das Areal als Vorrangfläche für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe in den Regionalplan aufnehmen zu lassen, der derzeit neu aufgestellt wird. Im Planfeststellungsverfahren werden dann die Träger öffentlicher Belange befragt und geben schriftliche Stellungnahmen ab. Am Ende steht die Abwägung der Bergaufsicht, eines Dezernates im Regierungspräsidium (RP) Darmstadt, unter welchen Auflagen ein Abbau erfolgen kann. „Wenn nur zehn Hektar genehmigt werden, rechnet sich das Projekt nicht mehr“, sagt Ruhm. Schon jetzt seien 300 000 Euro für Bohrungen und Genehmigungsverfahren ausgegeben worden, „ohne dass ein müder Euro verdient wurde“.

Mit der Stadt Dietzenbach sind die Eckdaten schon festgezurrt – auch wenn der Vertrag noch nicht geschlossen ist: Die Stadt soll 75 Cent pro Tonne für die Entnahme sowie 75 Cent für die Verfüllung erhalten. „300 000 Tonnen pro Jahr müssen es schon sein, um das Werk wirtschaftlich zu betreiben“, sagt Ruhm. Das hieße für die Stadt: 450 000 Euro an jährlichen Einnahmen.

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